Statussymbole Zeichen der Macht

Schein oder Sein? Statussymbole zeigen, wer wie wichtig ist. Vor allem bei der Karriere spielt das eine Rolle: Der Rang in der Hierarchie lässt sich häufig an Äußerlichkeiten erkennen. Wer allerdings mit Statussymbolen falsch umgeht, torpediert den eigenen Aufstieg.

Hamburg - Statussymbole machen Eindruck - dem kann sich kaum jemand entziehen. "Das ist Sozialpsychologie", sagt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. "Bei einer Frau mit Cartier-Uhr denken alle "Die muss erfolgreich sein".

Nach dem gleichen Muster funktionieren Titel: "Das ist immer noch so. Wenn jemand einen Doktor hat, lassen wir uns leicht davon blenden", sagt Peter W. Klose, Fachmann für Etikette-Fragen aus Köln. "Skandinavier oder Holländer legen oft nicht einmal Wert auf einen Professorentitel, aber das ist bei uns anders."

"Wer etwas werden will, muss die anderen glauben machen, dass er es tatsächlich werden könnte", erklärt Claudia Cornelsen die Psychologie der Statussymbole: Möchtegern-Führungskräfte müssen eben so auftreten, dass ihnen der Job auch zugetraut wird. "Natürlich darf nicht schon der Trainee mit Einstecktuch und Manschettenknöpfen rumlaufen", sagt Cornelsen, Personality-Coach aus Hamburg. "Für die Karriere ist es unverzichtbar, zu wissen, wie und wann solche Statussymbole gezeigt werden."

Teure Uhren und Autos sind nur die platteste Variante: Statussymbole können auch exklusive Urlaubsziele sein: "Wer im Gespräch fallen lässt, dass er gerade auf den Seychellen war, signalisiert, dass er sich etwas leisten kann", sagt Cornelsen. "Wer von seinen Besuchen in Tokio und Toronto erzählt, demonstriert Weltläufigkeit." Die nächste Stelle in London geht sicher nicht an den Kollegen, der immer nur in Oberösterreich Urlaub macht.

Manche Statussymbole zeigen "Ich bin hip, ich kenne mich aus". Das gilt zum Beispiel für technische Accessoires. "Den roten iPod zum Beispiel", sagt Claudia Cornelsen. "Technische Geräte haben allerdings einen Nachteil: Sie veralten schnell und wirken dann eben nicht mehr hip."

Bestimmte Signale werden von jedem als Statussymbol verstanden: Der Learjet des Firmenchefs zum Beispiel oder das Büro am Ende des Flurs mit Vorzimmer. Aber auch unterhalb der Vorstandsetage spielt Status eine Rolle, bei Details, die leicht übersehen oder unterschätzt werden: "Ob man einen eigenen Parkplatz hat zum Beispiel", sagt Peter W. Klose, "möglichst mit dem eigenen Namen gekennzeichnet, nicht nur mit der Autonummer."

Kleinfelds Wandlung

Kleinfelds Wandlung

Aber Statussymbole sind auch Stolperfallen. "Man muss damit schon umgehen können", sagt Klose. Wenn es schief geht, macht man sich lächerlich." Wichtig ist deshalb zu wissen, wann welches Statussymbol unter Umständen nicht mehr angesagt ist: Klaus Kleinfeld ist ein Beispiel dafür. Auf einem offiziellen Siemens-Foto trug der heutige Vorstandsvorsitzende zunächst noch eine Rolex - auf dem gleichen Foto ein Jahr später war die teure Uhr dann wegretuschiert.

Es gibt fast nichts, was nicht Statussymbol sein könnte: "Zu welchem Frisör ich gehe, in welchem Restaurant ich problemlos einen Tisch bekomme, in welchem Stadtteil ich arbeite und in welchem Viertel ich wohne", sagt Klose. Die Wohngegend entscheidet darüber, wen man kennenlernt. "Und wen man kennt, kann dann schon wieder eine Statusfrage sein." Jungen Führungskräften rät der Experte deshalb, gezielt zu überlegen, wo sie hinziehen. "Sogar das Autokennzeichen entscheidet über den Status mit - noch Großstadt oder schon billigere Wohngegend auf dem Land."

Kleidung ist der Klassiker, was Statusfragen angeht: "Im Geschäftsleben können Sie eigentlich nur selten overdressed sein", sagt Klose. Das gilt - zumindest ab einer bestimmten Position - schon fürs Bewerbungsgespräch: "Man sitzt da oft BWLern und Juristen gegenüber, eher trockenen konservativen Typen", sagt der Experte.

Da zählen auch konservative Statussymbole: "Eine gute Kombination aus Hemd, Krawatte und Anzug ist dann Pflicht." Aber auch hier zählen die "heimlichen Zeichen": "Schuhmarken zum Beispiel werden sofort erkannt", sagt Klose. Andererseits darf mit Markennamen nicht geprotzt werden: Das Schlimmste in der Hinsicht überhaupt sei es, demonstrativ das Markenlabel am Sakko-Ärmel zu lassen, kritisiert Karriereberaterin Leitner.

Auch die Ausbildung kann ein Statussymbol sein, das Eindruck macht: "Wenn man auf einer bestimmten Privatschule war zum Beispiel", sagt Klose, "oder seinen Abschluss an einer bestimmten Hochschule gemacht hat." Das könne in der Hochschullandschaft der Zukunft mit wenigen Elite-Universitäten sogar noch zunehmen.

Andererseits sind Statussymbole oft Erkennungszeichen. Sie sollen signalisieren "Ich bin einer von euch". Für Außenstehende sind sie oft kaum wahrnehmbar - Insider sehen sie sofort: "Die Rotarier-Nadel gehört dazu", sagt Madeleine Leitner. "Sie ist winzig klein, aber doch ein unmissverständliches Zeichen."

Überhaupt gehört zum Statussymbol, dass dick auftragen tabu ist: Nach Leitners Beobachtung gehört es zu den klassischen Fehlern sozialer Aufsteiger, in diesem Punkt nicht das nötige Feingefühl an den Tag zu legen. "Aufsteiger gehen mit Statussymbolen oft weniger souverän um und wollen dann unbedingt das dickste Auto fahren."

Andreas Heimann, dpa

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