Kontron Chef- und Strategiewechsel

Als Hannes Niederhauser den Kleincomputer-Hersteller Kontron aus der Taufe hob, wollte der Ingenieur ausgereifte Hardware herstellen. Heute haben sich die Ziele geändert. Niederhauser wechselt in den Aufsichtsrat, sein Nachfolger soll Kontron auf Rendite trimmen.

München - Der Kleincomputer-Hersteller Kontron will mit einem Führungswechsel die Weichen für höhere Renditen stellen. Der amtierende Firmenchef Hannes Niederhauser, der zu den Kontron-Gründern zählt, erwägt nach eigenen Worten, sich innerhalb eines Jahres als Vorstandschef zurückzuziehen und in den Aufsichtsrat zu wechseln. Nachfolger werde der bisherige Finanzchef und Stellvertreter Ulrich Gehrmann, sagte Niederhauser.

"Wir wollen das Unternehmen weiterentwickeln. Wir müssen mehr strukturiert arbeiten und brauchen etwas weniger Bauchgefühl", begründete der 44-jährige Niederhauser seinen Rückzug nach mehr als zehn Jahren an der Unternehmensspitze. Der 48-jährige Gehrmann solle den Hersteller sogenannter Embedded Computers bei gleichbleibender Ausrichtung auf mehr Rendite trimmen. "Die Strategie wird sich nicht ändern, wir müssen nur effizienter werden", sagte Niederhauser.

Er räumte ein, als gelernter Ingenieur in der Vergangenheit teilweise vereinzelt zu viel Leidenschaft in die Technik gesteckt zu haben. "Mein Motto war immer: Gas geben. Künftig gilt: Zwei Mal messen, einmal schneiden." Als reifes Unternehmen in Konkurrenz mit Konzernen wie General Electric (GE) oder Motorola könne sich das Haus aus Eching bei München keine Fehler mehr erlauben. Im Aufsichtsrat will Niederhauser vor allem beratend tätig sein.

Großaktionäre hätten ihn nicht zu diesem Schritt gedrängt, betonte Niederhauser. Die größten Anteilseigner sind derzeit die Fonds Fidelity und DWS sowie die Schweizer Bank Syz.

Gehrmann werde als Ökonom dafür einstehen, dass Kontron bis 2011 die angepeilte operative Rendite von zwölf Prozent erreicht. Im vergangenen Jahr hatte der Wert noch bei 8,2 Prozent gelegen.

"Wir geben den Aktionären Geld"

"Wir geben den Aktionären Geld"

Eine hohe Umsatzmarge bei gleichzeitig eher niedrigem Kassenbestand sei der beste Schutz vor einer Übernahme, die Niederhauser auch weiterhin verhindern will. "Die beste Verteidigung gegen eine General Electric ist ein hoher Profit, die beste gegen Private Equity ist ein geringer Cash-Bestand. Wir geben den Aktionären lieber Geld zurück."

Allein im laufenden Jahr gibt Kontron für Aktienrückkäufe und Dividende rund 20 Millionen Euro aus. Da Kontron auch in Zukunft vor allem organisch und nicht über Zukäufe wachsen wolle, sei eine gefüllte Kriegskasse nicht notwendig.

Nach Angaben von Gehrmann und Niederhauser ist das Unternehmen derzeit weiter auf Wachstumskurs. Im laufenden zweiten Quartal werde die Firma mehr als 100 Millionen Euro Umsatz machen. "Die Zuwachsrate beim Ebit wird voraussichtlich mindestens die des ersten Quartals erreichen", sagte der designierte Vorstandschef Gehrmann. Im Auftaktquartal hatte Kontron seinen operativen Gewinn (Ebit) verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 31 Prozent gesteigert.

Folglich erwirtschaften die Oberbayern im laufenden zweiten Quartal einen Betriebsgewinn von voraussichtlich mindestens rund 8,8 Millionen Euro. Niederhauser bekräftigte, sein Haus werde 2007 den Umsatz um mindestens zehn Prozent auf über 445 Millionen Euro schrauben. Der Gewinn werde deutlich überproportional zulegen.

Kontron ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Hersteller integrierter Computersteuerungen, die vor allem in der Telekommunikationsindustrie und der Automatisierungsbranche eingesetzt werden. Neben dem wachsenden Telekomgeschäft setzt Kontron auf die steigende Nachfrage aus der Medizin- und der Energietechnik.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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