Private Equity Die Steuern sind "unnötig niedrig"

In Großbritannien tobt ein merkwürdiger Kampf. Der künftige Premier kritisiert die eigenen Gesetze, Finanzjongleure fordern höhere Steuern für sich selbst. In der peinlichen Befragung einer Parlamentskommission verlor der Cheflobbyist der Private-Equity-Branche die Contenance - und bald darauf seinen Job.

London - Der erste Kopf rollte diese Woche. Noch bevor eine ganze Reihe von Private-Equity-Managern am kommenden Mittwoch vor der Finanzkommission des britischen Unterhauses gegrillt werden soll, ist der Chef des Branchenverbandes, Peter Linthwaite, zurückgetreten.

Am Mittwoch hatte er der Kommission (Commons Treasury Select Committee) Rede und Antwort gestanden. Die Fragen reflektierten kaum mehr als die Debatte der vergangenen Wochen, wie sie vor allem die Gewerkschaften vorantreiben: Wie es zu rechtfertigen sei, dass Manager von Beteiligungsgesellschaften so wenig Steuern zahlen.

Zur Verteidigung hatte Linthwaite nicht viel vorzubringen. Medien und Kollegen nannten seinen Auftritt "ein Desaster". Wobei James Harding, ein Kommentator der "Times", immerhin zu bedenken gab, eine so verschwiegene Branche wie Private Equities öffentlich zu vertreten, sei als Aufgabe nicht gerade attraktiv: "Das ist so frustrierend wie Public-Relations-Arbeit für die Freimaurer oder für Opus dei." Wie soll man einen Verein öffentlich vertreten, fragt Harding, der die Öffentlichkeit scheut?

Linthwaite beklagte sich denn auch über mangelnde Unterstützung aus den eigenen Reihen. Die wenigen, die sich äußerten, fielen ihm in den Rücken. Zehn Tage vor der Befragung hatte Investmentlegende und SVG-Capital-Chairman Nicholas Ferguson öffentlich in Zweifel gezogen, dass die bestehende Regelung gerecht sei. Durch Steuervorteile, die eigentlich kleine und mittelständische Unternehmer fördern sollen, zahlen britische Private-Equity-Manager auf Gewinne aus Anteilsverkäufen lediglich 10 Prozent Steuern - "weniger als eine Putzfrau", so Ferguson.

Brown hat die Vorteile selbst eingeführt

Nach Linthwaites verzweifelter Vorstellung meldete sich nun in ähnlicher Weise Peter Taylor zu Wort, ebenfalls eine schillernde Figur des Londoner Finanzdistrikts und Chef von Duke Street Capital. Er sagte, die Steuern für sein Gewerbe seien "unnötig niedrig" und könnten erhöht werden, ohne die Investitionsneigung über Gebühr zu belasten.

In den Verhandlungen der Finanzkommission geht es um viel. Gordon Brown, derzeit Finanzminister und designierter Premier Großbritanniens, versprach, Ungerechtigkeiten in diesem Bereich zu korrigieren. Grundlage dafür wird der Bericht der Kommission sein. Mit Spannung wird daher jene Sitzung am kommenden Mittwoch erwartet.

Pikant ist der Ursprung der Steuervorteile. Gordon Brown selbst führte 1998 die Niedrigsteuer ein, und zwar für Investoren, die sich zehn Jahre oder länger mit eigenem Geld in einem Unternehmen engagieren. Gewinne sollten nach dieser Zeitspanne pauschal mit 10 Prozent belastet werden. 2000 wurde die Frist auf vier Jahre abgesenkt, 2002 auf zwei. Mit jeder Absenkung freilich wurde das Modell interessanter für Teilhaber, die auf kurzfristige Gewinne zielen, aber wenig Interesse an der langfristigen Entwicklung eines Unternehmens haben.

Nun wird mit Spannung erwartet, ob Brown wirklich sich selbst korrigieren wird. Oder etwa sein Nachfolger.

Den wird übrigens Premierminister Brown auswählen.

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