Heros-Skandal Ex-Kindergärtnerin verurteilt

Wegen Unterschlagung, Beihilfe zur Untreue und Erpressung wurde eine Ex-Heros Mitarbeiterin zu sechs Jahren Haft verurteilt. 10.000 Euro im Monat hatte sich die Geldzählerin als "Überstundenvergütung" gegönnt. Davon bezahlte sie unter anderem mehr als 200.000 Euro für Luxuslimousinen in bar.

Mönchengladbach - Ein Jahr nach der spektakulären Pleite der Heros-Geldtransportgruppe ist eine ehemalige Geldzählerin in Mönchengladbach zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht sprach die 39-Jährige am Dienstag wegen Erpressung, Unterschlagung und Beihilfe zur Unterschlagung schuldig.

Die einstige Mitarbeiterin der Viersener Tochterfirma Nordcash hatte nach Überzeugung des Gerichts "ausgesprochen skrupellos" mehr als drei Millionen Euro aus dem Unternehmen abgezweigt. Sie selbst hatte eingeräumt, 2,8 Millionen Euro mitgenommen zu haben.

Der Vorsitzende Richter äußerte am Dienstag aber den Verdacht, dass die ehemalige Kindergärtnerin noch "mindestens 350.000 Euro, vermutlich aber noch viel mehr" vor dem Insolvenzverwalter auf Konten in der Schweiz verborgen hält. Die Aussagen der Angeklagten verwarf das Gericht in wesentlichen Teilen als unglaubwürdig.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht der Strafforderung der Anklage. Der Verteidiger nannte die Strafe überzogen. Es könne nicht sein, dass die Frau härter bestraft werde als ihre kriminellen Vorgesetzten.

Die Angestellte war den Machenschaften ihrer Chefs auf die Schliche gekommen und hatte die Millionen für ihr Schweigen kassiert. 10.000 Euro im Monat hatte sich die Geldzählerin als "Überstundenvergütung" gegönnt. Davon lebte sie auf großem Fuß, zahlte mehr als 200.000 Euro für Luxuslimousinen bar. Als sie auf einen Schlag 700.000 Euro aus dem Unternehmen mitnahm, wurde es einem Kollegen zu viel: Der Mitarbeiter drohte anonym mit der Offenlegung der Vorgänge, falls die Kollegin weiter in der Firma verbleibe.

Die Vorgesetzten sahen sich dadurch gezwungen, der Mitwisserin zu kündigen. Daraufhin erpresste sie ihre Vorgesetzten: Auf einem Rastplatz wurden der Geschassten noch einmal 500.000 Euro "Abfindung" gezahlt.

Ein dummer Fehler unterlief der Frau allerdings, als in ihr Anwesen eingebrochen wurde: Bei der Polizei gab sie an - vermutlich wahrheitsgemäß - dass ihr 700.000 Euro aus dem Tresor gestohlen wurden. Damit rief sie das Finanzamt auf den Plan. Der Fall hatte den Skandal um Heros ausgelöst, der schließlich mit der Pleite der gesamten Unternehmensgruppe im Februar 2006 endete.

Ex-Heros-Chef Karl-Heinz Weis und drei weitere Manager müssen sich derzeit in Hildesheim vor Gericht verantworten. Sie sind wegen gewerbsmäßiger Untreue, Bankrott und Insolvenzverschleppung angeklagt und sollen bis zu 1000 Firmen um insgesamt 270 Millionen Euro geschädigt haben. Die Unternehmensleitung soll immer größer werdende Finanzlöcher im Unternehmen mit Kundengeldern gestopft haben. Als das Schneeballsystem aufflog, musste der einstige Branchenprimus Insolvenz anmelden.

Weis hatte vor Gericht ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Der Gesamtschaden aus der Pleite liegt nach Schätzungen des Insolvenzverwalters sogar bei 400 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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