Möbelhersteller Schieder-Manager festgenommen

Im April war der größte europäische Möbelhersteller nur knapp einer Insolvenz entgangen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft vier ehemalige Spitzenmanager der Schieder-Gruppe festgenommen. Sie verdächtigt die Männer der Bilanzmanipulation.

Düsseldorf - Den vier ehemaligen Spitzenmanagern wird vorgeworfen, über Jahre die Bücher bei dem Möbel-Riesen gefälscht und damit Kredite und andere Finanzierungsmittel in einer Höhe von 283 Millionen Euro erschlichen zu haben, erklärte am Montag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Das ostwestfälische Unternehmen hatte zuvor eingeräumt, dass Bilanzmanipulationen entdeckt und die Behörden eingeschaltet worden seien. Die Holding verhandelt nun über neue Kredite, um ihr Überleben zu sichern.

Die vier Manager seien nach Hinweisen aus dem neuen Schieder-Management am Montag unter dringendem Tatverdacht festgenommen worden und würden am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter.

Es handele sich um einen ehemaligen Schieder-Geschäftsführer, einen ehemaligen geschäftsführenden Gesellschafter und Beirat der Gruppe, einen Ex-Chef von Tochtergesellschaften und einen Manager, der in der Vergangenheit für Finanzen und Controlling bei Schieder zuständig war. Ihnen werde vorgeworfen, die Jahresabschlüsse der Gruppe für die Geschäftsjahre 2004/05 und 2005/06 aufpoliert zu haben, um bilanzielle Schieflagen zu vertuschen. Sie hätten die Lage pro Jahr um jeweils 34 Millionen Euro besser dargestellt, als sie tatsächlich gewesen sei. Mit den geschönten Bilanzen hätten die Manager dann Zusagen für Kredite oder Genussscheine mit einem Volumen von 283 Millionen Euro erschlichen.

Neues Management spricht von schweren Manipulationen

Das neue Schieder-Management - seit Mitte Mai ist der Geschäftsführer der Restrukturierungsberatung Alix Partners, Ulrich Wlecke, Interim-Geschäftsführer - muss nun die Scherben zusammenkehren. Es habe festgestellt, dass "offenbar in der Vergangenheit erhebliche Bilanzmanipulationen vorgenommen wurden, die aus heutiger Sicht zu deutlichen Bilanzkorrekturen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe führen", teilte das Unternehmen mit. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers sei bereits eingeschaltet worden. Die Bilanzmanipulationen erstreckten sich im Wesentlichen auf Konzerngesellschaften in Deutschland und Polen, hieß es. Die profitablen Töchter in Liechtenstein und Italien seien nicht betroffen. Die vor allem in der Schweiz tätige Liechtensteiner Tochter IMS mit weltweit 1700 Beschäftigten betonte, sie sei operativ und finanziell unabhängig von Schieder.

Erst im April hatten sich Gläubiger, Banken und Management der Gruppe auf eine Finanzspritze von rund 70 Millionen Euro geeinigt. An den damaligen Verhandlungen war nach früheren Unternehmensangaben auch die Deutsche Bank beteiligt. Schieder habe sich damit Luft verschafft, um die Sanierung der Gruppe anzugehen, hatte es damals geheißen.

Die Gruppe produziert nach eigenen Angaben an 41 Standorten mit rund 11.000 Mitarbeitern - knapp 1400 davon in Deutschland - unter anderem für Ikea und Segmüller. Sie verfüge über Kunden in 60 Ländern.

manager-magazin.de mit Material von reuters