IU Bruchsal Schluss mit Elite?

Endzeitstimmung in Bruchsal: Die "International University in Germany" fürchtet um ihre Zukunft. Finanzprobleme und sinkende Studentenzahlen setzen der Einrichtung zu.

Hamburg - Vor zehn Jahren war sie noch als privates Reformmodell gefeiert worden, jetzt ist völlig unklar, wie es weitergeht: Die "International University in Germany" (IU), die 1997 in Bruchsal bei Karlsruhe ihren Betrieb aufgenommen hatte, wird "in der bisher verfassten gesellschaftsrechtlichen Form auf Dauer nicht weiter bestehen", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung der Gesellschafter.

Gespräche gebe es derzeit "in alle Richtungen", sagte der Bruchsaler Oberbürgermeister Bernd Doll (CDU), der zugleich Vorsitzender der IU-Gesellschafterversammlung ist. So werde unter anderem eine Kooperation mit der Universität Karlsruhe "ausdrücklich geprüft".

Gerüchte um eine drohende Insolvenz der IU hatte es schon länger gegeben. Spätestens, seitdem im Mai 2005 die Gründungsrektorin Heide Ziegler nach internen Querelen mit sofortiger Wirkung von ihren Dienstpflichten freigestellt wurde, drangen die Probleme der Privatuni auch nach außen: Sponsorengelder waren nicht in der erhofften Menge geflossen, die Zahl der Studieninteressenten hatte immer weiter abgenommen.

Nach Angaben der Gesellschafter der IU waren die finanziellen Belastungen seit der Gründung der Privathochschule vor zehn Jahren schlichtweg zu hoch. "Wir kommen nicht mehr obenauf mit dem Geld", sagte Doll gestern.

"Von den stärkeren Dinosauriern gefressen"

Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) äußerte sich angesichts der Probleme der IU skeptisch zur Zukunft der privaten Hochschulen. Sie seien zwar wichtig für die Reform des Hochschulwesens gewesen, würden nun aber möglicherweise dem verschärften Wettbewerb zum Opfer fallen: "Sie haben vielleicht ihre Rolle in der Evolution der Hochschulen gespielt und werden jetzt von den stärkeren Dinosauriern gefressen." Das Land hatte die IU über Jahre mit Millionenaufwendungen unterstützt.

Einer dieser "Dinosaurier" profitiert bereits von der Schwäche der International University: Die Technische Hochschule Karlsruhe, vor wenigen Monaten erst zur Elite-Uni gekürt, kündigte bereits an, einen Teil ihres Studienbetriebs auf den Campus in Bruchsal zu verlegen. Zunächst sollen hier rund 200 ausländische Studienbewerber, die sich im Studienkolleg der Uni auf ihre Fachausbildung vorbereiten, unterrichtet werden. Der Karlsruher Rektor Horst Hippler erklärte, er könne sich zusätzlich den Umzug von ganzen Forschungsbereichen, Doktorandenschulen oder des Weiterbildungsangebots seiner Uni nach Bruchsal vorstellen, weil die Hochschule in Karlsruhe demnächst "aus allen Nähten platzt".

Bei all diesen Plänen für das Gelände in Bruchsal handele es sich jedoch alleine um eine Nutzung als Mieter, betonte eine Sprecherin der Universität Karlsruhe. "Über weiter gehende Kooperationen wurde bisher zu keinem Zeitpunkt gesprochen." Die derzeit in Bruchsal eingeschriebenen Studenten müssen also erst einmal auf die Zusage des Gesellschaftervertreters Doll vertrauen. Der hatte erklärt, trotz der aktuellen Probleme könne jeder Student "ohne Wenn und Aber einen Abschluss machen".

Die IU werde "in der bisher verfassten gesellschaftsrechtlichen Form nicht weiter bestehen". Es sei aber noch unklar, ob zum kommenden Wintersemester weitere Studenten angenommen würden. Der Betrieb für die derzeitigen Studenten werde aber aufrechterhalten, betonte Doll. "Wir werden das zu einem guten Ende bringen."

Derzeit studieren an der IU rund 200 Studenten. Zu den Gesellschaftern der Hochschule gehören unter anderem die IHK Karlsruhe, die Sparkasse Kraichgau und der "Förderverein zur Unterstützung der IU".

manager-magazin.de mit Material von dpa

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