Affäre AUB-Chef belastet Siemens-Führung

Der ehemalige Chef der Betriebsratsorganisation AUB, Wilhelm Schelsky, hat zugegeben, als verdeckter Siemens-Lobbyist tätig gewesen zu sein. Die Millionenhonorare des Münchener Konzerns habe er zum Aufbau einer Dachorganisation verwendet - mit klarem Auftrag aus der Konzernspitze.

Hamburg - In der Affäre um verdeckte Zahlungen zu Gunsten der arbeitgeberfreundlichen Betriebsratsorganisation AUB hat dessen langjähriger Chef Wilhelm Schelsky zugegeben, im Auftrag von Siemens  gehandelt zu haben. "Ich war verdeckt als Lobbyist für Siemens tätig. Es gab einen klaren Auftrag aus der Konzernspitze. Der Plan kam aus dem Zentralvorstand", sagte Schelsky dem Magazin "Stern" einem Vorabbericht vom Mittwoch zufolge.

"Ich sollte mit dem Geld eine Dachorganisation aufbauen. Und das habe ich getan", erläuterte Schelsky den Zweck der Millionenhonorare, die er über Jahre von Siemens erhielt. Über Beraterfirmen hat der heute 58-Jährige allein seit 2001 angeblich rund 45 Millionen Euro von Siemens kassiert. Ihm wird Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue vorgeworfen.

Juristisch könnte es dem Magazin zufolge darauf ankommen, ob Schelsky das Geld nur nach Siemens-Anweisung an die AUB weitergereicht hat oder darüber weitgehend frei verfügen konnte. "Ich war von Siemens vollständig unabhängig in der Ausgestaltung meiner Auftragserfüllung. Es gab weder Vorschriften über die Inhalte meiner Tätigkeit noch eine Aufforderung, Bericht zu erstatten. Man hat mir vertraut", sagte er dazu. Konkrete Entscheidungen von Betriebsräten seien allerdings nicht erkauft worden.

Wie das Magazin weiter berichtet, bestätigte auch Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer, der ebenfalls zum Kreis der Beschuldigten zählt, gegenüber der Staatsanwaltschaft Nürnberg, dass der eigentliche Zweck der Honorare die Finanzierung von Schelsky gewesen sei, damit dieser sich um die Stärkung der AUB kümmere.

Feldmayer, der den umstrittenen Beratervertrag aus dem Jahr 2001 unterschrieben hat, habe "die Sache historisch übernommen", sagte dessen Anwalt Martin Reymann-Brauer dem "Stern". Die Überweisungen an Schelsky reichten bis Anfang der 90er Jahre zurück. Schelsky habe die AUB im großen Stil subventioniert. Über seine Firma soll er jahrelang AUB-Mitarbeitergehälter gezahlt haben. Zudem wurden Hotelkosten und Referentenhonorare, die bei Betriebsräte-Schulungen der AUB anfielen, nach Informationen des Magazins oftmals direkt Schelsky in Rechnung gestellt.