Weltbank Der Chef soll gehen

Die Affäre um die berufliche Bevorzugung der Freundin von Paul Wolfowitz schlägt immer höhere Wellen. Der Weltbank-Chef solle zurücktreten, fordert der Personalrat der Bank. Das Gremium wirft Wolfowitz vor, er habe seine Partnerin Shaha Riza bei der Beförderung bevorzugt.

Washington/Berlin - Weltbank-Chef Paul Wolfowitz habe das Vertrauen des Personals in seine Führungsrolle zerstört, hieß es in einer Erklärung des Personalrats. "Er muss ehrenvoll handeln und zurücktreten." Der Verwaltungsrat müsse deshalb "auf internationaler Ebene" nach einem neuen Präsidenten suchen, "der die Unbescholtenheit der Bank wiederherstellen kann".

Die Weltbank-Beschäftigten werfen Wolfowitz vor, er habe seine Freundin Shaha Riza bei der Beförderung bevorzugt. Demnach wurde ihr Gehalt doppelt so stark gesteigert wie nach den Regeln erlaubt. Dem Außenministerium zufolge ist Riza dort nicht mehr beschäftigt und arbeitet jetzt für eine von den USA finanzierte Nicht-Regierungsorganisation. Der Weltbank-Personalrat hatte ihr vorgeworfen, sie habe den Posten ohne Ausschreibung und Zustimmung der zuständigen Stellen erhalten. Einer Washingtoner Organisation zufolge verdiente sie zuletzt mehr als 193.000 Dollar im Jahr.

Wolfowitz hat eingestanden, mit der umstrittenen Beförderung seiner Freundin einen Fehler gemacht zu haben. Er bedauere dies, erklärte Wolfowitz am Donnerstag. Er habe dem Gouverneursrat (Board) der Weltbank vorgeschlagen, zu klären, ob das Verfahren angemessen gewesen sei. Das Direktorium hat eine Entscheidung über Konsequenzen aus der Beförderungs-Affäre um Behördenchef Paul Wolfowitz unterdessen vertagt.

Zugleich kündigte das Gremium "umgehende" Schritte an, um zu Schlussfolgerungen darüber zu gelangen, wie auf die Vorgänge reagiert werden solle. "Bei ihrer Prüfung der Angelegenheit werden sich die Exekutivdirektoren auf alle relevanten Auswirkungen auf die Führung der Bank konzentrieren", hieß es in einer Erklärung.

Nach den Erkenntnissen des Weltbank-Direktoriums hatte Wolfowitz die Personalentscheidung ohne Überprüfung durch den Ethik-Ausschuss oder den Vorsitzenden des Direktoriums abgezeichnet. Schon bei den Verhandlungen über seinen eigenen Vertrag habe er seine Beziehung zu Riza jedoch offen gelegt und auf Bitten des Direktoriums den Rat des Ethik-Ausschusses dazu eingeholt. Dieser habe ihm informell empfohlen, dass Riza auf eine Position wechseln solle, bei der er nicht ihr Vorgesetzter wäre.

Gegen Korruption und Vetternwirtschaft

Gegen Korruption und Vetternwirtschaft

Er wolle nicht darüber spekulieren, wie sich das Gremium entscheiden werde, antwortete Wolfowitz auf Journalistenfragen nach einem möglichen Rücktritt. "Ich werde alle vorgeschlagenen Maßnahmen des Gremiums akzeptieren. Rückblickend bedauere ich, dass ich mich nicht aus den Verhandlungen herausgehalten habe", sagte Wolfowitz weiter.

Trotz der Entschuldigung verteidigte Wolfowitz seine Entscheidung, Riza im September 2005 für einen externen Auftrag in das Außenministerium beordert zu haben. Er habe sich in seinem neuen Job auf "unbekanntem Terrain" befunden.

Auch Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte inzwischen eine rasche und umfassende Aufklärung der Vorfälle. Die Standards der Weltbank gegenüber Entwicklungsländern zu verantwortlicher Regierungsführung müssten auch für die Weltbank selbst gelten, sagte sie dem "Tagesspiegel" am Donnerstag.

Die Affäre gilt als besonders pikant, weil Wolfowitz seit seinem Amtsantritt vehement für die Bekämpfung von Korruption und Vetternwirtschaft in aller Welt eintritt. Aus der Weltbank hieß es, die Affäre berge ein "hohes Reputationsrisiko" für die Institution. Auch überschattet sie Frühjahrstagung von Weltbank und internationalem Währungsfonds an diesem Wochenende.

Wolfowitz wird von seinen Mitarbeitern unter anderem deshalb argwöhnisch beobachtet, weil er als ein Architekt des Irak-Kriegs gilt. Er war vor seinem Amtsantritt als Weltbank-Präsident Vize-Verteidigungsminister.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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