Montag, 18. November 2019

Geburtstag Genscher wird 80

Der "Mann mit dem gelben Pullover" ist wieder da. In Talk-Runden, mit Vorträgen, in Zeitungskolumnen ist Hans-Dietrich Genschers Meinung in diesem deutschen Europajahr gefragt wie seit langem nicht mehr. Der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich wird am Mittwoch 80 Jahre alt.

Berlin - Noch immer ist er der Mann für heikle Missionen. Erst im März dieses Jahres stellte Hans-Dietrich Genscher sein Verhandlungsgeschick erneut unter Beweis. Der FDP-Politiker soll maßgeblich an der Freilassung des im Iran inhaftierten Donald Klein beteiligt gewesen sein, der nach 16 Monaten Gefangenschaft wieder nach Deutschland ausreisen durfte. Nun wird am Mittwoch der 80. Geburtstag gefeiert.

Geburtstagskind: Der ehemalige Aussenminister Hans-Dietrich wird am Mittwoch 80 Jahre alt
Zwei historische Höhepunkte und ein schwerer Tiefschlag sind die Eckpunkte seines politischen Lebens. Der eine ist die dramatische Szene auf den Balkon in Prag 1989, als er tausenden verzweifelten DDR-Bürgern ihre Ausreise in den Westen ankündigte. Der andere ist der 2plus4-Vertrag, der faktische Friedensvertrag 1991 mit den ehemaligen Kriegsgegnern, dessen Architektur unter Beteiligung der beiden Deutschlands seine Idee war. Genscher war vermutlich einer der ersten, die die Bedeutung des damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschows für eine friedliche Absicherung der Wiedervereinigung erkannten.

Den politischen Triumphen vorangegangen war 1972 die Hölle von München: Es sind die schwierigsten Stunden in der politischen Karriere Genschers. Palästinensische Terroristen nahmen am 5. September 1972 bei den Olympischen Spielen in München israelische Sportler als Geisel. Genscher - damals Bundesinnenminister im Kabinett von Willy Brandt - bot sich als Ersatzgeisel an, ohne Erfolg. Am nächsten Tag waren die israelischen Athleten tot. Wenige Wochen später rief der Bundesminister die Anti-Terror-Gruppe GSG 9 ins Leben.

18 Jahre stand er an der Spitze des Außenamtes. 23 Jahre war er Kabinettsmitglied. 33 Jahre saß er im Bundestag. Elf Jahre führte er die FDP, mit der er 1982 den fliegenden Koalitionswechsel zu Helmut Kohl vornahm. Heute ist er Ehrenvorsitzender der Partei.

Das Geburtstagsfest im Sarrasani-Zelt am Berliner Hauptbahnhof übersteigt voraussichtlich alle Erwartungen. Die FDP rechnet inzwischen mit 1500 Gästen aus Politik, Kunst und Medien. Ehemalige Staats- und Regierungschefs wie Gerhard Schröder kommen. Auch Kohl ist eingeladen. Michail Gorbatschow allerdings musste kurzfristig absagen. Aus der Unterhaltungsbranche stehen Florian Henckel von Donnersmarck, Liselotte Pulver und Peter Maffay auf der Gästeliste.

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