Wellendorff Haute Couture in Gold

Sie beliefern das japanische Kaiserhaus und statten Maybach-Limousinen aus. Mit seinen kostbaren Kreationen hat sich der Pforzheimer Schmuckhersteller Wellendorff als Topmarke im Luxussegment etabliert. manager-magazin.de wirft einen Blick hinter die Kulissen und auf das Erfolgsgeheimnis des Familienunternehmens.

Pforzheim - An Luxus und Glamour erinnert wenig am Sitz des Juweliers Wellendorff. Das ockerfarben gekachelte Haus verströmt den für Pforzheim typischen Nachkriegscharme. Nebenan bietet der Tätowierer von "Mystery-Tattoos" seine Dienste an. Nur auf der Rückseite des Gebäudes lässt sich etwas vom Glanz einer 114 Jahre alten Schmuckdynastie erahnen. "Dr. A. Wellendorff, Goldwarenfabrik", steht dort in schweren Metalllettern an der mit hohen Gittern geschützten Tür. Darüber wacht ein Panther aus Bronze.

Mit Pomp und Prunk hat sie es nicht, die Familie Wellendorff. Aber vielleicht gerade deshalb gehen ihre Geschäfte so gut. "Unserem Schmuck sieht man seinen Preis nicht an", sagt Claudia Wellendorff. "Das ist wie bei einem Kaschmirpulli. Nur ich weiß, was der Pulli wirklich wert ist."

Mit ihren edlen, zeitlosen Schmuckkreationen haben sich die Nordbadener als eine der Topmarken im deutschen Luxussegment etabliert. Und selbst in schlechten Zeiten sind die Produkte des Traditionsunternehmens gefragt. Während andere Unternehmen nach dem Platzen der Dotcom-Blase teils deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, ging es für das Familienunternehmen gegen den Branchentrend stetig bergauf. Allein in den beiden vergangenen Jahren steigerte der Mittelständler seinen Umsatz um rund 50 Prozent.

"Luxuspreziosen verkaufen sich gut - auch international", sagt Alfred Schneider, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Schmuck und Uhren. "Design made in Germany ist gefragt." Während das Geschäft für den Gesamtmarkt zwischen 2001 bis ins vergangene Jahr schwerfällig und zäh lief, hatten die Hersteller im Luxussegment wenig zu klagen.

Dass auch Wellendorff dazugehört, verdankt die Firma einem Strategiewechsel. Bis in die 70er Jahre belieferten die Mittelständler - wie viele deutsche Unternehmen auch heute noch - den Markt mit einer Palette anonymer Schmuckkreationen. Dann entschieden sie sich, ihre Preziosen unter dem eigenen Namen zu vertreiben. Die Marke Wellendorff war geboren.

114 Jahre Tradition

114 Jahre Tradition

Die Schmuckherstellung ist bei dem Pforzheimer Traditionsbetrieb auch nach 114 Jahren noch in weiten Teilen Handarbeit. Lediglich bei wenigen Arbeitsschritten, von denen manche Präzision auf den hundertstel Millimeter genau erfordern, werden Maschinen eingesetzt. So beispielsweise bei der Wellendorff-Kordel, dem Klassiker der Manufaktur.

Für das Markenzeichen der Pforzheimer wird 18-karätiges Gold geschmolzen, in Stabform gegossen und mit Maschinen wieder und wieder gewalzt, bis ein hauchdünner, gerade einmal noch 0,3 Millimeter dicker Goldfaden entsteht. Der wird dann in aufwendiger Handarbeit ganz fein und gleichmäßig um einen flexiblen Strang, die sogenannte "Seele", gewickelt. Kunstvoll miteinander verflochten entstehen dann aus mehreren Strängen die begehrten Wellendorff-Colliers.

Die Entstehung der Kordel ist - typisch für das Unternehmen - eng an die Familiengeschichte geknüpft: Eva Wellendorff, die Frau von Firmenpatriarch Hanspeter, bat ihren Mann Anfang der 70er Jahre, ihr eine Goldkette zu schmieden, die so anschmiegsam wie eine Vorhangkordel ist. Angespornt von den Ansprüchen seiner Gattin machte sich ihr Mann ans Werk und tüftelte die Kordel aus. Zwei Jahre später erblickte das Produkt das Licht der Schmuckwelt. Noch heute basiert fast die gesamte Kollektion darauf.

Und das zahlt sich aus. In letzter Zeit stieg die Nachfrage sogar so stark, dass sich die Lieferzeiten für die Preziosen deutlich verlängert haben, wie Geschäftsführer Georg Wellendorff einräumt. Und das, obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr angesichts des drastisch gestiegenen Goldpreises den Kaufpreis für seine Schmuckstücke anhob. Statt Absatzproblemen hat der Familienbetrieb viel eher Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal wie erfahrene Goldschmiede, Poliseusen, Fasser oder Zurichter zu finden.

Streben nach Perfektion

Streben nach Perfektion

Bevor ein Schmuckstück den Weg in die Kollektion findet, muss es eine harte familieninterne Qualitätsprüfung bestehen, erzählt Claudia Wellendorff, die in der Firma für Marketing zuständig ist. Von rund 1000 Entwürfen werden gerade einmal 20 in die engere Wahl gezogen.

Schafft es ein Design in die Produktionsphase, wird zunächst ein Prototyp erstellt, den die Frauen des Clans Probe tragen und auch bei Gartenarbeit und Geschirrspülen auf Herz und Nieren testen. Lässt sich eine Kette nur schwer ohne Hilfe schließen, hakt ein Scharnier, oder stimmt der Tragekomfort nicht, hat das Stück keine Chance, den Weg in die Kollektion zu schaffen. Meistern die Preziosen den Härtetest, winkt am Ende der Lohn: Die Adelung mit dem kleinen goldenen Wellendorff-W mit einem funkelnden Brillanten obendrauf.

Besonders schöne Stücke schaffen es in den Showroom der Pforzheimer, der - typisch für das Unternehmen - weniger durch Glamour als durch nordbadische Nüchternheit besticht. Zwar funkeln in Vitrinen an der Wand etruskischer Schmuck und diamant- und perlenbesetzte Platinpreziosen, mit denen die Firma einst europäische Adelshäuser und den russischen Zarenhof belieferte. Doch daneben stehen falsche Zedern und Gartenmöbel, die dem Raum eine Art Parkatmosphäre verleihen sollen.

Bei den Stars und Sternchen, bei der Oscar-Verleihung oder den Golden Globes sieht man den Wellendorff-Schmuck dann auch eher nicht. Statt Glitter und Glamour legt der Kundinnenkreis der Pforzheimer, zu dem auch die japanische Prinzessin Takamado, Sabine Christiansen oder Petra Gerster zählen, eher Wert auf Understatement. Inseriert wird denn auch nicht in Glamourmagazinen, sondern in Blättern wie der "Welt am Sonntag".

Maybach der Extraklasse

Maybach der Extraklasse

Auch einen Betriebsrat gibt es bei dem Familienbetrieb nicht. Alle Bestrebungen der Mitarbeiter verliefen im Sande. "Wellendorff will keinen Betriebsrat - und dann gibt es auch keinen", beschreibt der Pforzheimer IG-Metall-Chef Martin Kunzmann die Einstellung des Firmenpatriarchen Hanspeter Wellendorff.

Wertkonservativ wie der Schmuck ist auch das Geschäftsmodell der Pforzheimer. Zwar profitiert das Unternehmen von der boomenden Nachfrage im Ausland und hat mittlerweile Partnerjuweliere in Moskau, London, den USA, Japan und Hongkong. Eilig bei der Expansion hat es der Familienbetrieb dabei aber nicht. "Hauptmarkt ist nach wie vor Deutschland", sagt Geschäftsführer Georg Wellendorff.

Eine eigene Repräsentanz oder eigene Filialen will sich der Familienbetrieb nicht zulegen. "Schuster, bleib bei deinen Leisten", nennt der 44-Jährige das Credo der Familie. "Wir sind Goldschmiede, keine Einzelhändler", sagt er. "Wir machen das, was wir perfekt können - nämlich Schmuck."

Dass der Markt und das Umfeld für Preziosen des Kalibers von Wellendorff hierzulande da sind, zeigt unter anderem eine Kooperation, die das Familienunternehmen vor Kurzem zusammen mit dem Autobauer Maybach einging. Der Juwelier stattete ausgewählte Luxuslimousinen mit Wellendorff-Kostbarkeiten - Wappen und diamantbesetzten Bordüren - aus. Und auch für das teuerste Stück des Traditionsbetriebs - ein Collier für rund 340.000 Euro, 13,6 Karat. mit einem großen, lupenreinen Diamanten fand sich gleich im Land ein Käufer.

Vor der Zukunft ist dem Familienunternehmen denn auch nicht bange: "Die besten Maschinen, die besten Mitarbeiter, die besten Materialien ergeben automatisch das beste Produkt", gibt sich Georg Wellendorff überzeugt. "Und für die besten Produkte findet sich immer ein Käufer." Dass es dabei nicht auf die Verpackung ankommt, haben die Wellendorffs in den vergangenen Jahren bewiesen.

Schmucke Preziosen: Wellendorff-Gold in Bildern Nobelkarossen: Fotos der Wellendorff-Maybachs 

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