Siemens Von Pierer gibt auf

Heinrich von Pierer hat seinen Rücktritt verkündet. Der Siemens-Aufsichtsratschef will seinen Posten zum 25. April abgeben, teilte das Unternehmen selbst mit.

München - Der von Korruptionsvorwürfen erschütterte Siemens-Konzern verliert seinen Aufsichtsratschef und langjährigen Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer. In einer Pflichtmitteilung für die Börse teilte Siemens  mit, Pierer stelle sein Amt kommende Woche bei der Aufsichtsratssitzung (25. April) zur Verfügung.

Sein Nachfolger solle zunächst ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme werden. Über von Pierers Ablösung war in den vergangenen Wochen immer wieder spekuliert worden. Der langjährige Siemens-Chef wolle mit seinem Rückzug einen Beitrag leisten, "unser Unternehmen allmählich wieder aus den Schlagzeilen und in ruhigeres Fahrwasser zu bringen", hieß es in der Ad-hoc-Mitteilung für die Börse am Abend weiter.

Der designierte Nachfolger Cromme soll dem Aufsichtsrat zunächst bis zur nächsten Hauptversammlung am 24. Januar 2008 vorsitzen. Für von Pierer rückt der Siemens-Mitteilung zufolge der als Ersatzmitglied gewählte Professor Michael Mirow in den Aufsichtsrat nach, der bis 2002 in der Siemens-Zentrale für strategische Unternehmensentwicklung zuständig war.

Von Pierer betonte in der von Siemens veröffentlichten Erklärung, er stelle mit seinem Rücktritt seine persönlichen Interessen hinter die des Weltunternehmens mit 400.000 Mitarbeitern. "Eine persönliche Verantwortlichkeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen war nicht Grundlage meiner Entscheidung." Zu den Korruptionsermittlungen gegen sechs ranghohe Siemens-Mitarbeiter erklärte von Pierer: "Siemens ist trotz einer hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens aufgrund von teilweise offensichtlichen, teilweise behaupteten Verfehlungen einer Reihe von Führungskräften und Mitarbeitern in eine prekäre Situation geraten."

Sein Ziel sei es, das Unternehmen nachhaltig zu unterstützen und zu fördern. Durch die wirtschaftlichen Erfolge von Siemens falle ihm die Rücktrittsentscheidung leichter. "Ich gehe davon aus, dass die Neubesetzung des Aufsichtsratsvorsitzes auch einen Beitrag leisten wird, unser Unternehmen allmählich wieder aus den Schlagzeilen und in ruhigeres Fahrwasser zu bringen." Von Pierer war von 1993 bis 2005 Vorstandsvorsitzender von Siemens. Einen Rücktritt hatte er bisher mit der Begründung ausgeschlossen, er habe nichts mit den Korruptionsaffären zu tun, die während seiner Führung stattgefunden haben sollen und wegen denen Ermittlungen in Deutschland, Italien und der Schweiz laufen.

Vorstandschef Klaus Kleinfeld legt in der kommenden Woche die aktuellen Geschäftszahlen vor. Laut Branchenkreisen ist der Konzern trotz der Schmiergeldaffäre operativ gut unterwegs. Alle Geschäftsbereiche sollen - wie von Kleinfeld vor knapp zwei Jahren für diesen Zeitpunkt versprochen - die ehrgeizigen Renditevorgaben des Konzerns erreicht haben.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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