RAG-Chef Müller Kontrolle über Schwarz und Weiß

Werner Müller könnte schon bald seinen Posten aufgeben. Der RAG-Chef will künftig die Stiftung leiten, die den so genannten weißen Bereich der RAG an die Börse bringen und den Ausstieg aus der Kohleförderung, dem schwarzen Bereich, abwickeln soll. Später will er Aufsichtsratsvorsitzender beider Gesellschaften werden.

Hamburg - In einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL bekundete der ehemalige Bundeswirtschaftsminister sein Interesse, künftig die Stiftung zu leiten, die den genannten weißen Bereich der RAG (Chemie, Energie und Immobilien) an die Börse bringen und den Ausstieg aus der Kohleförderung abwickeln soll.

In die Stiftung soll der Erlös aus dem Börsengang des weißen Bereichs eingezahlt werden. Aus diesem Vermögen sollen künftig die so genannten Ewigkeitskosten des Bergbaus, Schäden beispielsweise durch Einbrüche von alten Stollen, bestritten werden.

Müller will dem Bericht des SPIEGEL zufolge gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender dieser Aktiengesellschaft, intern Weiß AG genannt, und des Kohlebereichs, der so genannten Schwarz AG, werden. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung solle laut Satzungsentwurf wie der Vorstandschef eines im Aktienindex Dax  notierten großen Unternehmens bezahlt werden. Auf die Frage, ob das nicht ein bisschen viel sei, sagte Müller: "Gewiss nicht. Denn der Stiftungsvorstand hat die große Aufgabe, das Stiftungsvermögen um einige Milliarden zu vermehren. Und er muss dafür sorgen, dass die Abwicklung des Bergbaus in geordneten Bahnen verläuft."

Die Stiftung könne schnell gegründet werden, wenn Einigung über die Satzung bestehe, erklärte Müller. Das Eigentum der Weiß AG könne aber erst dann endgültig auf die Stiftung übergehen, wenn das Kohlefinanzierungsgesetz durch den Bundestag und im Bundesgesetzblatt veröffentlich sei, betonte er. "An dem Tag muss ich dann die Führung der RAG abgeben, falls man mich in der Führung der Stiftung wünscht."

Nach Müllers Vorstellungen sollen dem Kuratorium der Stiftung die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und des Saarlands, der Bundesfinanz- und der Bundeswirtschaftsminister, der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie sowie die Betriebsratsvorsitzenden der Weiß AG und der Schwarz AG angehören. Dazu sollen vier weitere Mitglieder kommen.

Die Stiftungssatzung muss nach Müllers Worten "gewährleisten, dass sich der Konzern politikfrei entwickeln kann". Wenn dieses Kuratorium so angelegt werden sollte, jederzeit in die Weiß AG hineinzuregieren, dann wären die Gutachten über deren Börsenwert Makulatur. Der geplante Börsengang wäre theoretisch noch in diesem Jahr, im November oder Dezember, möglich. Es stelle sich die Frage, ob es nicht besser wäre, noch den Jahresabschluss abzuwarten, sagte Müller.

Eine Entscheidung, wer die an die Börse strebenden Industriebereiche des Konzerns als Vorstandsvorsitzender führen soll, wurde bisher nicht getroffen.

manager-magazin.de mit Material von ap und vwd

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