Weltbank Vize drängt Chef zum Rücktritt

Die Luft wird dünner für Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz: Wegen der umstrittenen Beförderung seiner Freundin gerät er auch in der Führung der Organisation immer stärker unter Druck. Weltbank-Vize Graeme Wheeler forderte offensichtlich sogar den Rücktritt seines Chefs.

Washington - Wolfowitz' Stellvertreter Graeme Wheeler soll den Präsidenten dazu gedrängt haben, im Interesse der Institution zurückzutreten, verlautete aus Führungskreisen der Weltbank. Wheeler habe das Thema bei einem Treffen der Weltbank-Führung angesprochen, so ein Teilnehmer, der namentlich nicht genannt werden wollte. Ein Weltbanksprecher wollte sich zu der angeblichen Rücktrittsforderung nicht äußern.

Wolfowitz soll sich bei der Versetzung seiner ebenfalls bei der Weltbank arbeitenden Lebensgefährtin Shaha Riza nicht korrekt verhalten haben. Riza ist wegen Wolfowitz' Wechsel an die Spitze der Bank ins US-Außenministerium ausgewichen, wird aber weiterhin von der Weltbank bezahlt. Anlässlich der Versetzung soll der Bank-Chef ihr Gehalt von knapp 133.000 Dollar im Jahr auf 193.500 Dollar doppelt so stark erhöht haben wie eigentlich vorgesehen. Damit verdient die Lebensgefährtin mehr als Außenministerin Condoleezza Rice. Der Vorgang gilt als besonders heikel, weil Wolfowitz den Kampf gegen die Korruption in Entwicklungsländern zu einem seiner Hauptthemen gemacht hat.

Bislang hatte Wolfowitz erklärt, trotz des Skandals an seinem Posten festhalten zu wollen. Am Wochenende erst sagte er: "Ich glaube an die Mission dieser Organisation, und ich bin davon überzeugt, dass ich sie erfüllen kann." Unter dem Druck europäischer Staaten hatte der Entwicklungshilfeausschuss der Weltbank zuvor eine ungewöhnlich scharf formulierte Erklärung zu dem Skandal abgegeben. Während der Sitzung hinter verschlossenen Türen sei Wolfowitz aber nicht ausdrücklich zum Rücktritt aufgefordert worden, hieß es in den beteiligten Delegationen.

Vor den Beratungen hatten die USA Wolfowitz noch einmal ihre Unterstützung zugesichert. US-Präsident George W. Bush stärkte Wolfowitz den Rücken. Bush habe volles Vertrauen in Wolfowitz, sagte ein Präsidialamtssprecher. Das Exekutivdirektorium der Weltbank solle bei der Aufklärung der Affäre die Fakten sammeln, diese beurteilen und an die langfristige Leistungsfähigkeit der Institution denken, sagte Bushs Sprecher Tony Fratto am Mittwoch. Die USA schlägt traditionell das Oberhaupt der Bank vor.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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