Karrierechancen Steiniger Weg für Frauen

Bei den Voraussetzungen für beruflichen Erfolg gibt es kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen. In Deutschland bleibt Frauen der Aufstieg in die Chefetage dennoch häufig verwehrt - obwohl Unternehmen von mehr weiblichem Führungspersonal enorm profitieren könnten.

München - Vielleicht gilt die Regel "Eine Frau muss doppelt so gut sein wie ein Mann, um halb so weit zu kommen" heute nicht mehr so stark. Für Frauen gibt es aber immer noch ganz eigene Spielregeln für die Karriere.

Leichter als Männer haben sie es nur selten. Dagegen verdienen sie meist weniger - 15 Prozent Unterschied sind es im Schnitt europaweit nach dem "Gleichstellungsbericht 2007" der EU, in Deutschland sogar 22 Prozent und das, obwohl Frauen überdurchschnittlich gebildet sind. Unter Berufung auf eine Online-Befragung der Hans-Böckler-Stiftung berichtet die "Bildzeitung" sogar von einer Lohnlücke von bis zu 39 Prozent in manchen Berufszweigen.

Unter den Topverdienern im Kreis der Dax-Vorstände sind Männer wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder Dieter Zetsche bei DaimlerChrysler immer noch komplett unter sich: Aber nicht nur das. Im gesamten deutschen Management sind Frauen selten, im Topmanagement liegt ihr Anteil im einstelligen Prozentbereich. Typisch deutsch - in anderen Ländern wie den USA sieht das ganz anders aus.

"Es hat sich aber schon irrsinnig viel bewegt in den vergangenen Jahren", sagt Sonja Müller aus Berlin, Mitgründerin von Victress, einer Initiative, die sich unter dem Motto "Qualität kennt kein Geschlecht" für einen höheren Anteil von Frauen in Führungspositionen engagiert.

"Ich habe bis Ende der Neunziger lange als Marketingleiterin im Ausland gearbeitet. Damals gab es bei den deutschen Unternehmen noch eine sehr merkwürdige Einstellung", erzählt sie: "Da dominierte die Überzeugung, Karriere und Kinder schließen sich weitgehend aus, und Mütter sind für Spitzenpositionen nicht geeignet."

Viele Personalentscheider hätten Frauen als potenzielle Fehlinvestition betrachtet - nach dem Motto "Wenn die schwanger wird, sind wir sie los". Das sei inzwischen nicht mehr so: "Die Unternehmen sehen das heute mehr als Kampf um den Talent Pool. Sie wissen, dass sie nicht auf die Hälfte davon verzichten können."

"Männer werden von Männern gefördert"

"Männer werden von Männern gefördert"

Auch Cornelia Topf ist insgesamt optimistisch: "Frauen lassen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen", sagt die Trainerin und Autorin aus Augsburg, die sich seit vielen Jahren mit Karriereförderung für Frauen beschäftigt.

Gelöst ist das Problem aber nicht: "Besonders bei den jüngeren Frauen ist der Wunsch groß, Karriere und Familie zu vereinbaren", sagt die Managementberaterin Barbara Schneider aus Hamburg, die über Karrierebarrieren für weibliche Führungskräfte promoviert hat. "Anders als Frauen der Generation vor ihnen wollen sie nicht auf Kinder verzichten. Da müssen sich die Unternehmen noch etwas einfallen lassen."

Warum Frauen auf dem Weg nach oben häufig stecken bleiben, hat aber viele Gründe: "Das ist ein Mix aus Ursachen", sagt Schneider. "Einerseits werden Männer von Männern gefördert." Frauen fehle aber oft auch die Erfahrung mit entsprechenden Chefposten - und es fehlt an Vorbildern, an denen sie sich orientieren könnten.

Beruflicher Erfolg hat für Männer und Frauen allerdings auch unterschiedliche Bedeutung, sagt Heinz Schuler, Professor an der Universität Stuttgart-Hohenheim: "Männliche Attraktivität hängt von ihrem Status ab, die von Frauen nicht. Männer sind deshalb motivierter, Karriere zu machen."

Sonja Müller sieht das ganz ähnlich: "Macht macht Männer sexy und wirkt wie ein Aphrodisiakum - bei Frauen ist sie ein Potenzkiller.

Eine Frau hat hübsch und begehrenswert zu sein, aber nicht beruflich erfolgreich." Dabei könnten Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen nur profitieren, ist sich Sonja Müller sicher - nicht nur weil hoch qualifizierte Fachkräfte rar werden: "Frauen denken oft vernetzter und sie bringen eine andere Perspektive ein."

Viele Unternehmen wollten karriereorientierte Frauen, sagt Heiner Thorborg, Personalberater aus Frankfurt am Main: "Etliche haben die Türen längst weit geöffnet. Wir sind auch überreif dafür." Bei den Berufseinsteigern liege die Frauenquote bei 50 Prozent. "Das Problem ist, dass viele irgendwann aussteigen." Und das hat nach Thorborgs Erfahrung nicht nur mit Männern zu tun, die ihre Karriere blockieren: "Frauen sind oft nicht hart genug trainiert worden, sich gegen Widerstände durchzusetzen."

Dominanz als Erfolgsfaktor

Dominanz als Erfolgsfaktor

Wenn es auf dem Weg nach oben schwierig wird, geben sie auf: "Manche nehmen dann eine Auszeit, andere werden schwanger", hat Thorborg beobachtet. "Frauen müssen den Erfolg aber wollen. Und zwar nicht nur halb - das funktioniert nicht."

Wissenschaftlich betrachtet sind bei den Voraussetzungen für beruflichen Erfolg zwischen beiden Geschlechtern kaum Unterschiede festzustellen: "Bei Männern und Frauen, die im Management arbeiten, gibt es praktisch keine", sagt Schuler.

Auch die Frauen zugeschriebenen Stärken bei den Softskills fallen in diesem Zusammenhang nicht ins Gewicht: "Das kommt immer auf den ökonomischen Kontext an", sagt Schuler: "Derzeit ist es eher so, dass Dominanz ein Faktor für beruflichen Erfolg ist, soziale Fähigkeiten sind das nicht."

Männer profitieren außerdem davon, dass es ihnen eher schwer fällt einzuräumen, auf einen Job keine Lust mehr zu haben, sagt Christine Öttl, Karriereberaterin aus München: "Frauen sind da oft ehrlicher zu sich selbst - und ziehen einen Schlussstrich unter die Karriere."

Sich den hohen Preis eingestehen zu können, der für das Vorwärtskommen unter Umständen bezahlt werden muss, ist ebenfalls tendenziell eine weibliche Eigenschaft: "Männer erlauben sich nicht, weich zu sein", ist Christine Öttls Erfahrung - eher kämpfen sie für die Karriere bis zum Infarkt. Frauen setzen die Schwerpunkte anders: "Sie sind seltener bereit, tatsächlich sieben Tage in der Woche zu arbeiten", sagt Barbara Schneider.

Gerade für Frauen mit Kindern sei Karriere schließlich auch eine echte Herausforderung, ergänzt Cornelia Topf: "Das ist ein hoher Einsatz. Viele Frauen unterschätzen das zunächst. Sie wollen zwar die Führungsposition, aber gleichzeitig keine Knochenarbeit." Und das eine gebe es oft nicht ohne das andere. "Beruflichen Erfolg gibt es nicht geschenkt - weder für Männer, noch für Frauen."

Andreas Heimann, dpa

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