Heiligendamm Neuer Chef im Luxushotel

Das Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm, Anfang Juni Tagungshotel des G8-Gipfels, hat Martin Kolb zum neuen Direktor ernannt. Kolb verteidigte die Sperrung des Hotelkomplexes: "Wir sind kein Museum", sagte er. Polizeischätzungen zufolge werden rund 100.000 Demonstranten versuchen, den G8-Gipfel zu stören.

Heiligendamm - Der 47-jährige Martin Kolb hat das Hotel mit rund 250 Mitarbeitern am Donnerstag als Nachfolger von Torsten Dressler übernommen. Dressler hatte nach knapp zwei Jahren an der Spitze seinen Posten zum 1. Februar abgegeben und damit die Mitverantwortung für die mit rund 40 Prozent zu schlechte Auslastung übernommen.

Kolb, der im Besitz eines schweizerischen und eines österreichischen Passes ist, sagte am Donnerstag, er wolle mit einem verbesserten Marketing die Auslastung in den kommenden zwei Jahren auf 55 bis 60 Prozent zu erhöhen. "Damit würde das Hotel kostendeckend arbeiten." Das Grand Hotel habe beispielsweise einen der besten Wellness- und Spa-Bereiche Deutschlands und in Kürze einen 27-Loch-Golfplatz. "Man kann nicht sagen, wir haben das, aber ich erzähle es niemandem." Das Marketing sei in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden.

Kolb verteidigte die Sperrung des Hotelkomplexes gegenüber Tagestouristen. Früheren Angaben der Investorengruppe Fundus zufolge war die Möglichkeit, den Hotelgästen "auf den Teller und ins Zimmer zu schauen", der Grund für die schlechte Auslastung. Die Bad Doberaner Stadtvertreterversammlung hatte Anfang Dezember 2006 beschlossen, dass der Hotelkomplex für zunächst fünf Jahren keinen freien Zugang für Tagestouristen haben muss. "Wir sind kein Museum", betonte der neue Direktor. Er befürworte aber die Öffnung des Hotels beispielsweise für Abendveranstaltungen.

Kolb blickt nach Worten des Kempinski Regionalchefs und Direktors des Berliner Adlon Hotels, Stefan Intertahl, auf eine internationale Karriere in der Tourismusbranche zurück. Sein Werdegang umfasse Stationen in der Schweiz, im Libanon, in Deutschland, Österreich, China, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zuletzt war Kolb Direktor im Radisson SAS in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.

Der stellvertretende US-Botschafter in Berlin, John Koenig zeigte sich unterdessen von den fortgeschrittenen Vorbereitungen beeindruckt. Der Chef der rund 30-köpfigen amerikanischen Vorabdelegation hat gerade die Besichtigung in Heiligendamm abgeschlossen und ist überzeugt: "Mecklenburg-Vorpommern ist hervorragend vorbereitet".

"Der Präsident kommt gerne wieder"

"Der Präsident kommt gerne wieder"

Ähnlich äußerten sich auch die anderen Vorabinspektoren der G8-Länder, die in den vergangenen Wochen die Tagungsstätte im Nordosten Deutschlands in Augenschein genommen haben. In Heiligendamm treffen sich vom 6. bis 8. Juni die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands.

Die USA haben schon einschlägige Erfahrungen mit Heiligendamm: Präsident George W. Bush war im vergangenen Juli schon für zwei Nächte im Kempinski. "Der Präsident kommt sehr gerne wieder", sagt Koenig.

Die Verantwortlichen in Mecklenburg-Vorpommern sind sich sicher, dass die Organisation des Gipfels selbst sowie die Versorgung der Delegationen und der rund 5000 Journalisten reibungslos über die Bühne gehen werden. Eine große Verunsicherung ist aber angesichts der vielen zehntausend erwarteten Demonstranten deutlich zu spüren. Es gibt in der Vorstellung der Planer kaum etwas Schlimmeres, als dass Bilder von gewalttätigen Demonstrationen in die Welt gesendet werden und Mecklenburg-Vorpommern dauerhaft mit diesen Bildern in Verbindung gebracht wird - und nicht mit lauschigen Stränden und viel Natur.

Koenig sagt zwar gelassen: "Wir sind es gewöhnt, dass es bei Gipfeltreffen Demonstrationen gibt". Doch kann er seine Gastgeber damit nur wenig beruhigen. Polizeischätzungen zufolge werden rund 100.000 Demonstranten nach Mecklenburg-Vorpommern kommen, Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sprach jüngst von 50.000 bis 250.000.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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