BAWAG-Skandal Ex-Generaldirektor ausgeliefert

Nach monatelangem Tauziehen hat Frankreich Helmut Elsner, den langjährigen Generaldirektor der BAWAG, an Österreich ausgeliefert. Unter Elsners Führung war die ehemalige österreichische Gewerkschaftsbank durch riskante Spekulationsgeschäfte in der Karibik mit mehr als einer Milliarde Euro in die Verlustzone gerutscht.

Wien - Helmut Elsner (71) traf am Montagabend mit einem Sonderflug aus Südfrankreich in Wien ein und wurde dort sofort vor einen Untersuchungsrichter gebracht.

Elsner, dem von den Wiener Justizbehörden die Hauptschuld am Beinahe-Zusammenbruch der inzwischen an den US-Hedgefonds Cerberus verkauften Bank gegeben wird, war am Morgen von einem französischen und einem österreichischen Arzt für transportfähig erklärt worden. Er hatte unter Hinweis auf eine angeblich schwere Herzkrankheit seine Auslieferung immer wieder verzögert.

Der am Ende überraschend schnellen Auslieferungen waren intensive Verhandlungen der Justizbehörden Österreichs und Frankreichs vorausgegangen. Der 71-Jährige wurde unmittelbar nach seiner Untersuchung in einer südfranzösischen Klinik festgenommen und gegen seinen Willen zum Flugzeug gebracht.

Elsner und ein halbes Dutzend weiterer Spitzenbanker der BAWAG müssen sich demnächst in Wien vor Gericht verantworten. Unter seiner Führung war Österreichs viertgrößte Bank durch höchst riskante Spekulationsgeschäfte in der Karibik Ende der 1990er Jahre mit umgerechnet über einer Milliarde Euro in die Verlustzone gerutscht.

Elsner hatte diese Verluste vertuscht. Weitere gravierende Fehler seiner Nachfolger brachten die Bank an den Rand der Pleite. Sie konnte nur gerettet werden, weil der Österreichische Gewerkschaftsbund ÖGB mit seinem Milliarden schweren Streikfonds für die Bank bürgte. Der ÖGB selbst wurde dadurch in eine existenzbedrohende Krise gestürzt, die letztlich zum Verkauf der Bank für rund 3,5 Milliarden Euro führte.

manager-magazin.de mit Material von reuters