Unternehmensgründung Szenen einer Ehe

Manchmal ist eine glänzende Geschäftsidee mit Kollegen der Ausgangspunkt, manchmal ein lang gehegter Traum mit Freunden: Am Ende steht das Ziel, sich gemeinsam selbstständig zu machen. Häufig aber scheitert eine solche Konstellation an zu großen Gemeinsamkeiten. Denn gleich und gleich verträgt sich schlecht.

Bonn/Hamburg - Zwei Grafiker oder zwei Köche etwa sollten sich besser nicht zusammenschließen. Denn wer im Team gründet, braucht Kenntnisse aus verschiedenen Fachbereichen. Noch wichtiger sind genaue Absprachen - etwa über die Frage, ob die Firma Lebenssinn sein soll oder nur eine Möglichkeit, möglichst viel Geld zu verdienen.

Rund 30 Prozent aller Existenzgründer machen sich im Team selbstständig, erklärt Arndt Werner vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. "Meist sind es zwei oder drei Personen." Was zunächst sinnvoll erscheint - mehrere Personen bringen Geld ein und können sich die Arbeit aufteilen - birgt aber auch Probleme. "Untersuchungen haben ergeben, dass das Konfliktpotenzial mit der Größe des Teams progressiv steigt. Die ideale Größe liegt bei drei Personen."

Das Team sollte sich möglichst aus unterschiedlichen Fachleuten zusammensetzen. Hilfreich sei es, wenn einer Branchenkenntnisse mitbringt und der andere betriebswirtschaftliches Wissen, sagt Britta Heegardt, Gründungsberaterin bei der Handelskammer Hamburg.

Manchmal schließen sich Freunde zusammen, manchmal frühere Kollegen oder Geschäftspartner. "Das ideale Gründerteam kennt sich nur aus dem beruflichen Kontext", sagt Svenja Hofert, Karrierecoach aus Hamburg. Wer befreundet ist und ein gemeinsames Unternehmen aufzieht, müsse mit schärferen Konflikten rechnen. "Je enger die Freundschaft, desto mehr Emotionalität steckt in der Beziehung." Denn unter Freunden sind Absprachen schwieriger - oft glauben beide, darauf verzichten zu können, weil sie sich schon lange kennen.

"Freunde wissen zudem oft nicht, wie der andere arbeitet", sagt Werner. Auch das birgt Konflikte. Ist der eine bereit, für seinen Traum täglich zwölf Stunden zu arbeiten, während der andere nach acht Stunden den Stift fallen lässt, gibt es zwangsläufig Streit.

Deshalb ist es wichtig, sich zunächst über die Ziele klar zu werden. "Die Gründer müssen darüber sprechen, ob sie mit der Firma in erster Linie Geld verdienen möchten oder eine Idee verwirklichen wollen", sagt Hofert. Dazu gehöre auch die Frage, wie risikofreudig beide Gründer sind, und ob die Firma schnell wachsen soll oder nicht.

Wer putzt die Küche?

Wer putzt die Küche?

Hinzu kommen viele praktische Aspekte, die im Vorfeld ausführlich besprochen werden müssen, etwa die Gesellschaftsform und die Frage, wie viel Kapital jeder investiert. "Wenn einer weniger Geld einbringt, muss geklärt werden, wie der Gewinn verteilt wird", sagt Hofert. Und arbeitet einer der Partner mehr, bestehe zum Beispiel bei einer GbR die Möglichkeit, den Gewinn über ein Punktesystem nach den geleisteten Stunden auszuzahlen.

Vorab besprochen werden muss auch, wie das Team Entscheidungen trifft - gerade bei zwei Personen kommt es sonst schnell zu einer Pattsituation. "Häufig ist es so geregelt, dass jeder in seinem Fachgebiet entscheidet", sagt Heegardt. Doch je nach gewählter Gesellschaftsform haftet der andere Partner für die Entscheidungen mit. "Man sitzt in einem Boot. Daher ist es wichtig, einen zuverlässigen Partner zu suchen."

Neben den fachlichen Fragen - wer hat die Finanzen im Blick, wer pflegt die Kundendatei und hält Kontakt zum Steuerberater - müssen alltägliche Arbeiten verteilt werden. "Das sind so lächerliche Sachen wie: Wer räumt das Büro auf, und wer putzt die Küche?", sagt Hofert. Denn über die Ordnung im Büro und die Frage, ob Musik läuft oder nicht, gebe es immer wieder Streit. "Wenn Sie in einem Team arbeiten, ist das ein wenig so, als wären Sie verheiratet."

Damit aus einem nicht pünktlich eingehaltenen Termin oder einer ungespülten Kaffeetasse kein handfester Konflikt entsteht, sollten sich die Partner regelmäßig zu Teamsitzungen treffen und Kritikpunkte ansprechen. "Es ist sinnvoll, dafür eine dritte, neutrale Person hinzuzuziehen", rät Hofert.

Was passiert, wenn sich die Chefs überwerfen, sollte schon in der Gründungsphase Thema sein. "Wer darf den Namen weiterführen und wer bekommt die Kundenliste? Das sind Fragen, über die Sie nicht erst reden sollten, wenn es Probleme gibt", rät Heegardt. Denn dann sei es meist schwer, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Auch wenn es keinen Streit gibt, laufen Unternehmen nicht immer so, wie es sich die Partner vorgestellt haben. "Wichtig ist, dass sich die Gründer dann rechtzeitig Hilfe holen. Oft sieht man schon auf dem Papier, was schief läuft", sagt Heegardt. Viele Gründer machten den Fehler, die Anlaufphase zu unterschätzen. "Es fallen Gewerbekosten und die Lebenshaltungskosten an, aber die Umsätze sind noch gering." Dann scheitere das Unternehmen, weil das Kapital ausgeht.

Carina Frey, dpa

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.