Privatuni Witten-Herdecke Übernahme zu riskant

Die Software AG-Stiftung übernimmt die Universität Witten-Herdecke nicht. Zu riskant sei das Projekt, die älteste Privatuni Deutschlands aus ihren finanziellen Schwierigkeiten zu retten. Witten muss nun auf Angebote weiterer Interessenten warten.

Darmstadt/Witten - Die Darmstädter Software AG -Stiftung wird kein Angebot zur Übernahme der privaten Universität im nordrhein-westfälischen Witten-Herdecke (UWH) vorlegen. Das habe der Vorstand nach einer dreitägigen Prüfung der Situation vor Ort entschieden, teilte die Stiftung am Montag in Darmstadt mit. Die Universität muss nun auf Angebote weiterer Interessenten wie der Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) warten.

Die Risiken des Projekts wurden vom Darmstädter Stiftungsvorstand als zu hoch eingeschätzt, hieß es. Mit einer Offerte hätte die Stiftung versucht, die Stimmenmehrheit von den überwiegend privaten Eignern zu übernehmen und die Uni mit einem finanziellen Polster für mehrere Jahre auszustatten. Dabei ging es um eine Summe von 23 Millionen Euro.

Peter Schnell, Stifter und Vorstandschef der Stiftung Software AG, zeigte sich bereits im Mai an der anthroposophisch ausgelegten Uni interessiert. Nachdem die Bücher vergangene Woche geprüft wurden, fanden Mitarbeiter ein Defizit von 12 Millionen Euro - bei einem Gesamtbudget von 36 Millionen Euro.

"Bislang gibt es mehrere ernsthafte Interessenten. Ein verbindliches Angebot liegt aber noch von Keinem vor", hatte Hochschulsprecher Dirk Hans vergangene Woche erklärt. Ein weiterer Interessent ist der private Klinik- und Fachhochschulbetreiber SRH, der nach bisherigen Aussagen mit 13 Millionen Euro einsteigen will. Laut SRH müssten weitere "drei bis vier potente Partner" mit je etwa derselben Summe mitmachen, um die Hochschule dauerhaft zu sanieren.

Dabei gehe es um einen kompletten Austausch der Gesellschafter. Bisher sind Unternehmen wie Oetker und Deutsche Bank  engagiert, die aber eher ideelle Gesellschafter sind und Geld nur in Form von Spenden zuschießen.

Die Hochschule leidet fast seit ihrer Gründung in den achtziger Jahren in der Nähe der großen Universitäten von Dortmund und Bochum unter Finanzproblemen.

manager-magazin.de mit Material von dpa