EADS Noël Forgeards Dolchstoßlegende

Der geschasste Ex-EADS-Chef Noël Forgeard macht seinen deutschen Kollegen Thomas Enders für sein Scheitern verantwortlich. Enders habe ihn - auf Anweisung des damaligen DaimlerChrysler-Chefs Jürgen Schrempp - "kurzgehalten und niedergestreckt".

Paris - "Ich habe gedacht, wir kommen miteinander aus", sagte der geschasste Ex-EADS-Chef Noël Forgeard in einem heute veröffentlichten Interview des französischen Magazins "Le Point". "Ich hatte unrecht. Rückblickend bin ich sehr enttäuscht von Enders. Ich frage mich, ob er von Jürgen Schrempp, dem damaligen DaimlerChrysler-Chef, Anweisung hatte, mich kurzzuhalten oder niederzustrecken. Das wurde mir gesagt. So war das.", sagte Forgeard.

Der Franzose musste im vergangenen Sommer nach nur gut einem Jahr an der Spitze des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns seinen Hut nehmen, der EADS-Co-Chef Thomas Enders dagegen blieb im Amt. Anlass waren Aktienoptionen in Millionenhöhe, die Forgeard ausgeübt hatte, kurz bevor EADS  erneut Lieferprobleme beim Großraumflugzeug A380 seiner Tochter Airbus bekannt gab. Die französische Börsenaufsicht AMF untersucht derzeit, ob er und andere EADS-Manager von den Schwierigkeiten bei Airbus bereits wussten, als sie ihre Aktienoptionen ausübten. Der EADS-Aktienkurs  verlor nach der Mitteilung im Juni 2006 gut ein Viertel seines Werts.

Enders hatte seine Optionen nicht ausgeübt, da er es zum damaligen Zeitpunkt "nicht für opportun" hielt, wie er erklärt hat. Forgeard sagte dazu in dem Interview: "Das ist ohne Zweifel der letzte Nagel, den er in meinen Sarg schlagen wollte." Bislang hat die Mehrzahl der Manager bestritten, Insiderwissen für ihre Aktienoptionen zu nutzen. Allerdings soll es ein Tonbandmitschnitt der entscheidenden Aufsichtsratssitzung geben, der die Führungskräfte belastet.

Forgeard sagte, er sei sich der Produktionsverzögerungen beim A380 nicht bewusst gewesen, als er seine Optionen im März 2006 ausübte, mit denen er selbst 2,5 Millionen Euro und jeweils 400.000 Euro für jedes seiner drei Kinder erlöst hat.

Forgeard geriet zusätzlich in die Kritik als bekannt wurde, dass er als Abfindung für seinen Weggang 8,2 Millionen Euro erhalten hat. Er habe keine Absicht, das Geld zurückzugeben, sagte er. "Ich habe das Geld legal erhalten. EADS ist nicht bankrott. Als ich das Unternehmen verließ, waren mehr als vier Milliarden Euro an Finanzmitteln vorhanden. Wenn es über die Abfindungen von Managern Diskussionen gibt, fein. Aber ich will nicht der Sündenbock sein."

manager-magazin.de mit Material von reuters