Sonntag, 15. Dezember 2019

Statussymbole Zeichen der Macht

2. Teil: Kleinfelds Wandlung

Kleinfelds Wandlung

Aber Statussymbole sind auch Stolperfallen. "Man muss damit schon umgehen können", sagt Klose. Wenn es schief geht, macht man sich lächerlich." Wichtig ist deshalb zu wissen, wann welches Statussymbol unter Umständen nicht mehr angesagt ist: Klaus Kleinfeld ist ein Beispiel dafür. Auf einem offiziellen Siemens-Foto trug der heutige Vorstandsvorsitzende zunächst noch eine Rolex - auf dem gleichen Foto ein Jahr später war die teure Uhr dann wegretuschiert.

Imagefrage: Siemens-Chef Kleinfeld mit und ohne Rolex
Es gibt fast nichts, was nicht Statussymbol sein könnte: "Zu welchem Frisör ich gehe, in welchem Restaurant ich problemlos einen Tisch bekomme, in welchem Stadtteil ich arbeite und in welchem Viertel ich wohne", sagt Klose. Die Wohngegend entscheidet darüber, wen man kennenlernt. "Und wen man kennt, kann dann schon wieder eine Statusfrage sein." Jungen Führungskräften rät der Experte deshalb, gezielt zu überlegen, wo sie hinziehen. "Sogar das Autokennzeichen entscheidet über den Status mit - noch Großstadt oder schon billigere Wohngegend auf dem Land."

Kleidung ist der Klassiker, was Statusfragen angeht: "Im Geschäftsleben können Sie eigentlich nur selten overdressed sein", sagt Klose. Das gilt - zumindest ab einer bestimmten Position - schon fürs Bewerbungsgespräch: "Man sitzt da oft BWLern und Juristen gegenüber, eher trockenen konservativen Typen", sagt der Experte.

Da zählen auch konservative Statussymbole: "Eine gute Kombination aus Hemd, Krawatte und Anzug ist dann Pflicht." Aber auch hier zählen die "heimlichen Zeichen": "Schuhmarken zum Beispiel werden sofort erkannt", sagt Klose. Andererseits darf mit Markennamen nicht geprotzt werden: Das Schlimmste in der Hinsicht überhaupt sei es, demonstrativ das Markenlabel am Sakko-Ärmel zu lassen, kritisiert Karriereberaterin Leitner.

Auch die Ausbildung kann ein Statussymbol sein, das Eindruck macht: "Wenn man auf einer bestimmten Privatschule war zum Beispiel", sagt Klose, "oder seinen Abschluss an einer bestimmten Hochschule gemacht hat." Das könne in der Hochschullandschaft der Zukunft mit wenigen Elite-Universitäten sogar noch zunehmen.

Andererseits sind Statussymbole oft Erkennungszeichen. Sie sollen signalisieren "Ich bin einer von euch". Für Außenstehende sind sie oft kaum wahrnehmbar - Insider sehen sie sofort: "Die Rotarier-Nadel gehört dazu", sagt Madeleine Leitner. "Sie ist winzig klein, aber doch ein unmissverständliches Zeichen."

Überhaupt gehört zum Statussymbol, dass dick auftragen tabu ist: Nach Leitners Beobachtung gehört es zu den klassischen Fehlern sozialer Aufsteiger, in diesem Punkt nicht das nötige Feingefühl an den Tag zu legen. "Aufsteiger gehen mit Statussymbolen oft weniger souverän um und wollen dann unbedingt das dickste Auto fahren."

Andreas Heimann, dpa

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