Fußballer und Geld Schlechter Rat ist teuer

Solange sie spielen, ist der Neid ihnen sicher. Profifußballer verdienen schnelle Millionen. Doch wenn sie mit dem Sport aufhören, verlieren viele ihr Vermögen genauso schnell wieder. Die Beispiele der Prominenten zeigen, wie sich eine blauäugige Anlagestrategie rächt.

Hamburg - "Ich will nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen." Dieser bescheidene Wunsch ist aus Erwin Kosteddes Zeit als Bundesligastar überliefert. Das war in den 70ern, und Kostedde konnte darauf hoffen, für immer ausgesorgt zu haben. Doch nachdem er 1983 seine Profikarriere beendete, musste Kostedde bald feststellen, dass er sein Geld in die falschen Hände gegeben hatte. Ein Anlageberater hatte sein gesamtes Vermögen in Schulden verwandelt.

Der Star musste doch wieder arbeiten, hatte aber weder als Verkäufer noch als Vertreter Erfolg, und es ging weiter bergab. Nur der Traum vom Tresen ließ sich verwirklichen. Der Tiefpunkt kam 1990. Während die Nationalmannschaft, der er selbst einmal angehört hatte, ihren Weltmeistertitel feierte, saß Kostedde monatelang in Untersuchungshaft. Man verdächtigte ihn, eine Spielhalle überfallen zu haben. Er wurde freigesprochen, doch Kostedde hatte außer seinem Vermögen auch die meisten Freunde verloren. Noch heute lebt er vereinsamt und verarmt in seiner Heimatstadt Münster.

Nicht immer ist der Fall so tief und ungebremst, doch das schnelle Geld hat sich schon für viele Fußballprofis als flüchtig erwiesen. Die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) hat ermittelt, dass die Hälfte des letzten Bundesligakaders von Eintracht Braunschweig aus dem Jahr 1985 20 Jahre später von Sozialhilfe lebte. Nach Angaben der Rostocker Vermögensberater Christian und Michael Daudert, die sich auf Fußballprofis spezialisiert haben, beenden heute 26 Prozent der Spieler ihre Karriere mit mehr Schulden als Guthaben.

Martin Schneider ist einer von ihnen. Er verlor im Jahr 2000 zwei Millionen Mark, als mehrere geschlossene Immobilienfonds platzten. Damals kam vieles zusammen: Kreuzbandriss, Vertragsende, Scheidung von der Ehefrau, und dann stand er auch noch vor einem Schuldenberg. Doch wenn er heute darüber spricht, klingt er erstaunlich gelassen.

"Es hat sogar etwas Gutes. Dann regt man sich über Kleinigkeiten nicht mehr so auf", sagt Schneider. "Wenn das nicht passiert wäre, könnte ich vielleicht in Saus und Braus leben." Doch immerhin habe er noch ein Restaurant, arbeite als Trainer bei seinem Schweinfurter Heimatverein und bekomme Rente als Sportinvalide.

Windige Berater

Windige Berater

Schneider ist trotzdem bis heute verschuldet und an wertlosen Immobilienfonds beteiligt. Die hatte ihm sein Anlageberater Jörg-Michael K. empfohlen, früher "so etwas wie ein Freund", sagt Schneider. "Ich wollte mich nicht ums Geld kümmern, aber die Steuern haben mich gestört. Damals gab es ja noch einen Spitzensteuersatz von 54 Prozent." Steuern sparen, das konnte man damals mit Ostimmobilien. Also floss Schneiders Geld in Häuser in Sachsen und Thüringen, die jedoch zumeist leer standen und keine Erträge mehr brachten. K. wurde in der Not immer erfinderischer. Er verkaufte Anteile an einer Aktiengesellschaft, die es nicht gab, versprach eine Rückzahlungsgarantie mit 50 Prozent Gewinn, ließ sich Blankoschecks ausstellen.

Schneider sagt lakonisch, er habe sich als "konservativer Anleger" verstanden. Auch andere Kollegen vertrauten K.. Andrzej Juskowiak, der als 36-Jähriger immer noch für Erzgebirge Aue aktiv ist, traf es noch härter als Schneider. Den plagte schon manchmal das schlechte Gewissen, weil er seinen Berater, einen Bekannten aus Schweinfurt, im Verein empfohlen hatte. Bei Borussia Mönchengladbach durfte K. den Spielern sogar Vorträge über Geldanlage halten, dafür fiel die Trainingsstunde aus. Aber er hatte ja einen guten Ruf, war sogar einmal "Manager des Jahres" der Bonnfinanz, beruhigt sich Schneider. "Er ist in die Enge gekommen und dann höchst kriminell geworden." K. wurde wegen Betrugs zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Das Versprechen, Steuern zu sparen und hohe Rendite zu kassieren, hatte schon lange vor den Ostimmobilien etliche Fußballer in die Falle gelockt. Anfang der 80er Jahre brachten die Bauherrenmodelle ganze Vereine wie Eintracht Frankfurt oder Borussia Mönchengladbach in Bedrängnis. Mehr als 200 Spieler, Trainer und Funktionäre waren an dem Geschäft beteiligt, in dem ein Bauherr eine Immobilie kauft, die ein anderer bauen lässt. Die Erträge sollten von der Steuer abgesetzt werden.

In vielen Fällen kamen aber keine Erträge, manche Häuser wurden gar nicht erst gebaut. Die Bauherren blieben auf den Kosten sitzen, darunter so prominente Spieler wie Bum Kun Cha oder Ewald Lienen. "Ich bin ein Opfer meiner eigenen Naivität in finanziellen Dingen geworden, die mich nie interessierten", bekannte Lienen später. Der notorische Kritiker des Fußballgeschäfts hatte vorher damit kokettiert, dass er bald reich genug sei, um mit dem Spielen aufzuhören. Doch die Schulden zwangen ihn, noch bis 1992 weiterzuspielen. 1987 gründete Lienen die Spielergewerkschaft VdV mit.

"Die VdV wurde auch gegründet, um Spieler vor windigen Beratern zu schützen", sagt Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Inzwischen habe sich der Schwerpunkt ihrer Arbeit aber glücklicherweise in Richtung Vorsorge verschoben. "Wir haben den Eindruck, dass die Spieler sehr professionell damit umgehen." Christian Schmeckmann vom Finanzdienstleister MLP, der das Versorgungswerk von VdV und Deutschem Fußballbund betreut, sieht aber weiterhin große Gefahren. "Viele wenden sich erst an die VdV, wenn das Kind im Brunnen liegt", meint er.

Gefühlter Reichtum

Gefühlter Reichtum

Auf Bauherrenmodelle und Ostimmobilien seien weitere Steuersparangebote gefolgt. In den vergangenen Jahren hätten viele Spieler, die ihren Beratern blind vertrauten, in Schiffs- oder Medienfonds investiert. Auch wenn ständig Steuerschlupflöcher geschlossen werden, bleibe der Anreiz hoch. "Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die eine neue Lücke finden", meint Schmeckmann. "Neue Produkte zum Beispiel, um die Abgeltungsteuer zu umgehen."

Vermögensberater Michael Daudert berichtet, wie sich immer noch schwarze Schafe der Branche im Umfeld der unerfahrenen, aber reichen Spieler tummeln. Einer habe ausländischen Spielern die deutsche Staatsangehörigkeit versprochen, wenn sie Eigentumswohnungen kaufen. Sogar in Vereinsgeschäftsräumen seien Verträge für überteuerte Immobilien unterzeichnet worden.

Die Spieler hätten zwar nur "gefühlten Reichtum", aber eine exzellente Bonität. "Da findet sich in Deutschland schnell eine Bank, und schon haben sie einen Riesenkredit am Hals", sagt Daudert. Solange der Erfolg anhalte, merke das keiner. Doch wenn die Spieler sich verletzen, in einen schlechteren Vertrag wechseln müssen oder das Projekt platzt, seien die Berater meist nicht mehr zu fassen. Für die Sportler sei auch der enge Kontakt zu den Kollegen ein Grund, mitzumachen - beinahe ein Gruppenzwang.

Im Aktienboom um das Jahr 2000 etwa sei der Börsenhandel an trainingsfreien Tagen schon zum Ersatzsport geworden, sagt Daudert. "Die liefen nur noch mit dem Handy am Ohr herum." Ein ausländischer Spieler habe aus 1,2 Millionen Euro auf seinem Leverkusener Sparkassenkonto 150.000 gemacht - nur ein krasses Beispiel von vielen, wie sich Fußballspieler am Neuen Markt verzockten. "Es gibt richtige Modewellen in den Vereinen", sagt Daudert. Im Moment sei Pokern angesagt. Das findet Daudert im Vergleich erfreulich, denn es gehe nicht um so hohe Summen. Außerdem wisse wenigstens jeder Beteiligte, dass er zockt.

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