Was sind eigentlich Business Angels?

Ein eigenes Unternehmen zu gründen, ist für viele ein lang gehegter Traum. Mit seinem Kompakt-Lexikon für Unternehmensgründungen gibt Herausgeber Tobias Kollmann Firmenchefs in spe einen Leitfaden an die Hand. manager-magazin.de präsentiert wöchentlich einen Auszug aus dem Lexikon.

1. Begriff

Ein Business Angel ist ein vermögender, unternehmerisch erfahrener Privatinvestor, der neben Kapital auch Unternehmer-Know-how und Netzwerkkontakte in junge, wachstumsstarke Unternehmen einbringt.

2. Merkmale

Bildlich gesprochen müssen Business Angels immer zwei Flügel haben, den Kapital- und den Know-how-Flügel. Wegen der Verbindung dieser beiden Elemente spricht man auch von "Smart Money" oder "intelligentem Kapital". Business-Angel-Kapital nennt man auch "informelles Beteiligungskapital" im Unterschied zum "formellen Beteiligungskapital", das durch Beteiligungsgesellschaften, insbesondere Venture Capital Fonds, meist in späteren Phasen der Unternehmensgründung und mit höheren Beteiligungsbeträgen bereit gestellt wird.

Business Angels beteiligen sich in der Gründungsphase eines jungen Unternehmens oder in den ersten Jahren nach der Gründung ( Seed-Phase, Start-up-Phase) in aller Regel mit einer Minderheitsbeteiligung um 10 Prozent des Gesellschaftskapitals. Sie selbst gehen, außer in Notfällen, nicht in das operative Geschäft. Ein Business Angel ist auch, wer das Investitionskapital und das Beteiligungsportfolio in einer Kapitalgesellschaft gebündelt hat, solange er sich persönlich um das beteiligte Unternehmen kümmert.

Geschäftsmodell

3. Geschäftsmodell

Business Angels sind keine "Engel mit Heiligenschein". Sie investieren in junge Unternehmen mit dem Ziel, in einigen Jahren den sogenannten Exit zu schaffen, das heißt die Beteiligung oder das ganze Unternehmen gewinnbringend zu veräußern. Der Exit kann auf verschiedene Weise gestaltet werden. Da der Börsengang nur in seltenen Fällen in Betracht kommt, wird er im Allgemeinen als Trade Sale an einen strategischen Investor erfolgen. Auch der Verkauf an einen Finanzinvestor ist denkbar. Selten kommt der Rückkauf der Anteile durch das Unternehmerteam in Betracht.

Kapitalgeber: Unterschiede zwischen Business Angel und Venture-Capital-Geber

Kapitalgeber: Unterschiede zwischen Business Angel und Venture-Capital-Geber

Da Business Angels in der Regel zu einem sehr frühen Unternehmenszeitpunkt ihre Beteiligung eingehen, ist der voraussichtliche Geschäftserfolg und die Bewertung des jungen Unternehmens schwer einzuschätzen. Nach einer Faustregel kann nur jedes dritte Engagement eines Business Angels zu einem erfolgreichen Exit geführt werden. Wegen des extremen Charakters als Risikokapital muss der Business Angel im Falle des Exits hohe Erwartungen an die Rendite stellen. Aus diesem Grunde sind nur wachstumsstarke Unternehmen für eine Business-Angel-Beteiligung von Interesse. Meist sind es Technologie-orientierte Start-ups. Da die Vorlieben der einzelnen Business Angels aber sehr unterschiedlich sind, kommen Unternehmen aus allen Branchen für ein Business-Angel-Investment in Betracht.

4. Stand der Entwicklung

In Deutschland gibt es heute in etwa 40 Business-Angel-Netzwerke (Business Angels Netzwerk Deutschland e.V.), die als Marktplätze für informelles Beteiligungskapital fungieren. Business Angels sind im Schnitt 50 Jahre alt und investieren pro Deal 170.000 Euro. Etwa 1400 Business Angels sind in Netzwerken organisiert. Wie hoch die tatsächliche Zahl an Business Angels in Deutschland ist, ist nicht bekannt, einschlägige Forschungsergebnisse fehlen.

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