Wolfowitz-Nachfolger Zoellick soll Weltbank-Chef werden

Heute wird US-Präsident George W. Bush den ehemaligen Handelsbeauftragten Robert Zoellick als neuen Weltbank-Chef vorschlagen. Derzeit arbeitet der Bush-Vertraute noch für die Investmentbank Goldman Sachs. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus.

Washington - Der ehemalige US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick soll nach dem Willen von US-Präsident George W. Bush neuer Weltbank-Chef werden und damit Paul Wolfowitz nachfolgen. Bush werde seine Entscheidung am Mittwoch bekannt geben und erwarte, dass sein Vorschlag vom Direktorium der Weltbank angenommen werde, sagte ein Vertreter der US-Regierung am Dienstagabend in Washington.

Das Gremium hat in der Vergangenheit noch nie eine Nominierung abgelehnt, zumal die USA traditionell die Spitze der Weltbank besetzen. Mehrere Mitglieder der Weltbank hatten aber nach der Gehaltsaffäre um Wolfowitz ein offeneres Auswahlverfahren der USA gefordert. US-Handelsminister Henry Paulson sagte indes, es gebe von mehreren Ländern positive Reaktionen auf Zoellicks Nominierung.

Die Weltbank soll den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt weniger entwickelter Staaten durch Finanzhilfen, Beratung und technische Hilfe fördern. Sie vergibt jährlich Mittel in Höhe von rund 20 Milliarden Dollar. Weltbank-Chef ist in der Regel ein US-Amerikaner. Im Gegenzug stammt der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Schwester-Organisation der Bank, normalerweise aus Europa.

Der 53-Jährige Zoellick hat in den vergangenen 20 Jahren innerhalb und außerhalb der US-Regierung Karriere gemacht, auch wegen seiner engen Beziehung zur Familie Bush. Unter anderem hat er einst in den "Zwei-plus-Vier"-Verhandlungen an der deutschen Wiedervereinigung mitgearbeitet. Derzeit arbeitet er für die Investmentbank Goldman Sachs . Dorthin war er gewechselt, als er 2006 nicht zum neuen US-Finanzminister ernannt worden war.

Als Handelsminister unter Bush hatte er geholfen, die Doha-Runde für die Liberalisierung des Welthandels in Gang zu bringen. Zudem führte er Verhandlungen mit China und Taiwan zum Beitritt in die Welthandelsorganisation WTO zum Abschluss. Auch war er Stellvertreter von US-Außenministerin Condoleezza Rice. Zoellick gehörte - wie auch Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Wolfowitz - 1998 zu den Unterzeichnern eines Briefes an den damaligen Präsidenten Bill Clinton, in dem der Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein gefordert wurde.

"Zoellick ist eine erstklassige Wahl", sagte der ehemalige US-Außenminister James Baker der Nachrichtenagentur reuters in einer ersten Reaktion. "Er bringt die Fähigkeit zur Teamarbeit und eine exzellenten Ruf als Kenner der weltweiten Außenpolitik mit - etwas, was wir dringend brauchen." Zwar habe Zoellick keine große Erfahrung mit Entwicklungsthemen. Aber er sei ein Pragmatiker und wisse, wie man Koalitionen bilde und Einigkeit herstelle. Kritisch äußerte sich der republikanische Senator Barney Frank. "Ein zweiter hochrangiger Außenpolitiker aus der Bush-Regierung in Folge an der Weltbank-Spitz - ich denke, das ist ein Fehler." Der derzeitige Weltbank-Chef Wolfowitz tritt nach Vorwürfen der Günstlingswirtschaft Ende Juni zurück.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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