VDA-Cheflobbyist Was Wissmann besser machen will

Sein Auftrag lautet, das Image der Autoindustrie aufzupolieren. Matthias Wissmann soll als neuer VDA-Präsident die Interessen der Branche in Berlin und Brüssel durchsetzen. Wissmann steht unter strenger Beobachtung: Dem VDA-Vorstand gehören unter anderem Dieter Zetsche, Martin Winterkorn und Norbert Reithofer an.

Frankfurt am Main - Mitten im Streit um Klima schonendes Autofahren bekommt die deutsche Automobilindustrie einen neuen Cheflobbyisten: Am 1. Juni übernimmt der frühere Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann das Amt des Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Der 58 Jahre alte CDU- Politiker wird Nachfolger von Bernd Gottschalk, der im März überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte. Gottschalk war vorgeworfen worden, zu spät auf die Debatte um Klimaschutz und Autofahren reagiert zu haben. Innerhalb der Europäischen Union (EU) wird seit Monaten über verbindliche Grenzwerte für den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) bei Personenwagen gerungen.

Eigentlich wollte Wissmann immer Wirtschaftsminister werden, dem CDU-Mann blieb aber letztlich nur das Verkehrsressort (1993-1998), nachdem er Anfang 1993 wenige Monate Forschungsminister war. Schon als Verkehrsminister hatte er sich für die Interessen der Autobranche eingesetzt und sich gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen gewandt.

Nach dem Verkehrsministerium leitete Wissmann vier Jahre lang den Ausschuss für Wirtschaft und Technologie im Bundestag. In beiden Ämtern hatte der Schwabe aus Ludwigsburg immer auch die Interessen der Autoindustrie im Blick. Der CDU-Politiker hat einen guten Zugang zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und kennt als Vorsitzender des Europaausschusses im Bundestag auch die Brüsseler EU-Kommission. Zu seinem Amtsantritt als VDA-Präsident wird er sein Bundestagsmandat niederlegen.

Wissmann ist ein erfahrener Politiker und redegewandter Öffentlichkeitsarbeiter, dem Gespür für neue Themen nachgesagt werden. Allerdings gilt er zugleich auch als ewiges Talent, dem stets mehr zugetraut wird. Kritiker bemängeln, dass ihm im VDA die Hausmacht fehlt. Auch seine Mitgliedschaft beim Bund Naturschutz (BUND) empörte manche Verbandsmitglieder.

Dass die Wahl auf einen Politiker fiel, ist für die eher industriell geprägte Autobranche ungewöhnlich. Dem neuen Cheflobbyisten werden aber gute Kontakte zu den großen Herstellern Daimler , Porsche  und Volkswagen  bescheinigt.

"Ganz nah an der Politik"

"Ganz nah an der Politik"

Nach seiner Wahl zum VDA-Präsidenten hatte Wissmann angekündigt, "ganz nah an der Politik sein" zu wollen, sowohl in Berlin als auch bei der EU in Brüssel. Beim Umweltschutz seien die Leistungen der deutschen Autoindustrie "bisher nicht rübergekommen". Für Aufsehen sorgte Wissmann in den vergangenen Wochen bereits mit der Forderung, die Kfz-Steuer künftig nach Schadstoffausstoß zu staffeln: "Ich bin der Meinung, jedes Gramm CO2 sollte gleich besteuert werden."

In einem Gespräch mit der "Auto Zeitung" betonte Wissmann kurz vor seinem Amtsantritt beim VDA, es werde in der Debatte um CO2-Grenzwerte "keinen deutschen Alleingang geben". Der VDA wolle sich in Europa für eine gemeinsame Lösung stark machen. Wissmann deutete zudem an, dass der VDA unter seiner Führung eventuell von Frankfurt nach Berlin umziehen könnte: "Denkbar wäre es, aber da ist noch nichts entschieden", sagte der Ex-Politiker.

Die Autoindustrie steht unter Druck, seitdem die EU-Kommission im Februar verkündet hatte, der Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen müsse bis 2012 auf 130 Gramm pro Kilometer reduziert werden. Dies bleibt für die deutschen Premium-Hersteller ein schwer erreichbares Ziel.

Wissmann steht vor der schwierigen Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen von Herstellern und Zulieferern unter einen Hut bringen. Zu Wissmanns ersten großen Aufgaben in diesem Jahr gehört zudem die Ausrichtung der weltgrößten Automesse IAA im September in Frankfurt.

Der VDA mit Sitz in Frankfurt vertritt mehr als 500 Unternehmen der Auto- und Zulieferindustrie mit insgesamt mehr als 750.000 Mitarbeitern. Dem 18-köpfigen Vorstand gehören die Manager großer Autokonzerne und Autozulieferer an. Der Präsident wird in der Regel alle zwei Jahre neu gewählt.

manager-magazin.de mit Material von dpa