Managerausbildung "Ein Harvard-MBA ist nicht alles"

Haben wir die richtigen Manager? Johannes von Schmettow, Partner der Personalberatung Egon Zehnder, spricht im Interview über deutsches Expertentum, den Wert eines MBA und Fehler, die sich viele Unternehmen bei der Ausbildung von Führungskräften leisten.

mm.de: Nur jede fünfte der im "International Executive Panel 2007" (IEP) befragten Führungskraft glaubt, dass der "Master of Business Administration" (MBA) auf die Herausforderungen des wirklichen Lebens vorbereitet. In Deutschland genießt der MBA-Titel dagegen großes Vertrauen - zu großes?

Schmettow: Der Vertrauensvorschuss für den MBA in Deutschland gründet darauf, dass die meisten deutschen Führungskräfte damit den Abschluss an einer Topuniversität wie Harvard oder Kellogg verbinden. In den USA oder England steht er für den Abschluss an einer beliebigen Universität - entsprechend nüchterner sind die Einschätzungen. International ist jedoch unbestritten, dass ein MBA-Abschluss an einer Ivy-League-Uni als fachliche Vorbereitung kaum zu toppen ist. Doch ein MBA von einer Spitzenuniversität ist nicht alles.

mm.de: Ein MBA aus Harvard reicht nicht?

Schmettow: Es ist natürlich ein exzellenter Start, aber nicht alles. Für einen guten Manager sind die zehn Jahre entscheidend, die nach dem Abschluss der Ausbildung kommen. Er muss Herausforderungen meistern, die mehr von ihm verlangen als nur seine fachliche Qualifikation. Solche für die persönliche und berufliche Entwicklung entscheidenden Situationen kann man im Ausland, aber auch in Deutschland durchlaufen.

mm.de: Man kann es also auch mit einer Ausbildung in Deutschland bis zum Topmanager schaffen?

Schmettow: Sagen wir es so: Deutschland hinkt noch hinterher, was die Ausbildung von Eliten anbetrifft. Doch dieses Ausbildungsmanko kann ein Manager in den ersten zehn Jahren nach der Ausbildung aufholen. Insofern ist ein MBA-Abschluss auch keine zwingende Voraussetzung für einen guten Manager.

"Firmen werden durchlässiger"

mm.de: Wie können deutsche Unternehmen ihre "Ausbildung nach der Ausbildung" verbessern?

Schmettow: Einige Unternehmen hierzulande agieren noch zu schematisch. "Nach ganz oben darf nur, wer auch im Ausland war" ist so ein Leitsatz. Entscheidend ist jedoch, welche Leistung der Aufstiegskandidat dort gezeigt hat: Er muss der Aufgabe nicht nur ausgesetzt gewesen sein, sondern sich auch bewährt und zur Entwicklung genutzt haben. Ein Forschungsspezialist zum Beispiel lernt im Ausland nur hinzu, wenn er dort auch mit einer neuen, größeren Aufgabe betraut wird, etwa zusätzlich eine Gewinn- und Verlustsituation meistern muss. Es geht nicht nur darum, die Checkbox "Ausland" abzuhaken.

mm.de: Manche jungen Talente werden damit jedoch überfordert, wenn sie keine Unterstützung haben.

Schmettow: Viele Hoffnungsträger werden einer größeren Aufgabe ausgesetzt, aber dann damit allein gelassen. Dieses Problem eines unzureichenden Coachings gilt nicht nur für Deutschland. Nur wenige Senior Manager schaffen es, sich zusätzlich noch um den Nachwuchs zu kümmern - so kommt das wichtige persönliche Coaching im unternehmerischen Alltag meist zu kurz. Besonders in den USA, wo man stark auf die kurzfristige Performance schaut, läuft man damit Gefahr, sich zu früh von vielversprechenden Talenten zu verabschieden.

mm.de: In Deutschland dagegen besteht das Risiko, dass man nur Kandidaten mit betriebswirtschaftlichem Abschluss etwas zutraut.

Schmettow: In Deutschland nimmt die Fixierung auf Titel und die Art der Ausbildung schon seit einigen Jahren ab. Deutsche Unternehmen sind durchlässiger geworden, die Mischung wird bunter. Fachkompetenz ist zwar eine unverzichtbare Voraussetzung, aber eben nicht alles: Da deutsche Unternehmen auf allen Weltmärkten tätig sind, besinnen sie sich immer stärker auf internationale Managerkompetenz.

"Der Talentpool wird größer"

mm.de: Welche Vorteile bringt diese Öffnung?

Schmettow: Jede Ausbildung korreliert mit einer bestimmten Denkweise. Teams, die aus Wirtschafts- und Rechtswissenschaftlern, aus Natur- und Geisteswissenschaftlern zusammengesetzt sind, arbeiten meist kreativer.

Zudem stärkt es den Wettbewerb, wenn Talente verschiedener Fachrichtungen für Managementaufgaben infrage kommen. Der Talentpool wird größer, das Wissen diverser: Hier zeigt sich der gute Einfluss der international agierenden deutschen Unternehmen.

mm.de: Müssen deutsche Unternehmen sich in Fragen der Ausbildung hinter der ausländischen Konkurrenz verstecken?

Schmettow: Ich bin nicht der Meinung, dass Deutschland bei der Ausbildung von Führungskräften den Anschluss verliert. Zwar haben deutsche Hochschulen noch ein gutes Stück Weg vor sich, um mit einer Ivy-League-Uni gleichzuziehen.

Doch für die prägenden Jahre danach sind deutsche Unternehmen eine gute Adresse: Sie gehören in vielen Bereichen zu den Weltmarktführern und bieten Talenten alle Chancen, sich weiterzuentwickeln.

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