Samstag, 19. Oktober 2019

Marketing Die Lifestyle-Ökos kommen

"Ich bin ein Bio-Hasser", bekennt Hartmut Sannecke offen. Der Marketingmanager macht keinen Hehl daraus, dass er allem, was mit Öko zu tun hat, skeptisch gegenübersteht. Und dennoch hat er kürzlich Bioerdbeeren gekauft. "Aus dem Nischenmarkt ist ein Mengenmarkt geworden", beschreibt Branchenspezialist Jörg Reuter den Trend.

Hamburg - Menschen wie der Frankfurter Marketingspezialist Hartmut Sannecke sind typisch für den zurzeit boomenden Biomarkt bei Lebensmitteln. Vorbei sind die Zeiten der 80er Jahre, als Strickpullover tragende "Müslis" apodiktisch die Szene beherrschten. Kaum ein Markt wird zurzeit so fundamental aufgemischt wie der Lebensmitteleinzelhandel.

Massenkompatibel: Bio-Gemüse im Supermarkt
Grund dafür sind die LOHAS, jene Menschen, die den "Lifestyle of health and sustainability", pflegen. Diese Gruppe verbindet egoistische Motive, wie Gesundheit und Genuss, mit altruistischen, etwa der Unterstützung von Produkten, bei deren Herstellung Rohstofflieferanten aus Entwicklungsländern faire Preise geboten werden. Die Ware muss nicht "Bio" sein, ist es aber immer öfter. Und der Handel stellt sich auf diese Bedürfnisse ein.

"Aus dem Nischenmarkt ist ein Mengenmarkt geworden", beschreibt Jörg Reuter von der Berliner Ökostrategieberatung Reuter & Dr. Dienel bei einer Veranstaltung des Führungskräftenetzwerks manager lounge in Frankfurt den Trend. Die Zahlen, mit denen Reuter aufwarten kann, sind beeindruckend: Im Schnitt wuchs der Biomarkt seit dem Jahr 2000 jährlich um 15 Prozent und ist inzwischen bei einem Volumen von 4,8 Milliarden Euro Umsatz angekommen.

Bereits die Hälfte der Verbraucher - quer durch alle Bevölkerungsschichten - gelten inzwischen als "Bio-Interessierte", die an gesunden, genussvollen Ernährungslösungen interessiert sind. Sie greifen zu Ökoprodukten, wenn der Preis stimmt und die Ware verfügbar ist. Dieses Verbraucherverhalten führt nicht nur dazu, dass immer mehr Biosupermärkte - etwa Basic oder Vierlinden - eröffnet werden. Vielmehr wächst auch das relevante Warenangebot im Supermarkt und bei den Discountern stetig bei sinkenden Preisen für die Käufer.

Der etablierte Einzelhandel profitiert vom Bio-Boom - mit höheren Margen als bei herkömmlich hergestellten Lebensmitteln und Getränken. Für ihn ist der neue Trend ein Weg raus aus der Sackgasse mit Tiefstpreisen, in die sich Aldi, Lidl und Co. in ihren Preiskämpfen in den letzten Jahren manövriert haben.

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