Kloster Andechs Gottesmänner verurteilt

Der Abt des Klosters Andechs und ein Mönch sind wegen Pflichtverletzung bei der Pleite ihrer Wirtshauskette zu 330.000 Euro Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht München bescheinigte ihnen eine Mitschuld an der Insolvenz der Kloster Andechs Gastronomie AG.

Hamburg - Abt Johannes Eckert war Aufsichtsratschef der Gastronomie AG, die dem Benediktinerstift zusammen mit dem Unternehmer Rainer Staiger gehörte. Obwohl die Restaurantkette nach der Absetzung des umtriebigen Cellerars Anselm Bilgri durch den neugewählten Abt schon im Frühjahr 2004 in die Krise schlitterte, blockierten der Abt und der im Vorstand sitzende Pater Beratungen.

Wäre "rechtzeitig eine Aufsichtsratssitzung durchgeführt und dort die für eine Kapitalerhöhung nötigen Beschlüsse gefasst worden, hätte die AG mit den notwendigen liquiden Mitteln versorgt und dadurch die Insolvenz vermieden werden können", stellte das Landgericht fest und "erkannte sowohl im Verhalten des Abts als auch des Paters eine Pflichtverletzung".

Geklagt hatte eben die Gesellschaft, hinter der der Kaufmann Staiger steht. Staiger hatte 1998 mit Bilgri eine Franchisegesellschaft gegründet und damit den Ausschank des berühmten Klosterbiers auf neue Füße gestellt. Nach der Insolvenz im November 2004 übernahm Staiger die Kloster Andechs Gastronomie AG dann als Hauptgesellschafter und alleiniger Vorstand.

Unter dem Namen "Andechser" gab es damals bundesweit zehn Gaststätten unter anderem in Bremen, Goslar, Nürnberg, Ulm und Wiesbaden. Im Mai 2006 sprach das Landgericht München I die Namensrechte jedoch wieder den Benediktinermönchen zu und beendete damit ein langwieriges Verfahren, das als Andechser "Bier-Krieg" bekannt wurde.

Der Abgang des Anselm Bilgri

Der Abgang des Anselm Bilgri

Einheimische und Touristen aus aller Welt verbinden mit Andechs vor allem die idyllisch gelegene Klosteranlage auf dem "Heiligen Berg" nahe des Ammersees. Die barocke Wallfahrtskirche zieht jedes Jahr unzählige Pilger an und der Biergarten, in dem das klostereigene Bier ausgeschenkt wird, ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Hinter den Klostermauern ging es jedoch weniger friedlich zu: Im Sommer 2004 eskalierte der Streit zwischen dem Abt und dem langjährigen Prior Bilgri, die sich nicht über die Zukunft der Klosterbetriebe einigen konnten. Bilgri, der die Andechser Betriebe zu einem florierenden Wirtschaftsunternehmen gemacht hatte, trat daraufhin als Prior zurück und zog sich vollständig aus dem Kloster zurück.

Erst im August 2004 fanden schließlich eine Aufsichtratssitzung und im September eine außerordentliche Hauptversammlung statt, die sich mit der Sanierung der AG befassten. Allerdings zu spät: Anfang November wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, das Grundkapital der AG in Höhe von 330.000 Euro ging dabei verloren.

Ob Unternehmer Staiger den im zugesprochenen Schadenersatz tatsächlich bekommt, ist aber völlig offen. Das Gericht verurteilte nicht das Kloster, sondern den Abt und den Pater persönlich, die als Benediktiner der Armut verpflichtet sind. "Wenn bei den beiden nichts zu holen sein sollte, kann man sich den Titel übers Bett hängen", sagte Gerichtssprecher Tobias Pichlmaier.

Die Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs kündigte eine Berufung der Ordensmänner an. Die Abtei selber müsse dem Urteil zufolge nicht für etwaige Pflichtverletzungen und damit verbundene Schadenersatzansprüche haften, heißt es in einer Erklärung des Klosters. Die Abtei habe Eckert in den Aufsichtsrat entsandt.

manager-magazin.de mit Material von ddp, ap und dpa

Anmerkung der Redaktion:

Das Oberlandesgericht München hat in seinem Urteil vom 12.03.2008 (Az.: 7 U 3543/07) im Zusammenhangmit der insolventen Kloster Andechs Gastronomie AG sämtliche Schadensersatzforderungen von Rainer Staiger gegen Abt Johannes Eckert und Pater Korbinian Linsenmann abgewiesen. Nach Überzeugung des Gerichts waren die Mönche nicht verpflichtet, die beantragten Kapitalerhöhungen für die AG mitzutragen. Eine Revision gegen die Entscheidung wurde nicht zugelassen. Eine Beschwerde von Rainer Staiger gegen die Nichtzulassung der Revision wurde vom Bundesgerichtshof am 09.03.2009 zurückgewiesen.Das Urteil des OLG München ist damit rechtskräftig.