Junge Manager Schwarz-rot-goldene Seligkeit

Sie sind unter 40 und werden unsere Wirtschaft schon bald steuern: die Chefs von morgen. In einer Exklusiv-Studie von manager magazin präsentiert sich die junge Elite voller Zuversicht, weltoffen, aber Deutschland verbunden und verblüffend familienorientiert. manager-magazin.de präsentiert die wichtigsten Ergebnisse.
Von Petra Blum

Hamburg - Adieu Tristesse: Die junge Managergeneration blickt selbstbewusst und mit großer Mehrheit zuversichtlich in die Zukunft. Warum auch nicht, den eigenen Angaben zufolge verläuft das Leben der Chefs von morgen durchaus in den gewünschten Bahnen.

Besonders nachdem sich die schlechte wirtschaftliche Stimmung der letzten Jahre verbessert hat, bietet ihnen der - in der Vergangenheit viel kritisierte - Wirtschaftsstandort Deutschland wieder eine ganze Menge Anreize. Entsprechend bevorzugt die Mehrheit der jungen Managementelite die Bundesrepublik wieder als Arbeits- und Lebensmittelpunkt.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Der Wirtschaftsstandort Deutschland und die Berufs- und Lebensperspektiven der jungen Managergeneration", die manager magazin gemeinsam mit der Unternehmensberatung McKinsey in Auftrag gegeben hat. Bei einer vergleichbaren Umfrage vor zwei Jahren war die Stimmung beim Nachwuchs noch deutlich schlechter.

Wie "tickt" Deutschlands junge Elite wirklich? Wie definiert sie Erfolg? Und welche Rolle spielen dabei Familie und Privatleben? Diese Fragen beantworten die jungen Führungskräfte - je nach Persönlichkeitstyp - in der manager-magazin-Studie gänzlich unterschiedlich.

In den Ergebnissen zeigt sich auch, es sind nicht die Karrierechancen allein, die Deutschland für den Nachwuchs wieder interessant machen. Ein emotionaler Faktor kommt hinzu. Viele der Jungmanager haben bereits für längere Zeit im Ausland gearbeitet. Das hat ihren Blick auf Deutschland zum Positiven verändert. Die Konsequenz: Heimatgefühl und das Leben in vertrauten Bahnen wird vom Nachwuchs wieder außerordentlich geschätzt.

Eine ausführliche Interpretation der Studienergebnisse, für die zahlreiche Jungmanager über ihre Meinungen und Erfahrungen gesprochen haben, lesen Sie im aktuellen manager magazin, Heft 4/2007, ab Seite 150. manager-magazin.de hat darüber hinaus die Wertvorstellungen der Chefs von morgen unter die Lupe genommen und präsentiert die interessantesten Aspekte auf den folgenden Seiten.

Ausland versus Deutschland

In der Welt zu Hause, in Deutschland daheim

Wer im Wettbewerb bestehen will, muss bekanntlich flexibel und mobil sein - der größte Teil der Nachwuchskräfte hat diese Forderung des Arbeitsmarkts verinnerlicht. Allerdings sieht die junge Managergeneration ihre berufliche Zukunft zu 51 Prozent voll und zu 35 Prozent weitgehend in Deutschland (siehe Grafik "Wertvorstellungen I").

Foto: manager magazin

Die weitverbreitete Einstellung, sich beruflich auf Deutschland zu konzentrieren, scheint bei vielen (69 Prozent der jungen Managergeneration) auf einer starken emotionalen Bindung an vertraute Strukturen zu beruhen, die wohl gerade in Zeiten der Globalisierung Orientierung, Sicherheit und Halt versprechen. Sie erzeugen ein Zugehörigkeitsgefühl, eine Art Zuflucht, die nach Auffassung der Befragten im Zeitalter der Globalisierung ein wichtiges Bedürfnis abdeckt.

Klassische Patrioten sind Deutschlands Jungmanager dennoch nicht: Mehr als die Hälfte fühlt sich ihrem Unternehmen mehr verpflichtet als ihrem Heimatland. Etwa ein Fünftel der jungen Elite wäre grundsätzlich auch bereit, erneut ins Ausland zu gehen.

Karriere versus Privatleben

Karriere versus Privatleben

Auf die Frage, was neben der Karriere am wichtigsten ist, überrascht die starke Bedeutung der Familie. 90 Prozent der befragten Jungmanager halten eine "intakte Familie" für "im Zweifel wichtiger als die Karriere". Über die Hälfte der Befragten stimmen dieser Aussage voll zu (52 Prozent), weitere 38 Prozent stimmen weitgehend zu.

Foto: manager magazin

Wie wichtig den Jungmanagern Familie und Partnerschaft sind, zeigt sich auch, wenn eine Entscheidung zwischen Privatleben und Karriere verlangt wird. Nur 8 Prozent geben ohne Wenn und Aber der Karriere den Vorzug, 38 Prozent sind zumindest teilweise dazu bereit. 53 Prozent der Befragten sind dagegen Familie und Partnerschaft wichtiger als die Karriere um jeden Preis.

Mehr als die Hälfte verzichtet zudem lieber auf Einkommen, um zum Ausgleich mehr Zeit für sich oder die Familie zu haben. Knapp 80 Prozent geben zu Protokoll, eine interessante Aufgabe für wichtiger zu halten als die Höhe des Gehalts oder die im Betrieb bekleidete Position. Die Gegengruppe mit nur 20 Prozent zieht die traditionellen Insignien von beruflicher Wertschätzung - Einkommen und Position in der betrieblichen Hierarchie - interessanteren Aufgaben vor.

Zukunft, Zufriedenheit, Ziele

Absage an traditionelle Insignien des Erfolgs

Eine überwältigende Mehrheit von über 90 Prozent der Befragten blickt mit großer Zuversicht in die Zukunft. Sogar 95 Prozent äußern sich mehr oder weniger ausdrücklich zufrieden mit ihrer Lebenssituation. Angst um ihren Arbeitsplatz ist der jungen Elite dagegen weitgehend fremd. Nur 3 Prozent sorgen sich derzeit ernsthaft um ihren Job, 13 Prozent teilen diese Sorge.

Foto: manager magazin

Die Frage, die die jüngere Elite jedoch in zwei Lager spaltet, ist die nach der Definition von beruflichem Erfolg und Status. 51 Prozent definieren ihn über schicke Kleidung, tolle Autos und ein schönes Haus. Die andere Hälfte der Befragten (49 Prozent) sieht diese materiellen Werte eher nicht als Hauptziele.

29 Prozent geben zu Protokoll, sie hätten schon viel erreicht, wenn sie den Lebensstandard ihrer Eltern halten könnten; 13 Prozent stimmen dieser Aussage sogar ohne Einschränkung zu. Sorgen, wonach dieses Ziel womöglich zu hoch gesteckt sein könnte, klingen hier bei den Befragten durch. 69 Prozent haben dagegen keine Bedenken. Für sie liegt im Lebensstandard der Eltern offenbar keine besonders hohe Erfolgsschwelle.

Die vier Persönlichkeitstypen

Die vier Persönlichkeitstypen

Entsprechend der Lebens- und Karriereplanung der Jungmanager lassen sich vier Persönlichkeitstypen unterscheiden: Die "Bodenständigen", die "weltoffenen Individualisten", die "existenziell Verunsicherten" und diejenigen, die in erster Linie an einer Balance zwischen Karriere und Privatleben interessiert sind.

Der Bodenständige

Rund 22 Prozent umfasst der Typus der "Bodenständigen". Den beruflichen Aufstieg möchten sie möglichst in Deutschland realisieren, denn die Vorzüge des Wirtschaftsstandorts, die Heimat und das Heimatgefühl werden geschätzt.

Foto: manager magazin

Diese Einstellung beruht in erster Linie auf starken Bindungen zu vertrauten Strukturen. Heimat bietet der Gruppe der Bodenständigen eine Art Zuflucht im Gegensatz zu einem sich ständig rasant verändernden Arbeitsumfeld.

Der Lebensgestalter

Einen etwas größerer Anteil, nämlich 28 Prozent, nimmt der Typ der an Work-Life-Balance-Interessierten ein. Diese Gruppe legt ihre Priorität auf eine ausgewogene Lebensgestaltung, in der neben dem Job auch das Privatleben zum Zug kommt.

Übermäßiger beruflicher Ehrgeiz, der Privates rigoros dem Konkurrenzkampf und dem beruflichen Aufstieg unterordnet, ist hier nicht anzutreffen. Wer an einem Ausgleich zwischen Karriere und Privatleben interessiert ist, misst der Heimat in Zeiten der Globalisierung einen hohen Stellenwert bei: Dieser Typ zeichnet sich durch eine mit sich selbst zufriedenen Immobilität aus, die ein Leben in vertrauten Bahnen ermöglicht.

Von verunsichert bis weltoffen

Der Verunsicherte

Die eher rosige Zukunftsperspektive der ersten beiden Gruppen teilen jedoch nicht alle der befragten Jungmanager. Immerhin ein Viertel der Befragten geben zu, gelegentlich die Sorge zu haben, den Job zu verlieren.

Diese Gruppe - die "existenziell Verunsicherten" - sind sich ihrer Stärken nicht sicher und ihr Vertrauen in die Zukunft ist geringer als bei allen anderen Typen. Besitz ist ihnen außerordentlich wichtig, allerdings mehr als Stütze für das Selbstbewusstsein denn als Chiffre für Macht und Erfolg.

Der Weltoffene

Gänzlich unbegründet sind die Sorgen, die junge Elite könnte ins Ausland abwandern, mit Blick auf die Lebens- und Karriereplanung der jungen Managergeneration nicht. Die Tendenz, Deutschland den Rücken zu kehren und das im deutschen Bildungssystem erworbene Wissen im Ausland zu verwerten - der viel beklagte Braindrain - spiegelt sich besonders im vierten Typus wieder, den "weltoffenen Individualisten".

Sie sind das Viertel der Jungmanager, für das eine berufliche Perspektive im Ausland grundsätzlich attraktiver erscheint. Von emotionalem Ballast halten die "weltoffenen Individualisten" ohnehin nicht viel, und in ihrer Flexibilität und ihrem Karrierestreben lassen sie sich ungern einschränken, schon gar nicht von Bindungen an Familie, Partnerschaft oder materiellen Besitz. Rund 66 Prozent von ihnen haben auch bereits mindestens einmal für mehr als drei Monate im Ausland gelebt.

Gute Noten für Deutschland

Gute Noten für Deutschland

Bei den Befragten behauptet sich Deutschland ausgesprochen gut im Vergleich mit anderen Wirtschaftstandorten. Selten gaben deutsche Führungskräfte der Heimat so gute Noten. Die jungen Manager sehen die Bundesrepublik gerade am Beginn eines nachhaltigen, höheren ökonomischen Wachstumspfades.

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Die Chefs von morgen weisen einen insgesamt hohen Grad an Identifikation mit Deutschland als Wirtschaftsstandort auf. Optimismus halten sie nicht zuletzt wegen der günstigen Konjunkturentwicklung 2006 und der verbesserten Prognose für 2007 für angebracht. Zwei Drittel meinen, die Stimmungslage bei der Wirtschaftselite habe sich in den letzten ein bis zwei Jahren verbessert, nur ein Zehntel der Befragten gibt an, ihrer Einschätzung nach habe sich das Klima verschlechtert - eine Position, die überdurchschnittlich häufig (etwa 20 Prozent) von den unter 35-Jährigen und vom weiblichen Führungsnachwuchs geteilt wird.

Kinder und Kinderwunsch

Männliches Übergewicht

Für die Studie wurden 335 Manager und Managerinnen der ersten oder zweiten Führungsebene im Alter bis 40 Jahre befragt. Davon waren 86 Prozent Männer, nur 14 Prozent der Führungspositionen wurden von Frauen eingenommen. Die Relationen zeigen ein großes männliches Übergewicht, das auch beim Nachwuchs noch vorherrscht. Im Topmanagement beträgt der Frauenanteil sogar nur etwa 3 Prozent.

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63 Prozent der hier Befragten gehören der Altersgruppe zwischen 36 und 40 Jahren an, 27 Prozent waren zur Befragungszeit zwischen 31 und 35 Jahren alt, die übrigen 10 Prozent unter 30 Jahren. Das Durchschnittsalter der Befragten betrug damit 35,7 Jahre, was darauf hinweist, dass Führungsaufgaben in der deutschen Wirtschaft dem Nachwuchs im Allgemeinen erst in einem etwas höheren Alter übertragen werden.

Foto: manager magazin

Mehr als die Hälfte der jungen Manager sind verheiratet, nur etwa 10 Prozent leben als Single. In mehr oder weniger dauerhafter Partnerschaft leben 29 Prozent. Bemerkenswert ist das abweichende Muster bei den Frauen, die etwas häufiger als Single leben (19 Prozent). 52 Prozent der Managerinnen leben "nur" in einer Partnerschaft. Das Ein- beziehungsweise Zweikinder-Familienmodell überwiegt faktisch (27 Prozent), als Wunschvorstellung hat man zwei bis drei Kinder am häufigsten im Sinn (21 Prozent). Nur 12 Prozent der jungen Chefs haben keine Kinder.

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