Wirtschaftswoche Zurück auf der Bühne

Führungswechsel bei der Wirtschaftswoche: Roland Tichy übernimmt die Chefredaktion von Stefan Baron, der nach weit mehr als einem Jahrzehnt das Blatt verlässt. Tichy gilt nicht nur als Visionär, sondern auch als Chef, der bestehende Redaktionen durchaus umkrempeln kann.

Düsseldorf - Die Wirtschaftswoche hat einen neuen Chefredakteur. Am 1. September übernimmt Roland Tichy die Leitung des wichtigsten wöchentlich erscheinenden deutschen Wirtschaftsmagazins. Tichy tritt damit die Nachfolge von Stefan Baron an, der nach 16 Jahren an der Spitze des Blattes die Führung abgegeben hatte; Baron wird als Kommunikationschef zur Deutschen Bank  wechseln.

"Mit Roland Tichy konnten wir einen erfahrenen Kollegen der Verlagsgruppe für die Herausforderung gewinnen, die Wirtschaftswoche zu führen. Er hat schon in vielen verantwortungsvollen Aufgaben innerhalb der Verlagsgruppe bewiesen, dass er ein brillanter Wirtschaftsjournalist und ein kreativer Blattmacher ist", so Laurence Mehl, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt. Der 51-jährige hat zuletzt als stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts in Berlin gearbeitet.

Für Tichy ist der Wechsel in die Redaktionsräume der Wirtschaftswoche an der Düsseldorfer Kasernenstraße eine späte Rückkehr. Er arbeite in der Zeit zwischen 1985 und 1990 bereits als Bonner Korrespondent der Wirtschaftswoche.

Die Wirtschaftswoche-Redaktion selbst, die derzeit kommissarisch von Klaus Methfessel geleitet wird, ist von der Nachricht überrascht worden. Kurz vor der heutigen Redaktionskonferenz sickerte die Nachricht der Neubesetzung durch. Auf der wurde Tichy der Wirtschafstwoche-Mannschaft dann offiziell präsentiert. "Wir stehen zu 100-Prozent hinter ihm", sagte Mehl der versammelten Redakteursschaft.

In der haben allerdings nicht wenige Vorbehalte vor Tichy - nicht zuletzt, weil er zuvor bereits mit den ehemaligen Handelsblatt-Zeitschriften "Telebörse" und "Euro" Schiffbruch erlitten hatte: Das Aktienblättchen "Telebörse" musste nach Millionen-Verlusten eingestellt werden, "Euro" wurde schließlich an die Konkurrenz verkauft.

Zudem hatten sich insbesondere die bisherigen Stellvertreter des scheidenden Wirtschaftswoche-Chefs Baron einige Chancen ausgerechnet, womöglich selbst das Blatt führen zu dürfen. Baron habe der Geschäftsleitung des Handelsblatt-Verlages um ihren Vorsitzenden Stefan von Holtzbrinck sogar Empfehlungsschreiben für seine einstigen Wegbegleiter übergeben, heißt es im Umfeld der Wirtschaftswoche.

Innerhalb der Verlagsleitung hatte Tichy allerdings stets viele Unterstützer. Er galt nicht nur als Visionär, sondern auch als Chef, der bestehende Redaktionen durchaus umkrempeln kann. In seinen alten Redaktionen wurde er als kreativer Kopf eingeschätzt, der auch mal für flotte bunte Geschichten Platz im Blatt schaffte.

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