Ex-Telekom-Chef Neuer Posten für Ricke

Kai-Uwe Ricke, Ex-Chef der Deutschen Telekom, hat einen neuen Job: Aus Kabel Baden-Württemberg soll er ein Telekomunternehmen formen. Der Kabelnetzbetreiber wurde vor einem Jahr von EQT übernommen. Die Investmentgesellschaft gehört der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg.

Heidelberg - Gut ein halbes Jahr nach dem unfreiwilligen Abgang bei der Deutschen Telekom  hat deren früherer Vorstandschef Kai-Uwe Ricke beim direkten Konkurrenten Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) angeheuert. Ricke sitze seit kurzem im Aufsichtsrat, sagte ein Kabel-BW-Sprecher am Montag und bestätigte damit einen Bericht der "Wirtschaftswoche".

Ricke habe den Posten in dem nunmehr fünfköpfigen Gremium Ende Mai angenommen und sich wie das übrige Management mit einem kleinen Anteil an dem Heidelberger Unternehmen beteiligt. Er solle helfen, aus dem Kabelnetzbetreiber eine Telekomgesellschaft zu formen.

Damit treibe Ricke die Pläne des Finanzinvestors EQT voran. Die Private-Equity-Gesellschaft gehört mehrheitlich den Wallenbergs, eine der einflussreichsten Familien Schwedens. Sie halten Anteile an zahlreichen Unternehmen, etwa an Ericsson , AstraZeneca oder Saab. Auch die SEB, das zweitgrößte Bankhaus Schwedens, wird von den Wallenbergs kontrolliert.

EQT hatte Kabel BW vor einem Jahr vom US-Investor Blackstone übernommen und mit dem ehemaligen E-Plus-Chef Klaus Thiemann bereits einen Mobilfunk- und Festnetzspezialisten an die Spitze der Geschäftsführung gesetzt. Strategie sei es seither, mit Kampfpreisen Anteile auf dem Markt für schnelle Internetanschlüsse zu erobern und der Telekom so Festnetzkunden abzujagen. Die Telekom will den Kabelanbietern ihrerseits mit Milliardeninvestitionen Fernsehkunden abjagen und ihren dominierenden Marktanteil bei Internet und Telefonie gegen aufstrebende Wettbewerber verteidigen.

Nach Abschluss der notwendigen Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro in das vor Jahren von der Telekom erworbene Kabelnetz will Kabel BW 2008 erstmals schwarze Zahlen schreiben.

Ricke war bis Mitte November vergangenen Jahres Vorstandschef der deutschen Telekom. Seiner Ablösung vorangegangen war der massive Einbruch in der Festnetzkundensparte. Der Verlust von etwa einer Million Kunden im ersten Halbjahr des letzten Geschäftsjahres wirkte sich negativ auf den Aktienkurs aus. Ricke präsentierte ein Sanierungsprogramm, mit dem er seinen Posten aber nicht mehr retten konnte. Seit November 2006 ist René Obermann neuer Telekom-Lenker.

manager-magazin mit Material von dpa und reuters

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