Phönix-Skandal Strafverfahren ausgesetzt

In einem der größten Fälle von Anlagebetrug ist der Prozess gegen einen Ex-Phoenix-Manager vorerst gescheitert. Das Gericht setzte das Strafverfahren gegen den Kaufmann auf unbestimmte Zeit aus. Phoenix Kapitaldienst hatte mit Hilfe gefälschter Unterlagen mehr als 30.000 Anleger um ihr Geld geprellt.

Hamburg - Zur Begründung sagte der Vorsitzende Richter Klaus Wiens, während der bisherigen Beweisaufnahme habe sich die Version der Anklage nicht bestätigt. Wiens wollte sich nicht dazu äußern, ob und gegebenenfalls wann ein neuer Prozess gegen den Phoenix-Manager angesetzt werden könne.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten vorgeworfen, zwischen April 2001 und März 2005 mehr als 1800 skandinavische Anleger um knapp 200 Millionen Euro betrogen zu haben. Der bereits verurteilte ehemalige Prokurist von Phoenix hatte den dänischen Geschäftsführer jedoch im Laufe des Verfahrens erheblich entlastet. Demnach sei der 60-Jährige, einer der engsten Vertrauten des im April 2004 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Firmengründers, für die Betrugshandlungen in Dänemark nicht verantwortlich. Um das Verfahren neu aufrollen zu können, seien nun zunächst weitere Ermittlungen in Dänemark notwendig, sagte Richter Wiens.

Phoenix Kapitaldienst hatte mit Hilfe gefälschter Unterlagen Wertpapiergeschäfte vorgetäuscht und mehr als 30.000 Anleger um ihr Geld geprellt. Der Betrug war nach dem Tod des Firmengründers Dieter Breitkreuz aufgeflogen, Phoenix Kapitaldienst musste danach Insolvenz anmelden. Zwei Ex-Manager des Frankfurter Unternehmens waren im vergangenen Sommer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Im ersten Verfahren um den Anlagebetrug des insolventen Kapitaldienstleisters Phoenix hatte das Frankfurter Landgericht den ehemaligen Prokuristen der Firma im Juli 2006 zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und vier Monaten verurteilt. Die Witwe des Firmengründers und zeitweilige Geschäftsführerin musste wegen Untreue für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Anders als in Deutschland, wo rund 30.000 Kleinanleger von dem Betrug betroffen waren, zählten zu den Geschädigten in Skandinavien vor allem Großanleger. So sollen zu den geschädigten Firmen nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch ein schwedisches Möbelhaus und ein dänischer Spielwarenfabrikant gehören, die über Investitionen bei Phoenix die Betriebsrenten ihrer Mitarbeiter aufstocken wollten.

Phoenix Kapitaldienst geriet bereits im Jahr 1992 in Schwierigkeiten, als Optionsgeschäfte des Investmentunternehmens platzten. Zur Deckung der Verluste setzte Phönix Kapitaldienst stets aufs Neue das Geld weiterer Anleger ein. Der Skandal wurde 2005 publik, als schließlich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Wind von den zwielichtigen Geschäften bekam und die Phoenix-Konten sperrte.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp