Eon Bernotat soll bleiben

Der Energiekonzern Eon stärkt seinem Chef Wulf Bernotat nach der Niederlage im Kampf um Endesa den Rücken. Der seit 2003 amtierende Vorstandsvorsitzende soll bis mindestens 2010 die Geschicke des Energieriesen lenken.

Essen - Eon-Chef Wulf Bernotat soll mindestens bis 2010 an der Spitze des größten deutschen Energiekonzerns stehen. Das Präsidium werde dem Aufsichtsrat eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre vorschlagen, sagte Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Essen. Der Vertrag von Bernotat läuft noch bis April 2008.

Eine Verlängerung um zwei statt um fünf Jahre sei nach den Gepflogenheiten des Konzerns bei Vorstandsmitgliedern ab 60 Jahren üblich, so Hartmann weiter. Über die Frage werde der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung im Sommer entscheiden. Bernotat wird im kommenden Jahr 60 Jahre alt. Er steht seit 2003 an der Spitze von Eon . Sein laufender Vertrag endet im April kommenden Jahres.

Nach der gescheiterten Übernahme der spanischen Endesa waren in Branchenkreisen Zweifel an einer Vertragsverlängerung von Bernotat aufgekommen. Die Akquisition galt als ein wichtiger Baustein in der Wachstumsstrategie Bernotats. Der Eon-Chef hatte über ein Jahr um Endesa gekämpft und zuletzt rund 42 Milliarden Euro geboten. Angesichts des heftigen Widerstands von spanischen Politikern und Unternehmenslenkern hatten die Düsseldorfer Anfang April aufgegeben und stattdessen mit den Endesa-Käufern Enel  und Acciona  eine Einigung erzielt. Danach erhält Eon für rund zehn Milliarden Euro Beteiligungen in Südeuropa.

Aufsichtsratschef Hartmann verwies darauf, das Gremium sei stets eng in das Vorgehen bei der geplanten Endesa-Übernahme eingebunden gewesen. Alles andere als eine Vertragsverlängerung für Bernotat wäre daher auch eine Überraschung gewesen.

Wie heute bekannt wurde, hat der einjährige Endesa-Übernahmekampf Eon insgesamt rund 300 Millionen Euro gekostet. Rund drei Viertel dieser Summe seien Kosten für die Finanzierung des bereit gestellten Kreditvolumens, sagte Bernotat auf der Hauptversammlung in Essen. Er bezeichnete die Kosten zugleich als "üblich" für eine Transaktion dieser Größenordnung.

"Vor dem Hintergrund eines politisch-komplexen Umfeldes gab es zwar kein Happy-End, aber einen vernünftigen Kompromiss, der uns in Europa strategisch ein gutes Stück voranbringt und mit dem wir Wert schaffen werden", sagte Bernotat weiter. Kritik von den Aktionären an seinem Vorgehen gab es kaum. Vielmehr äußerten sie sich erleichtert, dass Bernotat nach mehrmaliger Anhebung der Offerte die Reißleine gezogen hatte.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap und dpa

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