Unternehmerlegende Wolff von Amerongen verstorben

Er galt als einer der einflussreichsten Industriellen der Nachkriegszeit. Nahezu 20 Jahre lang leitete Otto Wolff von Amerongen den Ost-Ausschuss. Nun ist der "Wegbereiter des Osthandels" im Alter von 88 Jahren gestorben.

Köln - Amerongen war seit Jahren krank. Den Tod bestätigte die Industrie- und Handelskammer Köln. Wo und woran der legendäre Nachkriegs-Unternehmer starb, wollte die Familie zunächst nicht mitteilen.

Amerongen wurde in den 60er Jahren zunächst zum Präsidenten der Kölner Industrie- und Handelskammer gewählt, bevor er 1969 an die Spitze des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) gelangte und dort nahezu 20 Jahre lang blieb.

Bekannt wurde der Unternehmer aber vor allem als Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, den er 45 Jahre lang bis zum Jahr 2000 leitete. Der Ausschuss war in den Jahrzehnten der politischen Spaltung Europas ein wichtiges Bindeglied zwischen Ost und West. Unter Amerongens Ägide wurden die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik und den Ländern des Ostens erheblich ausgeweitet.

In der Presse wurde Wolff von Amerongen gern als "heimlicher Osthandelsminister" betitelt, da er in den schwierigen Zeiten des Kalten Krieges Beziehungen zu den Regierungen des Ostblocks aufbaute. Ein Schwerpunkt des Industriellen galt den deutsch-russischen Beziehungen.

Beim früheren Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow brachte ihm dies gar die Bezeichnung "ältester Pionier der Arbeitsbrigade Deutschland/Sowjetunion" ein. Die Geschicke des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft lenkte er fast ein halbes Jahrhundert lang, bis 2000.

Neben der Leitung seiner eigenen Unternehmensgruppe gehörte er während seiner beruflichen Karriere etwa 40 Aufsichtsräten oder Beiräten an. Wolff erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden und Auszeichnungen wie etwa 1979 das große Bundesverdienstkreuz.

Die Schattenseiten

Ende der 80er Jahre bekam sein Ruf als Unternehmer allerdings auch ein paar Kratzer. Die 1983 von der Aktiengesellschaft Otto Wolff mehrheitlich übernommene PHB Weserhütt musste 1987 mit Verlusten von mehr als 200 Millionen Mark Vergleich anmelden. Als weiterer Missgriff wurde Wolff der Kauf eines veralteten Stahlwerkes im US-Bundesstaat Texas vorgehalten, der das Unternehmen 270 Millionen Mark (rund 138 Millionen Euro) kostete. 1990 übernahm der Düsseldorfer Konzern Thyssen 100 Prozent der Otto Wolff AG. Ein wichtiger und richtiger Schritt, sagte Wolff.

Seine letzten Jahre wurden zudem von Enthüllungen über die Verstrickungen seines Unternehmens während der Nazizeit überschattet. Das Unternehmen - das seit 1940 von ihm selbst geführt wurde - soll dabei Aktien, Gold und andere Werte aus dem Vermögen deportierter Juden im Auftrag der Nazis verkauft haben. Von 1945 bis 1947 war Wolff interniert.

Der Regisseur Gerhard Friedl beleuchtete 2006 in einem Kinofilm mit dem Titel "Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?" seine Rolle bei mehreren Firmenzusammenbrüchen. Die Dokumentation wurde unter anderem mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Wolff von Amerongen selbst hatte sich zu dieser Zeit schon ganz aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

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