CEO of the Future Erst Sieger, dann Chef

5000 Studenten und Jungmanager nahmen die Herausforderung an, 24 schafften es bis in das packende Finale des Strategiewettbewerbs "CEO of the Future". Vor einer hochkarätigen Jury mussten die Chefs von morgen knifflige Business Cases lösen. manager-magazin.de stellt die Gewinner vor.

Verena Delius - 1. Platz

Kitzbühel - Wahrscheinlich gibt es leichtere Szenarien als den Business Case, um den sich Verena Delius und ihr Team kümmern müssen: Eine Versicherungsfirma aus der Schweiz will im südkoreanischen Markt Fuß fassen. Die Frage lautet: Ist es sinnvoll, zu diesem Zweck ein Unternehmen aus Südkorea namens Hankuk zu übernehmen oder eher nicht?

Es geht um den Unterschied zwischen Non-Life- und Long-Term-Versicherungen, um "Transaction-Analysen" und um die Kultur südkoreanischer Manager, die sich dann doch ein wenig unterscheidet von der Uhren-und-Schoko-Akkuratesse der Schweizer.

Delius redet schnell, die zahlreichen Nachfragen bringen sie nicht aus der Ruhe, und irgendwie schafft sie es, inmitten der Zahlenorgien den Überblick zu behalten und für die Hankuk-Übernahme eine "strategische Synergieprämie" von 110 Millionen Schweizer Franken zu ermitteln.

Eine hübsche Summe, doch letzten Endes, sagt die Absolventin der elitären Hochschule St. Gallen mit Schwerpunkt Finanzen, als alles vorbei und sie auf Platz eins des Wettbewerbs gelandet ist, sei sicheres Fachwissen nur ein Teil des Erfolgsrezepts: "Die Juroren sind auch nur Menschen - die wollen unterhalten werden. Und zu einem guten Produkt gehört auch eine überzeugende Präsentation."

Dass sie Menschen begeistern kann, hat Delius, groß, blond, schlank, bereits eindrucksvoll bewiesen: Schon mit Anfang 20 gründete sie Bielefelds erstes Sushi-Restaurant; nach einer Stippvisite im Beteiligungsmanagement der Münchener Rück gründete sie 2004 ihre eigene Finanzbeteiligungsfirma "Delius Capital" und stemmte Projekte wie die Prospektierung geschlossener Fonds und den Aufbau eines Onlinehandels mit Tee. Da war sie 25.

Delius, deren Karriere künftig von Bayer-Chef Werner Wenning als Mentor begleitet wird, ist einer jener Menschen, die vor Energie geradezu vibrieren. Muss sie länger als zwei Minuten untätig sein, streicht sie sich nervös durchs Haar, die Knie beginnen zu wippen. Kaum erstaunlich, dass sie im Lebenslauf unter "Aktivitäten und Interessen" neben Fußball, Joggen und Skifahren angibt: "Neue Geschäftsideen, Businesspläne schreiben". Man wird wohl noch einiges hören von Verena Delius.

Clemens Fischer - 1. Platz

Clemens Fischer - 1. Platz

Zu der launigen Spruchsammlung, die Ex-McKinsey-Deutschland-Chef Jürgen Kluge während der Präsentationen auf einem Block zusammenträgt, hat auch Clemens Fischer Einiges beigesteuert.

Zum Beispiel die Erkenntnis, "dass man Ärzten alles dreimal erzählen muss, bevor sie es behalten". Fischer muss es wissen, schließlich hat er selbst in Medizin "cum laude" promoviert, bevor er sich entschloss, seinem Leben eine andere Richtung zu geben, zunächst einen Abschluss als Diplom-Betriebsökonom draufsattelte und dann noch in Harvard seinen MBA machte.

Fischer ist ein schlaksiger Typ mit bayerischem Akzent, der Hemden mit Monogramm trägt und gern lacht. Warum er beim "CEO of the Future" gewonnen hat? "Sicher weiß ich's nicht", sagt Fischer, "aber es kommt schon drauf an, dass man Spaß daran hat, vor anderen etwas zu präsentieren. Das ist eine Gabe, lernen kann man das nur bis zu einem gewissen Punkt".

Bevor sich Fischer kürzlich mit seiner Firma "Fischer Healthcare" selbstständig machte, war er in verschiedenen Funktionen bei Novartis tätig - der perfekte Ort, um Medizin und Management zu verbinden. Er führte eine internationale Taskforce und bereitete den Markteintritt für das Medikament Certican vor.

Ob er später wieder in einem Konzern arbeiten oder weiter selbstständig bleiben wird, darüber macht sich Fischer noch keine Gedanken. Das wird er in Ruhe mit McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern, seinem neuen Karrierementor, besprechen. Schon kurz nach der Siegerehrung diskutierten beide angeregt, wann und wo man sich denn demnächst einmal in Ruhe unterhalten könne.

Eins aber steht schon fest: Da, wo er arbeitet, muss das Klima fordernd sein. Fordernd und schnell. Fischer hat einen Helikopter- und einen Motorjacht-Führerschein. Der Mann liebt Geschwindigkeit.

Steffen Lanzinner - 3. Platz

Steffen Lanzinner - 3. Platz

Steffen Lanzinner wollte eigentlich nur mal wissen, was denn das CEO-Dasein so ausmacht und was in einem Wettbewerb, der künftige CEOs sucht, so verlangt wird.

Ein paar Wochen intensiver Arbeit später steht er vor der Jury in Kitzbühel und führt elegant durch die monströsen Datenberge seines Business Case: Es geht um die Frage, wie eine Großbank mit den riesigen Pensionsrückstellungen von Unternehmen Geschäfte machen kann. "Nicht gerade ein sexy Thema", raunt einer aus der Jury, "aber die Jungs machen das richtig gut".

Lanzinner wird schließlich von den Juroren auf den 3. Platz gewählt, und er weiß jetzt auch, was CEOs vor allem können müssen: messerscharf analysieren. Sein Studium, das er Ende des Jahres als "Master of Science" abschließen will, bereitet ihn darauf perfekt vor: Lanzinner gehört zum "Elitestudiengang Finance & Information Management" der TU München; seinen Bachelor hat er mit einem Schnitt von 1,17 hingelegt.

Große Herausforderungen haben Lanzinner, der für sein Studium ein Stipendium von Allianz Global Investors erhält, noch nie abgeschreckt: Im Abitur wählte er als Leistungskurse die nicht gerade als Schnulli-Veranstaltungen bekannten Fächer Wirtschaft und Physik - und kam trotzdem auf die Traumnote 1,3.

Seinen Zivildienst leistete er in einer Betreuungseinrichtung für geistig Behinderte. 1999, noch als Schüler, gründete Lanzinner eine Firma für Medien-, Event- und Internetdienstleistungen. Es war bereits seine zweite Gründung nach einer Computerfirma im Jahr 1997.

Nach dem Studienabschluss würde Lanzinner am liebsten als Trainee oder Vorstandsassistent in einem Konzern einsteigen: "Das wäre mein Traum." Vielleicht kann sein Mentor Friedrich Joussen, Geschäftsführer von Vodafone Deutschland, ja helfen, den Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Tobias Umbeck - 4. Platz

Tobias Umbeck - 4. Platz

Schon einige Übung im Umgang mit verwickelten Fallstudien und der hohen Kunst, aus einem Wust von Daten die wichtigsten herauszusieben, dürfte Tobias Umbeck mitgebracht haben, als er sich beim "CEO of the Future" bewarb. Ebenso wie Steffen Lanzinner arbeitete er an der Frage der Pensionsrückstellungen.

Umbeck, in Essen geboren, Abitur in Frankfurt (Note: 1,1) studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe und schloss sein Studium mit der beeindruckenden Note von 1,3 ab. Zwischendurch war er, mit einem Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, ein Jahr in Philadelphia, USA, und machte seinen MBA.

Zwei Praktika während des Studiums - eines bei Andersen Consulting, eines bei der Boston Consulting Group - machten für Umbeck schon früh klar, wo er seine Karriere starten würde - bei den Unternehmensberatern 2003 stieg er als Associate Consultant bei Bain ein.

2005 wechselte Umbeck zu TACA International Airlines in San Salvador, wo er nach kurzer Zeit als Director Strategy & Network Planning 17 Mitarbeiter führte.

Mitte 2006 schließlich kehrte der Jungmanager zurück zu Bain und arbeitet seither an seiner Promotion, für die er bis Ende des Jahres ein Sabbatical genommen hat.

Bleibt zu hoffen, dass Umbeck, der künftig von Ex-McKinsey-Europa-Chef Herbert Henzler gecoacht wird, bei dieser Turbokarriere noch Zeit übrig hat, um sich ab und an seinen Hobbys zu widmen: Reisen, Literatur, Basketball, Tennis, Ski, Golf und Tauchen.

Matthias Kampshoff - 5. Platz

Matthias Kampshoff - 5. Platz

Eigentlich hätte es Matthias Kampshoff nicht unbedingt nötig gehabt, sich unter künftigen CEOs zu beweisen. Der Jurist hat schon erreicht, wovon viele Studienkollegen träumen: Seit 2002 arbeitet er als Anwalt bei der renommierten Wirtschaftskanzlei Clifford Chance in Düsseldorf, spezialisiert auf die lukrativen Rechtsbereiche M&A, Sanierung und Finanzrestrukturierung.

So war Kampshoff etwa an der Beratung von Bayer beim Erwerb des weltweiten OTC-Geschäfts von Roche beteiligt sowie bei der finanziellen Restrukturierung von Kiekert involviert.

Kampshoff, verheiratet, eine Tochter, brachte alles mit, was sich internationale Topkanzleien wünschen: Erstes Staatsexamen mit der Traumnote "vollbefriedigend" abgeschlossen (10,26 Punkte), im zweiten sogar noch mal gesteigert auf 12,47 Punkte (Note "gut").

Für seine Dissertation ("Die großen Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit in England und Deutschland - ein Rechtsvergleich") recherchierte er ein halbes Jahr in Cambridge und London, absolvierte 2001 einen Teil seines Referendariats bei Clifford Chance in der britischen Hauptstadt.

Schon in seiner Zeit auf dem Gymnasium Remigianum in Borken war Kampshoff Schülersprecher; während Studium und Referendariat arbeitete er freiberuflich für eine Kanzlei in Münster.

Vielleicht zieht es den Golf- und Tennisfan nach dem 5. Platz beim "CEO of the Future" ja doch noch in einen großen Konzern, wo Juristen nach wie vor hervorragende Chancen haben. Passenderweise nimmt sich seiner als Mentor für Karrierefragen ausgerechnet Michael Diekmann an. Der Allianz-Chef hat ebenfalls Jura studiert - und sein Examen übrigens auch mit "gut" abgeschlossen.

Karl-Werner Leffers - 5. Platz

"Beste Teamleistung"

In Kampshoffs Gruppe, die für eine Bank ein Geschäftsmodell zur Ausfinanzierung von Pensionsverbindlichkeiten großer Unternehmen ausarbeiten sollte, überzeugte die Jury vor allem die Zusammenarbeit. "Die hervorragende Leistung war nur möglich, weil sie als Team kooperiert haben. Das macht eben die junge Managergeneration aus", lobte die Jury. Und vergab spontan einen Preis für "Die beste Teamleistung", über den sich Matthias Kampshoff (33), Steffen Lanzinner (26), Tobias Umbeck (30) und Steffen Renner (23) freuen durften.

Karl-Werner Leffers - 5. Platz

Wie der Erstplatzierte Clemens Fischer durfte sich auch Karl-Werner Leffers mit den Segnungen der Papaya als Schmerzmittel auseinandersetzen - und brachte die besten Voraussetzungen mit.

Nach Stationen bei der Boston Consulting Group (BCG) sowie im Marketing und Vertrieb der Cephalon GmbH arbeitet Leffers seit 2005 als Medical Manager bei Schwarz Pharma, wo er das Parkinson-Medikament Neupro mit auf den Markt brachte.

Nach dem Abitur in Westerstede (Note: 1,5) studierte Leffers Biologie in Konstanz und Düsseldorf, wo er 2004 am Institut für Physikalische Biologie auch seine Dissertation vorlegte, die mit "magna cum laude" bewertet wurde.

Während der Promotion forschte Leffers auch insgesamt fast ein Jahr an der University of California in San Francisco.

Leffers, der sich selbst als "kommunikativ und offen für Neues" beschreibt, spielt Tennis und Schach. In Karrierefragen wird er künftig von Ex-McKinsey-Deutschland-Chef Jürgen Kluge beraten.

Robert Kratz - Sonderpreis

Robert Kratz - Technologie und Entrepreneurship

Das Team von Robert Kratz sollte einen Business-Plan für den Aufbau von Forschung und Entwicklung in China oder Indien entwerfen. Die Mitglieder entschieden sich für ein Solarenergieprojekt. "Sehr gute Aussichten, aber leider auch sehr risikoreich", so ihr Fazit am Ende. Die Jury reagierte eher zurückhaltend - auch angesichts der Tatsache, dass erst für 2011 ein "operating profit" geplant war.

Von Teammitglied Robert Kratz aber, einem der jüngsten Teilnehmer des Wettbewerbs, zeigten sich die Juroren so begeistert, dass sie flugs einen Sonderpreis für "Technologie und Entrepreneurship" stifteten. "Wir brauchen in diesem Land mehr technisch geprägte Innovationen und mehr Unternehmertum", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der Kratz den Preis übergab und ihn künftig als Mentor begleiten wird.

Kratz ist 23, er studiert Elektrotechnik an der TU Darmstadt im neunten Semester, aber was er bereits in jungen Jahren auf die Beine gestellt hat, würde den meisten für ein halbes Leben reichen. Als Leistungsfächer im Abitur wählte Kratz den Hammer im Doppelpack, also Mathematik und Physik, und bestand trotzdem mit 1,4. Er spricht fließend Englisch und Französisch und kann sich auf Russisch, Spanisch, Japanisch und Arabisch "zumindest verständigen", wie er es formuliert. Zwischen 2000 und 2005 gründete er bescheidene drei Firmen, darunter ein Consulting-Unternehmen und die "Electric United Group" im britischen Birmingham.

Schon jetzt füllt die Reihe seiner Preise ein gutes Drittel seines Lebenslaufs aus: 1999 - 1. Platz bei "Jugend forscht" im Bereich Technik; 2000 wurde Kratz leider "nur" Zweiter, dafür erhielt er aber den Christian-Ernst-Neef-Forschungspreis für regenerative Energien. 2002 dann wieder 1. Platz bei "Jugend forscht" im Bereich Technik, dazu der 2. Platz im Bereich Geologie. Im gleichen Jahr schaffte er es noch bis ins nationale Finale der internationalen Mathematik-Olympiade. Im Robocup 2005 erreichte er das Halbfinale, das in Bremen und im japanischen Osaka ausgetragen wurde.

Kratz liebt Technik, ihre komplexen Systeme, die Eleganz ihrer Formeln und ihre Schönheit, wenn eine Erfindung funktioniert. Mit dem Sonderpreis beim "CEO of the Future" hat er nun die Chance, zu lernen, wie sich kluge Einfälle auch zu Geld machen lassen. Die Chancen stehen gut: Für die Vermarktung der Solarfasern, die er im "CEO of the Future"-Finale in Kitzbühel als Geschäftsidee präsentierte, hat Kratz bereits wieder eine eigene Firma gegründet.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.