Jägermeister Abgang einer Ikone

Zehn Jahre verbrachte Jägermeister-Chef Hasso Kaempfe damit, den Kräuterlikör aus Wolfenbüttel weltweit zu vermarkten. Aus dem rustikalen Schnaps machte er einen hippen Partydrink, der von Amerika bis Neuseeland seine Abnehmer findet. Nun verlässt der Manager mit dem störrischen Haupthaar seine Wirkungsstätte.

Wolfenbüttel - Während Jägermeister mit einer Erfolgsmeldung nach der anderen auftrumpft, verlässt Vorstandschef Hasso Kaempfe nach fast zehn Jahren den Kräuterlikörhersteller aus Wolfenbüttel. "Ich möchte mir die Chance geben, noch einmal ganz anders zu denken", sagt der 57-Jährige zur Begründung. Es gebe keinen Streit mit den beiden Eignerinnen Annemarie Findel-Mast und ihrer Tochter Susan Buschke, zwei direkten Nachfahren des Firmengründers Kurt Mast.

"Ich habe auch keine Midlife-Krise", versichert Kaempfe. Etwas Neues habe er noch nicht. Aber vor zehn Jahren habe er schließlich schon einmal seinen damaligen Job als Vorstandsmitglied beim Kaffeeröster Tchibo aufgegeben - ohne einen Vertrag bei einem anderen Unternehmen zu haben. Dabei wirkt der in Hamburg aufgewachsene Kaempfe keinesfalls sprunghaft: "Das Für und Wider eines solchen für viele überraschenden Schrittes habe ich damals wie heute gründlich abgewogen", sagt er. Viele Ideen und Chancen würden nach seinen Erfahrungen erst kommen, wenn man losgelassen hat.

Der Zeitpunkt der Bekanntgabe habe einen banalen Grund: Sein Vertrag läuft zum Jahresende aus und nun musste über eine Verlängerung entschieden werden. Am Dienstag informierte er die Mitarbeiter, am Mittwoch die Öffentlichkeit. Bis zum Jahresende werde er mit Vertriebsvorstand Jack Blecker (53) und Finanzvorstand Paolo Dell'Antonio (43) die Geschicke von Jägermeister weiterlenken. Einen direkten Nachfolger solle es vorerst nicht geben, Dell'Antonio und Blecker sollen das Unternehmen gemeinsam leiten. "Es wird keinen großen Umsturz geben, wenn ich gehe", versichert Kaempfe.

Als er vor knapp zehn Jahren das Zepter vom legendären Günter Mast übernahm, gab es auch keinen Umsturz. Der eher als poltriger Patriarch geltende Mast, der das Unternehmen als Angestellter seiner Verwandten leitete, hatte Jägermeister in den sechziger und siebziger Jahren mit ausgefallenen Werbestrategien ("Ich trinke Jägermeister, weil …") in ganz Deutschland bekannt gemacht und mit dem Export begonnen.

Von ihm übernahm Kaempfe eine finanziell gesunde Firma, dennoch gab es einiges zu tun. Nicht nur das Image der Marke Jägermeister musste verjüngt werden, auch die internen Strukturen. "Das war hier schon alles old fashioned", erinnert sich Kaempfe wohlwollend.

Kein Wunder, hatte doch Kaempfes Vorgänger Günter Mast bis 1997 die Geschicke der Wolfenbüttler Likördestille quasi im Alleingang bestimmt. 45 Jahre lang war Mast dem Betrieb seiner Cousine Annemarie Findel-Mast treu gewesen, fast ein Vierteljahrhundert als Vorstandschef.

Fest in Familienhand

Fest in Familienhand

Mast räumte seinen Posten allerdings nicht freiwillig. Vorangegangen war ein Streit zwischen ihm und seiner Cousine. Die Fehde hatte mehrere Gründe: Zum einen hatte Günter Mast nach der Wende 100 Millionen Mark in die blühenden Landschaften gepumpt. Mit dem Geld baute er eine Schnapsfabrik und kaufte außerdem ein Hotel und zwei Schlösser. Das war der Hauptaktionärin offensichtlich zu viel. Vor allem aber hatte er in einem wesentlichen Punkt versagt: Ihm war es zwei Jahrzehnte lang nicht gelungen, einen Nachfolger zu finden.

Eben dem, nämlich Kaempfe, gelang es, dem erfolgreichen, aber leicht angestaubten Likörhersteller ein modernes Image zu geben. Äußeres Zeichen der Veränderungen ist das neue, lichte Verwaltungsgebäude. Unter Kaempfe wurde der Kräuterlikör aus Niedersachsen zudem in mehr als 70 Ländern bekannt. 74 Prozent des Umsatzes wird mittlerweile im Ausland erwirtschaftet. Im März meldete Jägermeister, nun zu den Top Ten in der internationalen Weltrangliste zu gehören. Der weltweite Umsatz stieg 2006 um 17 Prozent auf 312 Millionen Euro.

Zu seinen eigenen Plänen sagt Kaempfe selbstbewusst: "Ich bin sicher, das ich das Richtige tue." Und wenn sich keine neue Chance auftue, so würde er auch das überleben. "Ich bin in einer Phase, wo ich gar nichts ausschließe, mein grober Fokus liegt aber schon im Mittelstand", sagt er. Mit einem Manager eines börsennotierten Unternehmens wolle er nicht unbedingt tauschen. Die müssten täglich auf die Aktienkurse schauen und könnten sich kaum ein langfristiges Denken und auch keine Risiken erlauben.

Für die Eignerinnen von Jägermeister findet Kaempfe er nur gute Worte. "Die beiden Aktionärinnen haben sich sehr zurückgehalten", berichtet er. Ein Unternehmen wie Jägermeister könne man auch nur führen, als wenn es das eigene sei. Wenn man kein eigenes Unternehmen habe, sei aber der einzige Vorteil, dass man gehen könne. Der Aufsichtsrat des Familienunternehmens aus Wolfenbüttel bedauerte Kaempfes Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern.

manager-magazin.de mit Material von dpa