Heros-Chef Weis Anklage fordert elf Jahre Haft

Im Heros-Prozess hat die Staatsanwaltschaft für Firmengründer Karl-Heinz Weis elf Jahre Haft gefordert. Drei weitere Manager sollen zwischen siebeneinhalb und achteinhalb Jahre hinter Gitter. Den Angeklagten wird vorgeworfen, mindestens 270 Millionen Euro unterschlagen oder in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

Hildesheim - Für den spektakulären Millionenbetrug bei dem ehemals größten deutschen Geldtransportunternehmen Heros soll Ex-Firmenchef Karl-Heinz Weis elf Jahre hinter Gitter. Für drei mitangeklagte Manager forderte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch am Landgericht Hildesheim siebeneinhalb und achteinhalb Jahre Haft.

Die Angeklagten sollen über Jahre hinweg mindestens 270 Millionen Euro an Kundengeldern unter anderem namhafter Banken und Supermarktketten unterschlagen und dabei Millionen auch in die eigenen Taschen gesteckt haben. Ihnen wird Untreue in einem besonders schweren Fall und Bankrott vorgeworfen. Als der Betrug im Februar 2006 aufflog, brach die Unternehmensgruppe zusammen.

"Hier ist von oben vorgelebt worden, dass es nicht darum geht, wem das Geld gehört, sondern wie man es so geschickt wie möglich entwendet", sagte Oberstaatsanwalt Andreas Henze in seinem dreistündigen Plädoyer. Er sieht den Heros-Chef als den Initiator eines Schneeballsystems, mit dem bereits seit Anfang der 90er Jahre angehäufte Rechnungen und Löcher in der Bilanz mit Kundengeldern gestopft wurden. Mehr als 1000 Firmen sollen so geschädigt worden sein. Den so verschafften Finanzspielraum nutzte das Unternehmen nach Überzeugung der Anklage, um Konkurrenten mit Dumpingpreisen aus dem Markt zu drängen oder zu übernehmen.

"Seit 1990 hätte Herr Weis Insolvenzantrag stellen müssen", sagte der Anklagevertreter. Stattdessen habe er gefälschte Bilanzen vorgelegt, "die waren das Papier nicht wert, auf dem sie standen."

Weis und drei weitere Topmanager des früheren Geld- und Werttransportunternehmens sind wegen schwerer Untreue, Bankrotts und Insolvenzverschleppung angeklagt. Bis zur Insolvenz des Unternehmens im Februar 2006 sollen sie mit einem Schneeballsystem Kundengelder in Höhe von insgesamt rund 550 Millionen Euro zweckentfremdet haben. In dem laufenden Verfahren geht es um 282 Einzeltaten, mit denen die Angeklagten einen Schaden von rund 280 Millionen Euro verursacht haben sollen.

70 Autos im privaten Fuhrpark

70 Autos im privaten Fuhrpark

Firmenchef Weis hatte Veruntreuungen im großen Stil eingestanden, zu Fragen persönlicher Bereicherung allerdings weitgehend geschwiegen. Der Fahrzeugpark seiner Familie bestand aus 70 Autos, darunter diverse Edellimousinen.

Der Geschäftsführer der zur Heros-Gruppe gehörenden Firma Nordcash, Reimer Weingertner, hatte zu allen Vorwürfen geschwiegen. Er hatte nach Ermittlungen der Polizei und nach Zeugenaussagen mit Firmengeldern in Millionenhöhe in Casinos gespielt. Für ihn forderte Henze achteinhalb Jahre Haft.

Heros-Prokurist Bernd Köller galt firmenintern als "starker Mann", der Anweisungen zu fragwürdigen Überweisungen oder Vorgehensweisen bei Mitarbeitern nachdrücklich durchsetzte. Er versuchte seine Bedeutung im Unternehmen zu relativieren und stellte sich als jemand dar, der vor allem Vorgaben des Firmenchefs gehorchte und sie als Befehlsempfänger umsetzte. Der Staatsanwalt plädierte in seinem Fall auf siebeneinhalb Jahre Haft.

Lediglich der Leiter eines Cashcenters in Viersen, Manfred Diel, war voll geständig und gab den Ermittlern Hinweise auf seine teilweise im Ausland angelegten Vermögenswerte. Er hatte mehrfach betont, "reinen Tisch machen" zu wollen. Für ihn forderte Henze achteinhalb Jahre Haft.

Die insolvente Heros-Gruppe war im vergangenen Sommer von einem US-Investor übernommen worden und wird unter dem Namen SecurLog weitergeführt. Rund 1000 der vor dem Konkurs etwa 4000 Mitarbeiter wurden dabei nicht übernommen. Nach dem Plädoyer der Verteidiger in der kommenden Woche wird ein Urteil Ende Mai erwartet.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp

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