Jägermeister Notstand in Wolfenbüttel

Eigentlich sollte Hasso Kaempfe bis Ende des Jahres Chef bei Jägermeister bleiben. Tatsächlich hat der Manager sein Büro in Wolfenbüttel schon jetzt geräumt. Nun muss die verbleibende Rumpfmannschaft für Kaempfe in die Bresche springen. Denn ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

Wolfenbüttel - Noch vor vier Wochen hatte der amtierende Jägermeister-Chef Hasso Kaempfe verkündet, dass er seinen Vertrag bis Ende des Jahres erfüllen wird. doch nun kommt alles anders: Kaempfe hat seine Zelte in Wolfenbüttel bereits abgebrochen. Damit ist ein fließender Machtwechsel obsolet, die verbleibenden Jägermeister-Vorstände Jack Blecker und Paolo Dell’Antonio müssen ab sofort Kaempfes Aufgaben übernehmen.

Blecker ist im Vorstand für das weltweite Geschäft zuständig, wird sich jetzt aber auch um das Marketing Deutschland sowie die internationale Markenführung kümmern. Dem Finanz- und Verwaltungsvorstand Paolo Dell’Antonio wurden als zusätzliche Verantwortungsbereiche die Produktion und Warenwirtschaft, das Personalwesen und die Öffentlichkeitsarbeit übertragen.

Die Neuverteilung der Ressorts sei notwendig geworden, um die Klarheit in der Führung des Unternehmens zu erhalten, teilte der Spirituosenhersteller mit. Von einer dauerhaften Lösung spricht man aber nicht. "In absehbarer Zeit wird der Vorstand um ein weiteres Mitglied ergänzt, welches in Folge für den deutschen Markt zuständig ist", heißt es weiter.

Nach zehn Jahren an der Spitze des Spirituosenherstellers hatte Hasso Kaempfe Ende Mai angekündigt, dass Unternehmen zum Jahresende zu verlassen. Da sprach er noch davon, gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Blecker und Dell’Antonio Jägermeister bis zum Auslaufen seines Vertrages weiterzuleiten. Also bis Ende 2007. "Es wird keinen großen Umsturz geben, wenn ich gehe", versicherte Kaempfe damals.

Doch sein verfrühter Abgang und die damit verbundenen Umstrukturierungen bedeuten genau diesen Umsturz. "Der Aufsichtsrat sucht bereits nach einem neuen Chef", so eine Pressesprecherin gegenüber manager-magazin.de. Warum Kaempfe seinen Vertrag nicht bis Ende des Jahres erfüllt, wollte sie nicht kommentieren.

Der 57-jährige Kaempfe hat seinen Abgang bei Jägermeister damit begründet, dass er noch einmal andere berufliche Ziele verfolgen wolle. Kaempfes Demission in Wolfenbütttel erinnert an seinen Wechsel von Tchibo zu Jägermeister. Damals verließ er den Vorstand des Kaffeerösters, ohne einen Vertrag bei einem anderen Unternehmen zu haben. Wenige Monate später wurde Kaempfe Jägermeister-Chef. Der Likörhersteller zählt heute zu den erfolgreichsten Vertretern der Branche.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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