Yahoo CEO Semel kapituliert

Nach heftiger Kritik von Aktionären ist Yahoo-Chef Terry Semel zurückgetreten. Die Anteilseigner warfen ihm vor, keine konkreten Pläne darüber zu haben, wie Yahoo verloren gegangenen Boden im Wettbewerb mit Google wieder gutmachen könne. Nachfolger von Semel wird ein alter Bekannter.

San Francisco - Nach dem Rücktritt von Yahoo-Chef Terry Semel wird Mitgründer Jerry Yang künftig das Ruder als neuer CEO übernehmen, teilte das Internetunternehmen mit. Zudem ernannte die Firma die frühere Finanzchefin Susan Decker zur Präsidentin. Sie wird das Werbe- und Mediengeschäft des Unternehmens leiten.

Semel war erst vor kurzem auf der Yahoo-Hauptversammlung ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Die Aktionäre warfen ihm vor, keine konkreten Pläne zu haben, wie das Unternehmen im Wettkampf mit Google  verloren gegangenen Boden wieder gut machen könne. "Das vergangene Jahr war ein schwieriges Jahr für Yahoo", sagte Semel. "Ich weiß, dass keiner von uns mit den Ergebnissen zufrieden ist".

Seit Ende 2005 ist der Aktienkurs von Yahoo  um fast 30 Prozent eingebrochen. Dennoch kassierte Semel im vergangenen Jahr insgesamt 71,7 Millionen Dollar (54 Millionen Euro).

Der Manager hatte die Leitung von Yahoo vor sechs Jahren übernommen, als das Unternehmen nach dem Platzen der Blase am Technologiemarkt Verluste schrieb. Unter seiner Führung hat sich Yahoo auf das Werbe- und Mediengeschäft konzentriert.

Folgt ein radikaler Umbau?

Im lukrativen Online-Anzeigenmarkt ist das Unternehmen gegenüber Google aber zuletzt massiv zurückgefallen und auch neue Internet-Kontaktseiten wie MySapce machten Yahoo zusehends zu schaffen. So kündigte der Konzern nun an, dass im zweiten Quartal mit einem Umsatz am unteren Ende der eigenen Prognosespanne von 1,2 bis 1,3 Milliarden Dollar zu rechnen sei.

Der Wechsel an der Konzernspitze nährte auch Spekulationen, dass sich Yahoo für einen radikaleren Umbau in Stellung bringt. In einem Bericht des Fernsehsenders CNBC wurde über eine Partnerschaft oder ein Zusammenschluss mit Rivalen wie Microsoft (Kurswerte anzeigen), Time Warners AOL oder MySpace von News Corp.  spekuliert.

Yang, der jetzt die Führung des Unternehmens übernehmen soll, hatte Yahoo vor 13 Jahren gemeinsam mit seinem Kommilitonen David Filo als Navigationshilfe in den Anfangstagen des Internet gegründet. Mehr als ein Jahrzehnt war der gebürtige Taiwaner Yahoo-Chef. "Auch wenn es eine gewaltige Herausforderung ist, ich bin bereit", sagte der 38-Jährige nach seiner Rückkehr an die Unternehmensspitze.

Die Börse reagierte positiv auf die Nachrichten: Yahoo-Aktien legten im nachbörslichen Handel rund 6 Prozent zu.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

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