Was ist eigentlich Die Seed-Phase?

Ein eigenes Unternehmen zu gründen, ist für viele ein lang gehegter Traum. Mit seinem Kompakt-Lexikon für Unternehmensgründungen gibt Herausgeber Tobias Kollmann Firmenchefs in spe einen Leitfaden an die Hand. manager-magazin.de präsentiert wöchentlich einen Auszug aus dem Lexikon.

1. Begriff

Die Seed-Phase ist der erste Abschnitt im Lebenszyklus eines Unternehmens. Der Begriff stammt aus dem Bereich der Venture-Capital-Finanzierung, in dem ein spezifisches Modell zur Unternehmensentwicklung existiert. Dieses unterscheidet sich deutlich von anderen Lebenszyklusmodellen und ist auf die Besonderheiten der Finanzierung angepasst. Wie in anderen Modellen auch erfolgt die Abgrenzung der Phasen durch typische Entwicklungsschritte eines Unternehmens.

2. Typische Managementaufgaben

Der Schwerpunkt der Unternehmenstätigkeit liegt in dieser Phase auf Forschungsaktivitäten und der Produktentwicklung. Ziel ist die Umsetzung einer Idee in verwertbare Resultate bis hin zum Prototyp. Dabei kommt dem Schutz der Ergebnisse zentrale Bedeutung zu. Dieser Schutz dient nicht nur der Absicherung gegen unbefugte Benutzung der Ergebnisse durch Dritte. Er ist auch ein wichtiges Qualitätsmerkmal im Rahmen von Finanzierungsgesprächen.

Kritisch abzuwägen ist in jedem Fall der notwendige Schutzumfang. Hier gilt es, das Schutzbedürfnis und die aus dem Schutz resultierende Kostenbelastung in ein sinnvolles Verhältnis zu bringen. Zum Schutz der Ergebnisse können verschiedene Schutzrechte beantragt werden. Je nach Art der Innovation kommen dafür Patente, Gebrauchsmuster oder Geschmacksmuster in Betracht.

Weiter sollte durch die Anmeldung einer Marke nicht nur Firmenname, sondern auch die (Verkaufs-)Bezeichnungen zukünftiger Produkte oder Dienstleistungen geschützt werden. Mit Marken kann in erster Linie die Unterscheidbarkeit der Firma und ihrer Produkte im Wettbewerb gesichtet werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass mit einer Marke weitere Ansprüche, zum Beispiel auf die gleichlautende Internetadresse, begründet werden können.

Neben der Produktentwicklung sind Marktanalysen durchzuführen, mit denen der Bedarf nach dem Produkt hinsichtlich Anzahl und Anforderungen ermittelt werden soll. Daraus kann zum einen eine Priorisierung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit abgeleitet werden. Zum anderen können Schlussfolgerungen für das zu erwartende Umsatz- und damit letztendlich auch Gewinnpotenzial gezogen werden. Im Rahmen dieser Marktanalysen sollen auch die Anzahl und Wettbewerbsstärke möglicher Konkurrenten ermittelt werden.

Dritte Hauptaufgabe ist schließlich die (Fort-) Entwicklung eines Business Planes. In diesen fließen die Ergebnisse der Produktentwicklung und der Marktanalysen unmittelbar ein.

Keine eigene Marktpräsenz

3. Abgrenzung der Phase

Als erste Phase im Lebenszyklus beginnt die Seed-Phase mit der ersten Tätigkeit des Gründers, die mit dem zukünftigen Unternehmen in Verbindung steht. Der Startpunkt ist also nicht genau durch ein bestimmtes Ereignis zu definieren. Als Ende der Seed-Phase wird das Vorliegen eines ersten vermarktbaren Produktes beziehungsweise einer Dienstleistung und der Abschluss der (ersten) Geschäftsplanung zu dessen gewerblicher Nutzung angesehen. Ein solches Produkt liegt dabei meist in Form eines funktionsfähigen Prototyps vor.

4. Unternehmensmerkmale

Unabhängig von dem diskutierten Abgrenzungsproblem weisen Unternehmen in der Seed-Phase eine Reihe von Besonderheiten auf. Wegen der Konzentration auf Forschung und Entwicklung sind sie ohne eigene Marktpräsenz, das heißt sie nehmen allenfalls als Nachfrager, nicht aber als Anbieter am Wirtschaftsverkehr teil. Durch diesen fehlenden Kontakt zum Absatzmarkt mangelt es in der Seed-Phase häufig an einer wirtschaftlich tragfähigen Einschätzung der Produktidee und des Marktes.

Weiter ist auch die Personalzusammensetzung zumeist einseitig auf diese Forschungs- und Entwicklungsaufgaben (FuE) angepasst. Vor diesem Hintergrund verfügen viele Unternehmen in der Seed-Phase nur über eine geringe kaufmännische Professionalität. Am Ende verfügen die Unternehmen neben der zumeist als Projekte organisierten FuE-Tätigkeit selten über etablierte Strukturen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.