Weltbank Chef im Kreuzfeuer

Ad Melkert, der frühere Vorsitzende des Weltbank-Ethikausschusses, hat Paul Wolfowitz die Missachtung von Verhaltensrichtlinien bei der umstrittenen Beförderung seiner Freundin vorgeworfen. "Herr Wolfowitz hat in Abrede gestellt, dass die allgemeinen Verhaltensregeln für seinen speziellen Fall gelten sollten", sagte Melkert.

Washington - Der Vorstand der Weltbank hat sich am Dienstag abermals besorgt über das Vorgehen ihres Präsidenten Paul Wolfowitz im Zusammenhang mit der Beförderung seiner Freundin geäußert. Der Vorstand werde so bald wie möglich eine Entscheidung fällen, hieß es nach einem mehrstündigen Treffen des 24-köpfigen Gremiums mit einem Untersuchungsausschuss, der den Vorwurf der Günstlingswirtschaft gegen Wolfowitz untersucht.

Als nächstes müsse nun der Untersuchungsausschuss seine Schlüsse aus den vorliegenden Unterlagen und den Befragungen von Wolfowitz, dessen Freundin Shaha Riza und anderer Bankmitarbeiter in den vergangenen Tagen ziehen und den Direktoren zügig einen Bericht dazu vorlegen. Diese seien sehr besorgt über die Konsequenzen der Affäre für die Arbeit der Bank. Der Vorstand entscheidet letztlich, ob Schritte gegen Wolfowitz eingeleitet werden.

In seiner Erklärung vor dem Untersuchungsausschuss äußerte der ehemalige Vize-Verteidigungsminister den Verdacht, dass die "Schmutzkampagne" gegen ihn bewusst darauf abziele, ihn aus dem Amt zu vertreiben und damit wichtige Programme der Bank für die Armen insbesondere in Afrika zu verhindern. Wenn dies gelänge, werde das eine "schreckliche Botschaft" vermitteln, "dass die Bank keinen Wert auf Reform legt", sagte Wolfowitz.

Den Vorwurf der Günstlingswirtschaft wies er abermals zurück. Das Ethikkomitee der Bank habe Zugang zu allen Details rund um die Beförderung von Riza gehabt, sagte Wolfowitz vor dem Untersuchungsausschuss. Er habe in gutem Glauben gehandelt und sich an die Vorschriften gehalten. Einen Rücktritt schloss er weiter aus.

Auch Riza kritisierte die anhaltende Kontroverse. Sie fühle sich von einer mächtigen Gruppe von Bankmanagern attackiert, hieß es in einer Stellungnahme Rizas. Diese wollten sie wegen ihrer Beziehung zu Wolfowitz nicht mehr in der Weltbank haben. Sie verstehe nicht, warum gerade sie so behandelt werde. Auch die Frauen der ehemaligen Geschäftsführenden Direktoren Shengman Zhang und Caio Koch-Weser hätten einst bei der Weltbank gearbeitet.

"Im Widerspruch zu den Vorschriften"

"Im Widerspruch zu den Vorschriften"

Der damalige Leiter des Ethikkomitees erklärte am Dienstag vor dem Ausschuss in Washington, das Gremium sei nicht eingeschaltet worden und habe der lukrativen Beförderung Rizas nicht zugestimmt. Er weise alle dahingehenden Unterstellungen zurück, sagte Ad Melkert vor dem Untersuchungsausschuss.

Melkert warf Wolfowitz die Missachtung von Verhaltensrichtlinien bei der umstrittenen Beförderung seiner Freundin vorgeworfen. Wolfowitz habe es abgelehnt, die Entscheidung über den Fall seiner damals bei der Bank angestellten Freundin Riza an einen seiner Stellvertreter abzugeben, so Melkert. "Im Widerspruch zu den Vorschriften bestand Herr Wolfowitz' Vorschlag ausdrücklich darauf, berufliche Kontakte mit Frau Riza zu unterhalten."

Bei dieser Auffassung sei der Weltbank-Chef auch geblieben, nachdem er "widerwillig" dem Rat des Ethikausschusses gefolgt sei. "Herr Wolfowitz hat also in Abrede gestellt, dass die allgemeinen Verhaltensregeln für seinen speziellen Fall gelten sollten", sagte Melkert. Wolfowitz selbst hat dagegen stets betont, dem Rat des Ausschusses gefolgt zu sein.

Das Direktorium der Weltbank erklärte am späten Abend, es habe seine Befragungen zu der Affäre abgeschlossen und werde nun einen Bericht dazu erstellen. "Die Exekutivdirektoren bleiben sehr besorgt über die Auswirkungen auf die Arbeit der Bank und setzen sich für die frühestmögliche Beilegung der Angelegenheit ein", hieß es in der Erklärung weiter.

Wolfowitz wird vorgeworfen, seiner Freundin zur Beförderung verholfen zu haben. Riza war im September 2005 von der Weltbank ins US-Außenministerium versetzt worden, drei Monate, nachdem Wolfowitz sein Amt als Weltbank-Präsident angetreten hatte. Der Stellenwechsel war mit einer beträchtlichen Gehaltserhöhung verbunden, Riza steht nach wie vor auf der Gehaltsliste der Weltbank.

US-Präsident George W. Bush stellte sich unterdessen erneut vor Wolfowitz. "Er sollte bleiben", sagte Bush am Montag an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einer Pressekonferenz anlässlich des US-EU-Gipfels in Washington. Merkel sprach sich lediglich für eine "sehr transparente, sehr offene" Diskussion über die Zukunft des Bank-Präsidenten aus.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap und dpa

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