BP Anleger klagen gegen Noch-Chef Browne

Die Anleger des britischen Ölkonzerns BP ziehen gegen die Pensions- und Abfindungszahlungen für den scheidenden Konzernchef John Browne vor Gericht. Die Vergütungen in Höhe von mehr als 140 Millionen Dollar seien überzogen, erklärte William Lerach, Anwalt zweier Pensionsfonds in Gewerkschaftsbesitz.

New York - Der prominente US-Anwalt William Lerach vertritt die britische London Pensions Fund Authority und die Unite Here aus den USA. Ein erster Antrag sollte noch am Freitag bei einem Gericht in Anchorage in Alaska gestellt werden. BP  betreibt große Erdöl-Anlagen in dem nördlichsten US-Bundesstaat.

"Browne wird, wie es aussieht, aus dem Konzern geschmissen, aber er bekommt weiß Gott wie viele Millionen Dollar Abfindung und Rente", sagte Lerach. "Wir sind nicht der Meinung, dass er all das Geld mitnehmen sollte." Dabei handele es sich um etwa 40 Millionen Dollar an Pensionszahlungen und 54,5 Millionen Dollar an leistungsbezogenen Vergütungen.

Zudem wollen die Kläger, dass das Gericht Aktienoptionen in Höhe von 30,7 Millionen Dollar einfriert und Browne die bereits an ihn gezahlten 18,3 Millionen Dollar an Bonuszahlungen zurückerstattet. BP wollte sich zu laufenden Rechtsverfahren nicht äußern. Ein BP-Insider wies allerdings die von den Klägern angeführten Zahlen als übertrieben zurück. "Die tatsächliche Summe ist nur ein Bruchteil davon", sagte er.

Die beiden Pensionsfonds hatten Browne und die gesamte BP-Führung im Oktober verklagt, weil sie dem Management rücksichtsloses Vorgehen in Umwelt- und Arbeitsschutzfragen auch zu Lasten der Aktionäre vorwerfen. Das BP-Direktorium könne die Zahlungen an Browne zurückhalten, sollte es feststellen, dass dieser fahrlässig gehandelt habe, sagte Lerach.

Browne hatte im Januar angekündigt, seinen Posten bereits Ende Juli aufzugeben, eineinhalb Jahre früher als bisher geplant. Zuvor war eine Verlängerung seines Vertrages am Widerstand aus dem Direktorium gescheitert. Er galt in der Ölbranche lange als Visionär und einer der geschätztesten Firmenbosse in der Wirtschaftswelt.

Sein Ruf hatte aber zuletzt gelitten - nicht zuletzt nach einer Reihe tödlicher Unfälle in US-Raffinerien. Auch ein Produktionsstopp in Alaska wegen verrosteter und schlecht gewarteter Pipelines schadete ihm. Browne arbeitet seit 1966 im Unternehmen. Seit 1995 ist er der Firmenchef.

Die Abfindungen und Ruhestandszahlungen an Topmanager sind seit längerem ein öffentlicher Streitpunkt. Zuletzt sorgten etwa die Abschiedspakete an den Ex-Chef der Baumarktkette Home Depot , Robert Nardelli, und den Ex-Chef des Pharmariesen Pfizer , Hank McKinnel, über je rund 200 Millionen Dollar für Empörung unter den Aktionären.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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