EADS Strategiechef schmeißt hin

Der EADS-Geschäftsdirektor Jean-Paul Gut hat sich zu einem überraschenden Schritt entschlossen. Er gibt seinen Posten auf, weil er mit den Vorstandschefs uneins ist, werde aber "in anderer Form" weiter für EADS arbeiten, kündigte Gut an.

Paris - Der Strategieczhef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS , Jean-Paul Gut, wird mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurücktreten.

Über Guts Ausscheiden bei der Airbus-Mutter EADS war seit Wochen spekuliert worden. Dabei hatte es geheißen, Gut solle zwölf Millionen Euro Abfindung erhalten, was teilweise über Katar finanziert werden solle. Gut nannte diese Spekulationen Fantastereien. Er bekomme vertragsgerecht 2,8 Millionen Euro, sagte Gut. Er habe dem Konzern loyal gedient und Aufträge für 150 Milliarden Euro besorgt.

Er verlasse die in Amsterdam ansässige European Aeronautic Defence and Space Co NV, da in Gesprächen mit den Co-CEOs Louis Gallois und Thomas Enders keine Einigung über die Integration der Marketing-, Vertriebs- und Strategie-Bereiche erzielt worden sei, sagte Gut im Gespräch mit "Le Figaro" (Montagausgabe).

Gut, der zuletzt 80 Airbus A350 XWB an Katar verkaufen konnte, macht sich selbstständig. Er werde von London oder Paris aus Unternehmen beraten und ausländische und europäische Investoren zusammenführen, sagte Gut. Außerdem werde er mit dem Medienunternehmer und EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère weiter zusammenarbeiten.

Er habe keinerlei strategische oder persönliche Differenzen mit EADS und ihren Verantwortlichen, sagte Gut weiter. Laut "Figaro" wird Gut, dessen Vertrag noch bis 2010 lief, noch am Montag durch Marwan Lahoud ersetzt. Dieser leitet bislang den Raketenbauer MBDA, ein Joint Venture von EADS, der britischen BAE Systems  und der italienischen Finmeccanica .

Gut hat exzellente Kontakte in den Mittleren Osten, aber auch nach China und Indien. Branchenkenner erwarten, dass er sich um den Einstieg von Investoren aus diesen Wachstumsregionen in den EADS- Konzern bemühen wird. "EADS zieht Investoren an, die sich drängeln, um einsteigen zu können", sagte Gut. "Doch es ist sehr schwer, die Kapitalverhältnisse zu ändern, weil wir in einer für die nationale Souveränität wichtigen Branche sind und das Gewicht der Staaten sehr groß bleibt." Der deutsche Co-Chef Thomas Enders sei "ein echter Europäer", sagte Gut. "Er wird dazu beitragen, dass unsere Gruppe sich in Richtung auf das Modell eines klassischeren Privatunternehmens entwickelt."

manager-magazin.de mit Material von vwd, dpa und reuters

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