Extremjobber Manager im Arbeitsrausch

Deutsche Topmanager arbeiten wie entfesselt: Die Hälfte der Führungskräfte schafft mehr als 60 Stunden pro Woche, hat viel Geld und ein hohes Maß an Verantwortung. Trotz Anerkennung, intellektueller Herausforderung und einem gut gefüllten Bankkonto birgt das Extremjobben aber nicht zu unterschätzende Gefahren.

Hamburg - Vier von fünf Managern in Deutschland arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche. Die Hälfte der Führungskräfte mit einem Jahresgehalt von mehr als 200.000 Euro hat sogar eine 60- bis 70-Stunden-Woche.

Etwa ein Drittel der Topmanager befassen sich sogar zwischen zehn und 20 Stunden an Samstagen und Sonntagen mit ihrem Job. 85 Prozent aller Manager erkennen eine deutliche Zunahme der Arbeitsbelastung in den vergangenen fünf Jahren. Jedoch empfinden vier Fünftel aller deutschen Führungskräfte diese erhöhte Arbeitsbelastung als herausfordernd oder als normal. 95 Prozent betonen, dass ihnen ihr Job Spaß mache. Dies sind Ergebnisse der aktuellen "Work-Life-Balance"-Studie, die die Managementberatung Kienbaum in Kooperation mit dem Harvard Businessmanager  durchgeführt hat.

Ein weiteres Ergebnis: Deutsche Topmanager arbeiten im Durchschnitt länger als ihre US-amerikanischen Kollegen, bei denen nach Angaben einer vergleichbaren US-Studie 45 Prozent länger als 60 Stunden arbeiten. "In Deutschland wie in den USA hat sich ein neuer Manager-Typus herausgebildet: der Extremjobber", sagt Kienbaum-Chef Jochen Kienbaum.

Als "Extremjobber" werden Manager mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 60 Stunden, einem sehr guten Verdienst, hohen Maß an Verantwortung und häufigen berufsbedingten Reisen bezeichnet. Die hoch engagierten Manager seien bei der Führung internationaler Unternehmen wichtig, so Kienbaum. In dieser Aufgabe liege aber auch eine Gefahr. "Die Aufgabe von Topmanagern ist es vornehmlich, Strategien zu entwickeln und Visionen zu vermitteln. Gerade diese entscheidenden Faktoren können zu kurz kommen, wenn man sich in zu vielen operativen Dingen verzettelt", so Kienbaum weiter.

Fünf Jahre sind genug

Fünf Jahre sind genug

Neben der eigenen Motivation veranlasst ein erhöhter Wettbewerbsdruck die Manager zu dem erhöhten Arbeitseinsatz. "Der internationale Wettbewerb zwischen Mitarbeitern der Führungsebene hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Es gibt eine immer größere Transparenz über die Leistung einer Führungskraft, so dass individueller Einsatz messbar und vergleichbar gemacht wird. Dieser Druck in Kombination mit der internen Motivation der Anerkennung bringen Extremjobber dazu, Extremes zu leisten", sagt Kienbaum.

Auch ein durch extreme Leistung erreichter "Adrenalinkick" motiviere Topmanager. Im Privatleben seien häufig Extremsportarten wie Fallschirmspringen, Bungee-Jumping oder Marathon sehr beliebt, hieß es.

Trotz Anerkennung, intellektueller Herausforderung und einem gut gefüllten Bankkonto birgt das Extremjobben nicht zu unterschätzende Gefahren. Annähernd 50 Prozent der deutschen Topmanager sind sich bewusst, zu wenig Zeit mit dem Partner zu verbringen. Auch die Gesundheit leidet unter dem extrem anspruchsvollen Berufsleben: Drei Viertel geben zu, sich zu wenig zu bewegen.

Zwei Drittel der Befragten streben an, ihren Job höchstens noch fünf Jahre unter derzeitigen Bedingungen zu machen. Bei den Besserverdienenden sind es rund drei Viertel. "Um der Belastung im Berufsleben standzuhalten, sollten Extremjobber intensiv dabei unterstützt werden, ihre Work-Life-Balance zu managen. Das Setzen von realistischen Zielen und eine dauerhafte Kontrolle, ob die angestrebten Ziele erreicht wurden, sollten hierbei oberste Priorität haben", so Kienbaum.

Für die "Work-Life-Balance"-Studie wurden 142 deutsche Führungskräfte befragt. Sie gebe für das mittlere Management (ab 100.000 Euro Jahresgehalt) und den Managern mit mehr als 200.000 Euro Jahresgehalt ein repräsentatives Bild ab, sagte Projektleiter Erik Bethkenhagen.

Ein Beitrag über die Studie ist Teil eines 43-seitigen Schwerpunktes im aktuellen Harvard Businessmanager 6/2007  zum Thema Talentmanagement. Darin erfahren Führungskräfte, wie sie Spitzenkräfte am besten finden, fördern und halten.

manager-magazin.de

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