Schmiergeldaffäre Bewährungsstrafe für Faurecia-Chef

In dem Skandal um Schmiergeldzahlungen in der Autozuliefererbranche kommt der ehemalige Faurecia-Chef Pierre Lévi offenbar noch einmal mit einem blauen Auge davon. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt bietet dem Manager eine einjährige Bewährungsstrafe an.

Frankfurt am Main - In einer europaweiten Schmiergeldaffäre bei Autozulieferern ist gegen den ehemaligen Chef des Sitzherstellers Faurecia, Pierre Lévi, ein Strafbefehl erlassen worden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt will eine Freiheitsstrafe von einem Jahr gegen eine Geldauflage von 300.000 Euro zur Bewährung aussetzen. Der heute 52-jährige frühere Faurecia-Chef habe die kriminellen Strukturen lediglich übernommen und sich persönlich nicht bereichert, begründete die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag den Verzicht auf eine Anklage und damit ein möglicherweise härteres Urteil.

Faurecia gehört zum Autokonzern PSA-Peugeot . Der Innenausstatter mit Geschäftssitz Frankreich steht im Zentrum eines Korruptionsskandals, der im vorigen Sommer bekannt wurde. Darin verwickelt sind rund zehn Zulieferer, die sich den Ermittlungen zufolge mittels Schmiergeldern Aufträge von Autoherstellern verschafft haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt noch gegen 22 weitere Beschuldigte.

Lévi wird vorgeworfen, jahrelange Zahlungen von insgesamt 1,25 Millionen Euro an Mitarbeiter der Autohersteller Volkswagen , Seat, Audi  und BMW  gedeckt zu haben. Allerdings sei er nicht der Initiator des Schmiergeldsystems gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die kriminellen Strukturen hätten bereits bei der 2001 von Faurecia übernommenen Firma Sommer Allibert bestanden. Lévi habe um die Geschäftsbeziehungen fürchten müssen, wenn keine Gelder mehr für die Vergabe von Aufträgen geflossen wären.

Der Ex-Chef war im vorigen August nach Bekanntwerden des Korruptionssystems von seinem Posten zurückgetreten und hatte mit den Ermittlungsbehörden kooperiert. Seine Anwältin habe signalisiert, dass der Strafbefehl akzeptiert werde, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Wann es bei den anderen Beschuldigten zu Entscheidungen über eine Anklage komme, sei völlig offen.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ist nach eigenen Angaben für den Fall zuständig, weil einer der Beschuldigten eine Tat in Frankfurt begangen hat.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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