VDA Wissmann wird neuer Autolobbyist

Ein CDU-Politiker soll den Verband der Automobilindustrie führen. Am Montag will die VDA-Spitze nach übereinstimmenden Angaben den ehemaligen Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann als neuen Präsidenten vorschlagen. Auf den Politiker warten heikle Konflikte wegen der Klimadebatte.

Stuttgart - Der frühere Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) soll neuer Chef des mächtigen Verbandes der Automobilindustrie (VDA) werden. VDA-Kreise berichteten am Wochenende, der Vorstand wolle die Personalie am Montag auf einer Sitzung in Berlin beschließen. Wissmann sei der Wunschkandidat.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte Wissmann am Sonntag eine "ausgezeichnete Wahl". Der designierte Präsident bringe reichlich Erfahrungen in der Verkehrspolitik mit und kenne das europäische Parkett sehr gut. "Wir stehen bereit, unmittelbar nach seiner Wahl die Gespräche über die Senkung des CO2-Ausstoßes bei Neuwagen auf durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer fortzusetzen", erklärte Gabriel.

Zuvor hatte der baden-württembergische CDU-Landeschef im Bundestag, Georg Brunnhuber, im Gespräch mit den "Stuttgarter Nachrichten" die Personalie bestätigt. Brunnhuber begrüßte die Berufung seines Parteifreundes als "große Ehre für die ganze Union". Die Wahl sei unter Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder auf Wissmann gefallen. Als ehemaliger Verkehrsminister und Automobilexperte bringe er die notwendige Erfahrung für diese hochpolitische Aufgabe mit.

Wissmann wird sein neues Amt nach diesen Angaben zum 1. Juni antreten und dann aus dem Deutschen Bundestag ausscheiden. Wissmann gehört dem Parlament für den Wahlkreis Ludwigsburg an. Der CDU-Politiker war von 1993 bis 1998 Bundesverkehrsminister in der Regierung von Helmut Kohl. Laut "Stuttgarter Nachrichten" geht Wissmanns Berufung auf die Fürsprache von drei prominenten Automanagern zurück. Demnach haben sich DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche, Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und der neue VW-Chef Martin Winterkorn für Wissmann ausgesprochen.

Der bisherige VDA-Präsident Bernd Gottschalk hatte am 10. März seinen Rücktritt erklärt. Einem SPIEGEL-Bericht zufolge hatte Gottschalk den Rückhalt bei den deutschen Autoherstellern verloren, da der Verband in der Klimaschutzdebatte sowie bei der Diskussion um Feinstaub und Rußpartikelfilter für Dieselfahrzeuge zu spät und zu lasch reagiert habe. Als neue VDA-Chefs waren in der Branche zuletzt unter anderem BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg und Ford-Manager Wolfgang Schneider gehandelt worden.

Die "Automobilwoche" berichtet, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erwäge die Rückkehr in den VDA-Vorstand. "Wiedeking wäre eine große Bereicherung für den VDA-Vorstand", zitierte das Blatt ein Mitglied des Branchenverbands. Bei einer Wahl Wiedekings in den VDA-Vorstand würde die VW-Fraktion erheblich an Gewicht gewinnen. Neben dem neuen VW-Konzernchef Martin Winterkorn gehört auch dessen Nachfolger an der Spitze der Premiumtochter Audi, Rupert Stadler, dem Gremium an. Porsche ist größter Aktionär bei VW und erhöht seinen Anteil weiter.

Wiedeking hatte dem Bericht zufolge seine Mitgliedschaft in dem 18-köpfigen Leitungsgremium aus Verärgerung über Gottschalk beendet, nachdem dieser im Jahr 2000 in das Board of Directors des US-Zulieferers Delphi eingetreten war. Wiedekings Abschied habe VDA-intern vor allem als Zeichen der Solidarität zum Stuttgarter Bosch-Konzern gegolten, dessen Topmanager sich durch Gottschalks Zusatzamt in den Vereinigten Staaten brüskiert gefühlt hätten.

manager-magazin.de mit Material von ap, reuters und ddp

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