Scandlines Richtungsloser Führungswechsel

Im März ging Peter Grönlund bei Scandlines von Bord. Der Ex-Chef des Fährbetreibers hatte keine Lust mehr, sich zwischen den zerstrittenen Eignern aufzureiben. Denn trotz glänzender Zahlen kommt der Scandlines-Verkauf wegen politischer Ränkespiele nicht voran. Auch dem neuen Chef John Steen-Mikkelsen sind die Hände gebunden.

Frankfurt am Main - Der deutsch-dänische Fährbetreiber Scandlines bekommt einen neuen Chef. Ab 1. Mai soll der bisherige Divisionsdirektor John Steen-Mikkelsen (51) das Unternehmen führen, das zu gleichen Teilen dem dänischen Transportministerium und der Deutschen Bahn gehört, teilte Scandlines am Mittwoch mit.

Steen-Mikkelsen löst Peter Grönlund ab, der seinen Posten im März gekündigt hatte. Gleichzeitig verlängerte der Aufsichtsrat den Vertrag von Finanzvorstand Uwe Bakosch (48).

Der Wechsel an der Firmenspitze stehe nicht in Zusammenhang mit dem stockenden Verkaufsprozess des Unternehmens, sagte eine Sprecherin. Sowohl Bahn als auch der Staat Dänemark wollen sich von dem Konzern trennen, konnten sich aber bislang noch nicht auf einen Käufer einigen. Zu dem Verkauf gebe es nichts Neues, erklärte die Sprecherin.

Zuerst sollte Scandlines an das deutsche Konsortium BNP (Baltic Ferry Development Group) verkauft werden, dann aber verzögert sich die endgültige Entscheidung wegen innenpolitischer Streitigkeiten in Kopenhagen. Betriebsratschef Vindum sagte im März: "Wir müssen feststellen, dass es eine politische Blockade für den Verkauf gibt, und die Ursache liegt in Kopenhagen."

Zuletzt hatte es in Kreisen geheißen, die Eigner hätten eine Lösung gefunden. Demnach soll Scandlines sowohl an die von der Bahn favorisierte Deutsche Seereederei (DSR) mit ihrem Partner Allianz Capital als auch an den bisher konkurrierenden britischen Finanzinvestor 3i gehen. Die DSR solle 20 Prozent erhalten und Allianz Capital sowie 3i je 40 Prozent. Die Angaben wurden aber von den Verkäufern nicht bestätigt.

Zankapfel Fehmarnbeltquerung

Scandlines sieht sich wachsender Konkurrenz durch Brücken gegenüber, welche die dänischen Inseln mit dem Festland und mit Schweden verbinden. Zuletzt trieb Dänemark zusammen mit Schleswig-Holstein die Projektierung der Fehmarnbelt-Brücke voran. Bisher ist die Route über den Fehmarnbelt, eine Teil der so genannten Vogelfluglinie, ist eine der einträglichsten für Scandlines. Ein Brückenbau hätte für die Fährlinie unabsehbare Folgen.

Das Milliardenprojekt, das vor allem vom dänischen Verkehrsministerium begrüßt wird, stößt aber auf zunehmenden Widerstand. Neben Umweltschützern, Politikern und den Landesfürsten aus Mecklenburg gehören auch der Scandlines-Betriebsrat und die Bahn zu den Gegnern. Der Betriebsrat fürchtet um Arbeitsplätze, die Bahn um den Wert ihrer Beteiligung. Das dänische Verkehrsministerium aber sitzt zwischen den Stühlen. Denn die Fehmarnbeltquerung mindert zwar den Wert des Scandlines-Anteils, ist aber auf der anderen Seite politisch gewollt.

Wegen des Interessenkonflikts wird die Behörde den Verkauf von Scandlines deswegen bis zu einer endgültigen Entscheidung zur Fehmarnbeltquerung aufschieben. Diese wird nicht vor Ende Juni erwartet. Vor diese Entscheidung ist ein neue Eigner nicht im Interesse der Dänen. Denn der müsste sich nicht, wie etwa die Bahn, an politische Spielregeln halten, sondern könnte durch Preissenkungen oder andere Strategien das Milliardenprojekt Fehmarnbeltquerung zum Scheitern bringen.

Scandlines bedient mit 24 Schiffen zwölf Strecken zwischen Deutschland, Dänemark, Schweden und dem Baltikum. 2006 transportierte die Reederei rund 20 Millionen Passagiere, 4,2 Millionen Pkw und eine Million Lkw. Das Unternehmen zählt rund 2900 Beschäftigte. Für 2006 wurde ein Überschuss von 103 Millionen Euro ausgewiesen. Der Umsatz lag bei 547 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.