Jenoptik "Mich braucht die Jenoptik nicht mehr"

Der Wechsel von Jenoptik-Chef Alexander von Witzleben zu Haniel ist perfekt. Der Jenoptik-Aufsichtsrat hob den Vertrag des 43-Jährigen auf und berief den ehemaligen Zeiss-Manager Michael Mertin zum neuen Chef. Auch ein neuer Finanzvorstand wurde ernannt.

Jena - Der Vorstandschef des Technologiekonzerns Jenoptik , Alexander von Witzleben, wechselt ins Spitzenmanagement der Duisburger Haniel-Gruppe. Der Jenoptik-Aufsichtsrat billigte am Freitag in einer außerordentlichen Sitzung die Entscheidung des 43 Jahre alten Betriebswirts und berief einen neuen Vorstand.

"Die Jenoptik ist heute ein völlig anderes Unternehmen als vor drei oder vier Jahren", sagte von Witzleben dem MDR-"Thüringen Journal". "Sie ist ein reiner Optoelektronikkonzern, so wie ich mir das immer gewünscht habe. Vielleicht braucht mich die Jenoptik jetzt nicht mehr."

Das Optik-Unternehmen soll mit Wirkung zum 1. Juli von Michael Mertin geleitet werden, teilte der Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Späth mit. Mertin wird zugleich Arbeitsdirektor. Der ehemalige Zeiss-Manager Mertin (40) gehört dem Jenoptik-Vorstand erst seit Oktober 2006 an. Zum Finanzvorstand wurde Frank Einhellinger (39) bestellt, der bisher Leiter Finanzen und Controlling war.

"Der Wechsel im Vorstand kommt etwas schnell", sagte Jenoptik-Konzernbetriebsrat Günther Reißmann. Von Witzleben habe nach seinem Wissen nicht nach einem neuen Job gesucht, sondern sei quasi abgeworben worden. Der Betriebsratsvorsitzende rechnet durch den Wechsel im Management nicht mit deutlichen Kurskorrekturen. "Wir erwarten vom neuen Vorstand Kontinuität", so Reißmann.

Haniel teilte mit, dass von Witzleben vom Aufsichtsrat des Familienkonzerns bereits Anfang Februar in den Vorstand berufen wurde. Er übernehme Anfang Juli den bisher unbesetzten Posten im vierköpfigen Holdingvorstand. Er soll die Verantwortung für drei Tochtergesellschaften sowie eine Mehrheitsbeteiligung mit einem Umsatzvolumen von etwa fünf Milliarden Euro erhalten. Insgesamt erwirtschaftet der Haniel-Konzern, der seit seiner Gründung 1756 in Familienbesitz ist, mit 55.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 25,9 Milliarden Euro.

Von Witzleben wechselt damit den Arbeitgeber erst nach der Hauptversammlung des Jenaer Unternehmens Anfang Juni, bei der Bilanz über die Umstrukturierung im vergangenen Jahr gezogen wird. Der gebürtige Hamburger hatte 2003 als Nachfolger von Späth den Vorstandsvorsitz bei Jenoptik übernommen und das Unternehmen auf sein Optik-Geschäft zurückgestutzt. Er kam 1993 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nach Jena und war mehrere Jahre Finanzvorstand.

Mertin war im Vorstand in den vergangenen Monaten für das operative Geschäft und Forschung und Entwicklung zuständig. Der promovierte Physiker wurde in Köln geboren und arbeitete etwa zehn Jahre in verschiedenen leitenden Positionen beim Optik- und Elektronikkonzern Carl Zeiss (Oberkochen). Der neue Jenoptik-Finanzvorstand Einhellinger ist Diplomkaufmann und kam 1996 von Porsche  zu Jenoptik. Er stammt aus Bönnigheim in Baden-Württemberg.

Die durch Verkäufe geschrumpfte Jenoptik kam im vergangenen Jahr nach ersten Prognosen auf 480 bis 490 Millionen Euro Umsatz und erwirtschaftet wieder Gewinn. Das Unternehmen hat etwa 3.200 Beschäftigte.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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