Wolfgang Bernhard Comeback eines Sanierers

Zweimal ist Wolfgang Bernhard gescheitert. Zunächst bei DaimlerChrysler nach einem Streit mit Jürgen Schrempp und dann als erfolgreicher Markenchef von Volkswagen - in der neuen Konzernstruktur war kein Platz mehr für ihn. Nun hat er als Berater des Finanzinvestors Cerberus die Übernahme von Chrysler eingefädelt.

Hamburg - Wolfgang Bernhard absolvierte seine Karriere im Eilschritt. Schon früh leitete der gebürtige Allgäuer bei dem Autokonzern DaimlerChrysler  den Produktionsablauf der für Mercedes wichtigen S-Klasse, später brachte er die Tuning-Tochter AMG in Schwung. Danach ging es zusammen mit Dieter Zetsche nach Detroit, um die angeschlagene US-Tochter Chrysler zu sanieren.

Bei DaimlerChrysler stand er kurz vor dem Sprung an die Spitze von Mercedes, musste 2004 dann aber seinen Hut nehmen. Bernhard hatte Konzernchef Jürgen Schrempp widersprochen und bei Mercedes Sanierungsbedarf angemeldet. Das stärkte jedoch Bernhards Ruf eines kompromisslosen Sanierers.

Als solchen holte ihn der frühere VW-Chef Bernd Pischetsrieder Anfang 2005 zu Volkswagen , wo Bernhard schon bald auch als dessen möglicher Nachfolger gehandelt wurde. In Wolfsburg begann Bernhard rasch mit seinen Aufräumarbeiten. Er schaffte es, das mittlere Management für seinen Kurs zu gewinnen. Am VW-Stammsitz in Wolfsburg wurde Bernhards Tempo von Anfang an als atemberaubend empfunden.

Bei VW prangerte Bernhard an, dass der Konzern seine Autos viel zu teuer produziere. Die Kernmarke war in Deutschland in die roten Zahlen geschlittert, Bernhard sprach das offen aus. In der Hauspostille des Konzerns, verteilt an alle Mitarbeiter, druckte er Vergleiche ab über die Produktionskosten bei VW und den wichtigsten Konkurrenten.

Sitz im Chrysler-Aufsichtsrat?

Mit seinem forschen Auftreten eckte Bernhard aber auch an. Trotz einer erfolgreichen Sanierung verließ er den Konzern im Januar dieses Jahres. Über sein Ausscheiden war bereit seit dem Rausschmiss des Vorstandsvorsitzenden Pischetsrieder spekuliert worden.

Bernhard wechselte zu dem amerikanischen Finanzinvestor Cerberus. Als Berater hatte er maßgeblich Einfluss auf die Chrysler-Übernahme, da er alle Schwachstellen und Vorzüge des US-Autoherstellers kennt.

Dem künftigen Management-Team von Chrysler wird Bernhard offenbar nicht angehören. Bernhard sei zwar ein enger Freund von Chrysler-Vorstand Tom LaSorda, sagte Cerberus-Chef John Snow am Montag. Er werde aber weiter nur als Berater des Finanzinvestors tätig sein.

Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, dass Bernhard nicht ins aktive Management zurückkehren soll, aber einen Sitz im Aufsichtsrat des Unternehmens bekommen könnte.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa, reuters

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