Shell Chef darf länger bleiben

Jeroen van der Veer bleibt bis Ende Juni 2009 Chef des Ölkonzerns Shell. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger geht van der Veer offen mit den Risiken des Ölgeschäfts um.

London/Den Haag - Der Ölkonzern Royal Dutch Shell  hat den Vertrag von Vorstandschef Jeroen van der Veer bis Ende Juni 2009 verlängert. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Van der Veer steht seit 2004 an der Spitze des Konzerns, nachdem sein Vorgänger Philip Watts nach dem Skandal um eine drastische Fehleinschätzung der Shell-Ölreserven zurückgetreten war.

Eigentlich sollte van der Veer sein Amt im Juni 2008 nach Erreichen des 60. Lebensjahres niederlegen. Die Entscheidung von Shell steht im Gegensatz zu der beim Rivalen BP. Dort wird Konzernchef John Browne eineinhalb früher als erwartet den Chefsessel räumen.

Shell hat im vergangenen Jahr aufgrund der hohen Ölpreise einen Rekordgewinn eingefahren. 2006 verbuchte Shell einen Gewinn von 25,4 Milliarden Dollar nach 22,7 Milliarden Dollar 2005. Wegen politischer Probleme in wichtigen Fördergebieten wie Nigeria prognostizierte van der Veer allerdings eine leicht geringere Produktion in diesem Jahr.

Van der Veer erwartet wegen des Teilrückzugs aus dem russischen Sachalin und wegen der durch politische Unruhen verursachten Produktionsausfälle im Niger-Delta für dieses Jahr eine tägliche Produktion von 3,3 bis 3,5 Millionen Barrel, etwas weniger als bislang vorhergesehen. Im vergangenen Jahr lag die Tagesproduktion etwas über 3,5 Millionen Barrel. Noch bis zum Ende des Jahrzehnts werde die Produktion nur langsam wachsen, sagte Van der Veer.

Er sieht das britisch-niederländische Unternehmen aber für die Zukunft gut aufgestellt. Shell investiere in große Projekte, die sich langfristig auszahlen würden - in diesem Jahr 22 bis 23 Milliarden Dollar. "Der Wettbewerb um neue Ressourcen ist erheblich", sagte der Konzernchef auf der Bilanzpressekonferenz Anfang Februar. Er bekräftigte, dass sein Unternehmen Aktivitäten im Iran vorbereite, doch seien hierzu noch keine Investitionsentscheidungen getroffen worden.

Damals protestierten vor der Shell-Zentrale in Den Haag Umweltschützer, die das Unternehmen aufforderten: "Nehmt den Gewinn, um Euren Dreck aufzuräumen." Sie beschuldigten Shell, rücksichtslos gegen die Natur vorzugehen. Van der Veer betonte, Respekt vor der Umwelt habe Vorrang, und wenn es in einzelnen Fällen Schäden gebe, so würden sie beseitigt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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