DaimlerChrysler Prozess um Scheinrechnungen

Mit Scheinrechnungen soll ein ehemaliger Manager von DaimlerChrysler seinen Arbeitgeber um zweistellige Millionenbeträge geprellt haben. Der Angeklagte weist die Vorwürfe "weitgehend" zurück, kündigt aber ein Geständnis "in Teilbereichen" an.

Stuttgart - Im Prozess um millionenschwere Scheinrechnungen zu Lasten des Autokonzerns DaimlerChrysler hat der Hauptangeklagte den Vorwurf der Untreue, der Urkundenfälschung und der Steuerhinterziehung weitgehend zurückgewiesen.

Der Anwalt des früheren DaimlerChrysler-Managers sagte am Dienstag vor dem Landgericht Stuttgart, sein Mandat werde in den nächsten Sitzungen des Gerichts nur in Teilbereichen ein Geständnis abgeben. Die Anschuldigungen weise er größtenteils von sich. Dafür werde die Verteidigung mehrere Verhandlungstage benötigen.

Der Hauptangeklagte 41-jährige war im Controlling tätig und ist inzwischen entlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmäßige Untreue vor. Drei weitere Personen sind wegen Beihilfe dazu angeklagt.

Der Haupttäter habe seit 1995 mit Hilfe von Scheinrechnungen von drei Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Firmengelder in Höhe von mehr als 40 Millionen Euro erschwindelt, unter anderem durch gefälschte Unterschriften.

Die von ihm selbst beziehungsweise gemeinsam mit den drei Mitangeklagten als Geschäftsführer betriebenen Firmen führten die Rechnungsbeträge anschließend an ihn ab. Bei einer Gewerbesteuerprüfung Ende 2005 flog der Betrug auf. Zum Teil sind die Vorfälle bereits verjährt.

Prozess gegen Mitangeklagte wird abgetrennt

Prozess gegen Mitangeklagte wird abgetrennt

Gegen die drei Mitangeklagten wird voraussichtlich bereits am Donnerstag ein Urteil verkündet, da die Verfahren nach deren Einlassungen am Dienstag abgetrennt wurden. Die Staatsanwaltschaft beantragte für die drei Helfer Freiheitsstrafen zwischen sechs und 24 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollen. Dazu sollen Geldstrafen zwischen 21.000 und 50.000 Euro verhängt werden, forderte die Anklage. Die Geschäftsführer seien für den Vermögensschaden mitverantwortlich und hätten für ihre Dienste zum Teil bis zu 15 Prozent Provision kassiert.

Der Prozess gegen den Hauptangeklagten wird am 3. Juli fortgesetzt. Der Mann bezog eigenen Worten zufolge ein Jahresgehalt von rund 87.000 Euro. Durch die Betrügereien erschwindelte er sich laut Staatsanwaltschaft rund 25 Millionen Euro. Zudem gab er an, elf Häuser, Eigentumswohnungen und Baugrundstücke im Wert von vier Millionen Euro erworben zu haben. Dieser Besitz wurde inzwischen sichergestellt. In der seit gut eineinhalb Jahren dauernden Untersuchungshaft arbeite er nun für einen Stundenlohn von 70 Cent.

Tricksereien überstanden mehrere Revisionen

Bei DaimlerChrysler waren die Tricksereien trotz mehrerer Revisionen in den Jahren 2000 und 2002 nicht aufgefallen. In den vergangenen Jahren waren im Konzern zahlreiche Fälle von Untreue, Bestechung, Schmiergeldzahlungen, Steuervergehen und persönlicher Bereicherung im In- und Ausland bekannt geworden.

Im Mittelpunkt dieser von Konzernrevision oder US-Börsenaufsicht aufgedeckten Fälle stehen Mitarbeiter des Vertriebs, die sich auch unzulässiger Praktiken zur Aufbesserung des Absatzes bedient haben sollen. DaimlerChrysler hat zahlreiche hochrangige Mitarbeiter entlassen oder freigestellt. In zwei Fälle wurden Strafbefehle und Bewährungsstrafen verhängt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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